Tour 2008
Seit mehr als zwanzig Jahren macht dieser Mann schon Musik und mehr als zwanzig Longplayer hat er in dieser Zeit veröffentlicht. Einige seiner Weggefährten haben sich mittlerweile abgesetzt und machen, sehr erfolgreich, in anderen Kontexten Musik. Chris Cacavas zum Beispiel, aber allen voran Calexico, die mit ihrer neuesten CD "Carried To Dust" so ziemlich alles an Kritiker- und Publikumslob abgeräumt haben, was auf dem Weg lag und auch erst vor kurzem hier in Köln zu Gast waren.
Heute ist Howe Gelb alias Giant Sand zu Gast hier in Köln, um seine aktuelle CD „proVisions“ zu promoten. Schon am Nachmittag gibt er einen verheißungsvollen Gig im kleinen „Normal-„ Plattenladen und alleine dieser verspricht schon einen grandiosen Abend. Giant Sand kommen mit „kleinem Besteck“ auf die Bühne, zwei Gitarren, Tasten, Getrommel und einem Bass, einem Kontrabass, der dann auch die Richtung vorgibt.
Das Gebäude 9 ist sehr gut gefüllt mit Menschen unterschiedlichen Alters, bemerkenswerterweise in erster Linie Männern. Und so legt der Mastermind des Americana mit seiner Combo los, um uns seine neue Version des Wüstenrocks vorzustellen. Von den rockigen Gitarren der Anfangstage ist nicht mehr viel übrig geblieben, Howe Gelb macht mittlerweile seine ganz eigene Musik. Ein bisschen Country, ein wenig Twang hier und da, doch wirken die Stücke meist wie Entwürfe, die erst im Zusammenspiel ein Ganzes ergeben.
So braucht es auch eine ganze Menge Geduld und Bereitschaft, den Gitarreneinwürfen, dem Gegniedel von Howe Gelb zu lauschen. Aus scheinbar völlig uninspiriertem Geschrammel entstehen dann meist doch noch, kurz bevor es zu spät ist, schöne Melodien, die die Songs ins rechte Licht rücken.
So sind Giant Sand bzw. ist Howe Gelb bei sich selbst angekommen und kann durchaus als künftiger Klassiker bezeichnet werden. An der Live-Performance allerdings müssen diese Leute noch ein wenig schrauben, denn jedem Lied soviel Zeit zu geben, bis es zu Potte kommt, fällt doch ein wenig schwer. Das Konzert im Gebäude 9 mutet dann doch hin und wieder wie eine öffentliche Probe an, trotz der unbestreitbaren Qualitäten der Songs und der Musiker.