Geist

"Feuerengel" - CD-Release-Konzert

29.01.2011 Die Werkstatt / Köln

Von: Thomas Kröll

Geist Köln

Vor vier Jahren machen Geist mit ihrem Debütalbum "Für alle Zeit" erstmals nachhaltig auf sich aufmerksam. Es folgt ein äußerst positives Medienecho und eine ausgedehnte Deutschlandtour. Radiosender, Zeitungen, Magazine, Internetbroadcaster und nicht zuletzt alle Fans abwechslungsreichen Alternativrocks werden auf die Band aus Köln aufmerksam - bis hinüber in die USA. 2008 legen Geist dann eine Unplugged-EP mit drei Songs nach und bleiben permanent auf der Bühne präsent. Für sein neues Album "Feuerengel" hat sich das Quartett Zeit genommen - und das Ergebnis ist mehr als hörenswert (wie ihr hier nachlesen könnt). Davon dürfen sich all diejenigen live überzeugen, die heute den Weg zum CD-Release-Konzert in die Kölner Werkstatt gefunden haben.

Und das sind nicht wenige. Schließlich haben Geist hier ein Heimspiel. Der kleine, aber feine Club in Ehrenfeld ist dementsprechend proppevoll. Das Publikum ist bunt gemischt, sogar ein paar Kuttenträger werden gesichtet (von denen ich dachte, sie seien außerhalb von AC/DC-Konzerten längst ausgestorben). Zunächst sorgen Bilk als Support für gute Stimmung. Die Düsseldorfer treten heute quasi in der Höhle des Löwen auf, wissen mit ihrem Deutsch-Pop-Punk aber durchaus zu gefallen. Musikalisch erscheinen sie wie ein Relikt aus den Zeiten der Neuen Deutschen Welle und auch Sängerin Manu quietscht ähnlich wie einstmals Annette Humpe. Klingt trotzdem nett und immerhin stellen Bilk mit "Tanzen (der Rhythmus einer Stadt)" das offizielle Düsseldorf-Lied zum Eurovision Song Contest, der bekanntlich am 14.05. in der NRW-Landeshauptstadt stattfindet.

Nach kurzer Umbau- und Rauchpause (vor der Tür) ist es dann an der Zeit für Geist. Kurz nach 21 Uhr starten die vier Domstädter mit "Strom" in ihr Set. Und unter Strom stehen von Beginn an alle - Band wie Fans. Sänger Fares Rahmun bildet mit weißem Hemd und Krawatte einen optisch krassen Gegensatz zu den kraftstrotzenden Songs und sprüht vom ersten Ton an selbst förmlich vor Energie. Das gilt im besonderen auch für Tim Born, der immer wieder einige wunderbare Gitarrensoli einstreut. Der Sound ist schön fett und vor der Bühne wird fleißig getanzt und gefeiert. Während den Rauchern draußen die Zigaretten zu Eiszapfen gefrieren, wird es in der Werkstatt langsam aber sicher mollig warm. Fares kühlt sich mit einem Bier ab... indem er es über seinen Kopf schüttet.

Das aktuelle Album wird natürlich fast komplett gespielt. Lediglich "Wunder Stern" fehlt, sehr zu meinem Bedauern. Aber auch ohne meinen heimlichen Favoriten hat der Abend noch genügend Höhepunkte zu bieten. Einer davon ist beispielsweise das Intro zu "So viele wie du", bei dem Bassist Oliver Rattay eindrucksvoll sein Können am Didgeridoo beweist und nebenbei die Dreadlocks fliegen lässt. Der Kölner Mob kommt voll auf seine Kosten. Auch die Band ist sichtlich überwältigt von der Begeisterung, die ihr da entgegenschlägt. Ohne Pause rocken sich Geist die Seele aus dem Leib. Dass sie jedoch nicht nur Gas geben können, sondern ebenso die leisen Zwischentöne beherrschen, wird bei der ersten Zugabe "Einssein" deutlich, die sogar bei mir für Gänsehaut sorgt. Und das ausnahmsweise mal nicht wegen der arktischen Kälte. Um kurz vor 23 Uhr ist die schweißtreibende Party dann leider vorbei. Gezwungenermaßen, denn die Werkstatt-DJs warten bereits auf das nächste tanzwütige Volk. Schließlich ist Samstag und morgen können wir alle ausschlafen.

Die Jungs von Geist werden in dieser Nacht womöglich nicht viel, dafür aber gut geschlafen haben. Bestimmt haben sie nochmal von einem Konzert geträumt, das für sie nicht nur ein Riesenerfolg war, sondern bei dem sie restlos überzeugt haben. Und kurz bevor sie aufgewacht sind, haben sie vielleicht sogar ein bißchen von Rock am Ring geträumt. Auf der Mainstage natürlich... oder zumindest von der Live Music Hall um die Ecke. Wenn sie so weitermachen wie heute in der Werkstatt, dann kann dieser Traum für Geist eines Tages Wirklichkeit werden!

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