Glasvegas

Tour 2009

07.05.2009 Gebäude9 / Köln

Von: Simon Baranowski

Glasvegas Köln

Nach dem Anfangshype im vergangenen Jahr und einem kurzen Gastspiel beim Rockpalast-Festival sind Glasvegas aus dem schottischen Glasgow endlich zu Gast im Kölner Gebäude 9. 2008 kam mit dem selbstbetitelten Debüt gleich der Durchbruch in die zahlreich höher schlagenden Indieherzen. Mit ihrem angehauchten Shoegazer und dem schottischen Dialekt im Gesang geben Glasvegas sich selber eine ganz eigene Note. Der Hype aus dem letzten Jahr hat sich gehalten und somit ist es nicht verwunderlich, dass das Gebäude 9 ausverkauft ist.

Das Licht geht aus und die ersten Sequenzen des Openers "Geraldine" sind schon wahrzunehmen. Das Warten hat ein Ende und Sänger/Gitarrist James Allan, dessen Bruder und Lead-Gitarrist Rab, Bassist Paul Donoghue und Schlagzeugerin Caroline McKay betreten die Bühne. "Geraldine" war die erste offizielle Single der Schotten und schoss sogar in die britischen Top 20. Der Einsteiger war genau richtig gewählt. Es herrscht Gänsehautfeeling und ein erlösendes Gefühl, dass es endlich losgeht. Von 0 auf 100 starten Glasvegas gleich durch. James Allen posiert und Schlagzeugerin McKay kann ab diesem Moment das Lächeln im Gesicht nicht mehr unterdrücken. Alle vier Musiker sind in schwarz gekleidet. Frontmann Allan mit lässiger Sonnenbrille. Von weitem vielleicht britisch arrogant wirkend, aber im Laufe des Abends entwickelt sich ein wohl ganz besonderes Gefühl, eine besondere Harmonie zwischen Band und Publikum.

Glasvegas’ Musik besticht durch lang gezogene Hymnen im schottischen Dialekt. In der Live-Version mit noch größerer Wirkung als auf Platte. "Lonesome Swan" und das wundervolle "It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry" folgen dem schon zum Highlight gehörenden "Geraldine". Die vier Musiker werden durch verschiedenfarbige Blitzlichtgewitter sehr gut in Szene gesetzt. James Allan dehnt jeden Vokal bis aufs Äußerste und behält bis zum Ende der Show seine Stimme. Caroline McKay ersetzte bereits 2005 Gründungsmitglied Ryan Ross, obwohl sie gar kein Schlagzeug spielte. So erklärt sich auch der spärliche Aufbau des Drumsets auf der Bühne. McKay ist einfach noch nicht so weit, löst ihre Aufgabe als Drummerin bei Glasvegas seit jetzt nunmehr fast vier Jahren perfekt. Komplizierte Drumparts wären im Glasvegasrepertoire auch überflüssig. Die Ausdrucksform der Band hat was vom sogenannten typisch Englischen. Die Vorstadtjungs aus dem Land der europäischen Industrialisierung. Die Söhne und Töchter einfacher Männer. Ich musste oft Vergleiche mit Joy Division oder den mir vorgestellten rockigeren Depeche Mode anstellen. Ich meine auch immer noch "Stay On These Roads" von a-ha in "Polmont On My Mind" rauszuhören. Die 80er sind an diesem Abend zum Greifen nah, jedoch am heutigen Abend in der Interpretation von Glasvegas.

"Flowers & Football Tops", der Einsteiger auf Platte, bringt noch mal Fahrt ins Geschehen und lässt einem mit dem "You Are My Sunshine" Sequel im Endpart des Songs wieder runter kommen. "Ice Cream Van" hätte man zwar weglassen können, wird aber durch ein auch vom Publikum lautstarkes "Here We Fucking Go" im Track "Go Square Go" förmlich weggeblasen. Man merkt James Allan an, dass dieser richtig gerührt ist und sicherlich nicht mit dem großen Zuspruch gerechnet hat, den er nun bekommt.

Ohne Sonnenbrille kommt Allan zurück auf die Bühne zum Zugabenteil. Die Frage, wer sich von der Glasvegas Besatzung am eindrucksvollsten ins Gedächtnis brennt, stellt sich eigentlich gar nicht und ist jedem bereits nach den ersten Klängen klar. Mittlerweile ist es wieder einmal tierisch heiß geworden im Gebäude 9. "S.A.D. Light" und der EP Track "Please Come Back Home" schenken vielen Besuchern noch mal ein zufriedenes Lächeln, bis es dann mit "Daddy’s Gone" ein letztes Highlight gibt. Der Verzerrer bleibt an, doch Glasvegas beenden nach knapp einer Stunde ihren Gig. Ein kurzes, aber intensives Gastspiel. Warten wir auf weitere Veröffentlichungen und dann auf ein längeres Konzert. Das hat Lust nach mehr gemacht und wie so oft, so ist es auch bei Glasvegas so, dass die Tracks, nachdem man sie live erlebt hat, eine weitaus größere Reflektion erreichen als vorher.

Setlist:

Geraldine
Lonesome Swan
It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry
Polmont On My Mind
Fuck You, It’s Over
Flowers & Football Tops
Ice Cream Van
Go Square Go
---------------
S.A.D. Light
Please Come Back Home
Daddy’s Gone

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