Give It A Name Festival 2007
Ehrlich gesagt, brauch man sich gar keine Mühe geben, dem Give it a name-Festival einen Namen zu geben. Denn einen Namen hat dieses Ein-Tages-Festival eigentlich nicht verdient.
Irgendwie wollte man wohl den Flair von der Insel zu uns rüber holen. Dort ist das Festival seit 2005 eine feste Institution, geht über drei Tage und bietet allen Post Hadcore, Emocore und Pop Punk-Liebhabern eine wunderbare Gelegenheit sich auszutoben. Nun versuchte man 2007 dieses Festival etwas auszubreiten und man konnte Dates in Schottland, Frankreich und bei uns in Deutschland gewinnen. Aber ob das im nächsten Jahr dann noch mal so stattfindet ist die große Frage.
Ursprünglich wollte man das Give it a name-Festival auf zwei Hallen (E-Werk und Palladium) verteilen. Der Zeitplan sah gut aus und man konnte sich auf einen schönen Freitag freuen. Mit krachendem Emocore und Screamo, mit alten Hasen wie LAGWAGON oder poppigen JIMMY EAT WORLD. Doch durch die Absage der Gruppe THURSDAY und dem daraufhin „freiwilligen“ Verzicht der Gruppen GROWN AT HOME und ONE FINE DAY auf ihre Timeslots, warf man den ganzen schönen Plan durcheinander. Man beschränkte sich nur noch auf eine Halle und somit hatten alle Bands deutlich weniger Spielzeit. Was natürlich bei vielen Fans nicht gut ankam.
So eröffneten MINDLESS SELFE INDULGENCE das Give it a name. Da mal wieder alles am und um den Kölner Ring verstopft war, kam ich leider nur noch zum Abbau pünktlich ins Palladium. Man konnte nur noch Sänger Jimmy Urine umharrt von Teenagern erkennen, wie er Autogramme gab. Wenige Zuschauer fanden früh den Weg zum Give it a name. Alles war überschaubar und die Tennager konnte man an einer Hand abzählen. THE SLEEPING versuchten immerhin die annähernd 50 Leutchen zu unterhalten. Da aber aufgrund der leeren Halle der Hall extrem groß war, kam das Gekreische von Frontmann Doug Robinson zumindest bei mir nicht ganz so gut an. Immerhin wusste dagegen Frank Carter, seines Zeichens Stimme der Hardcore-Punker GALLOWS, wie man die kleine Zuschauermenge ein wenig auffrischt und locker macht. Nach dem ersten Energie geladenen Song, bei dem schon fast das ganze Equipment zerstört wurde, zog es Carter runter zu den Teens. Den Rest des Konzertes mischte der Sänger der GALLOWS unten im kleinen Moshpit mit, schreiend und pogend. Das kam bei den jungen Zuschauern an.
MEWITHOUTYOU sollten folgen und wirkten gleich etwas erwachsener. Mit tragenderen Melodien und, im Gegensatz zu den beiden Hardcore Gruppen vorher, etwas verständlicher am Mikro. Hier wurde das Akkordeon sogar gezückt. Aber auch hier reichte das 20 minütige Zeitfenster nicht aus, um irgendwas im Publikum zu bewegen. War man erst richtig in der Musik drin, so wurde man prompt wieder entrissen, weil einfach nicht mehr Zeit vorgesehen war.
Die nächsten Bands ZEBRAHEAD und MXPX konnten immerhin durch einige Hits (Playmate of the year bzw. Responsibilty) und gekonnten Power Pop Punk Melodien die kleine Menge zum Tanzen bringen. Mit der Zeit kamen natürlich immer mehr Besucher. Aber die Halle wurd noch nicht mal halbvoll, auch am Ende als JIMMY EAT WORLD ihren großen Auftritt haben sollten. ZEBRAHEAD brachte mit der typischen „Hinsetzaktion“ Leben in die Bude und MXPX führte akrobatische Gitarrenwürfe auf der Bühne vor. Das war schon mehr Show als vorher.
Die VOODOO GLOW SKULLS versuchten mit ihrem Ska-Punk innerhalb ihrer mittlerweile schon halbstündigen Performance zu begeistern. Scheiterten aber auch. Klar die ersten vier Reihen waren mit ihrem Pogo-Tanz voll ausgelastet; der Rest der Halle versuchte aber wohl eher die Melodie der Bläser Fraktion vom anderen Lärm zu unterscheiden. Der Sound, wie später auch von LAGWAGON Frontmann Joey Cape angemerkt, war recht mies im Kölner Palladium. Dies bekam auch SENSE’S FAIL zu spüren. Da halfen auch diverse akrobatische Einlagen und das runter lassen der Hose nichts. Wer in der neuen Fachsprache Violent dancing betrieben wollte war wohl richtig, wer sich guten Emocore anschauen wollte falsch.
Der einzige Lichtblick, das erlösende Etwas, war SPARTA. Der Vierer um Jim Ward, brachte zum ersten Mal feinsten Rock unter die Leute. SPARTA hatte den Vorteil auf Grund der melodiöseren Musik, nicht so arge Probleme zu haben mit dem Sound wie andere Gruppen. „Taking back control“ oder das hymnenartige „The most vicious crime“ fesselten genauso wie die Songs der beiden Vorgängeralben. Aber auch SPARTA musste nach guten 35 Minuten die Bühne räumen, um für LAGWAGON Platz zu machen. Die wiederum mit alten Klassikern wie Lamens terms oder Sleep immerhin den guten alten Melody Skate Punk der 90er vertraten. Aber lustlos wirkte das Quintett aus Santa Barbara. Der Sound war mies und leider konnte auch keiner so richtig gepackt werden. Ziemlich schnell falteten LAGWAGON ihre Instrumente wieder zusammen. Da half auch kein eigen inszenierter Moshpit der VOODOO GLOW SKULLS im hinteren Bereich des Palladiums.
JIMMY EAT WORLD war also dann der letzte Act der Premiere des Give it a name-Festivals in Köln. Zwar kam mit Bleed American direkt ein Kracher als Einsteiger, aber auch der holte die Kohlen nicht aus dem Feuer. Man wartete vergeblich auf den großen Auftritt des Headliners. Der Sound war besonders schlecht. Es wurde zwar viel applaudiert, aber hier war keine Magie zu spüren. So fanden irgendwo die 8 Stunden Festival keinen richtigen Höhepunkt zum Schluss. Außer mit SPARTA konnte man mit wenig zufrieden sein. Ein kläglicher Visions Stand, ein Tisch von Greenhell Records und die üblichen Band T-Shirts. Teure Becher voller Kölsch oder anderen geliebten Flüssigkeiten und keine große Auswahl an Nahrungsmitteln.
Zweifelhaft, ob das Give it a name, auch auf Grund der geringen Zuschauerzahl und der bestimmt nicht zufriedenen Musiker noch mal Station in Deutschland macht. Zwei Tage später stand Berlin als weiterer Deutschland Test auf dem Programm. Vielleicht war es da ja besser.