God Is An Astronaut

Age Of The Fifth Sun European Tour 2010 - Support: The Butterfly Explosion + Junius

10.05.2010 Knust / Hamburg

Von: Jessica Franke

God Is An Astronaut Hamburg

Ich muss ja zu meiner Schande gestehen, dass ich von diesen sympathischen Jungs vorher noch nie was gehört habe. Und nach diesem fantastischen Abend frage ich mich wirklich: Warum eigentlich??? God Is An Astronaut aus Dublin gründeten sich im Jahr 2002 und brachten ihr Debütalbum "The End Of The Beginning" bereits im März 2003 auf ihrem eigenen Label Revive Records raus. Bei Musikpresse, Medien und Rockfans fand das Trio um die Brüder Torsten und Niels Kinsella sowie Drummer Lloyd Hanney sofort großen Anklang. Mit ihrem neuen Album "Age Of The Fifth Sun", welches Mitte 2010 erscheinen wird, und gleich zwei Vorbands im Gepäck steuern die Iren nun also ihr instrumentales Postrock-Raumschiff durch Deutschland und landen hier und heute schließlich in Hamburg, genauer gesagt im wundervollen Knust.

Pünktlich um 21h beginnt der Abend mit The Butterfly Explosion. Gegründet vom Gitarristen Gazz Carr veröffentliche das irische Quartett zwei EP´s bis sie schließlich Ende 2008 ihr erstes Album rausbrachten, welches von niemand geringerem produziert wurde als Torsten Kinsella (hach, was für eine Überraschung, daher weht also der Wind...). Ich bin mehr als gespannt, da von ihnen in letzter Zeit häufiger zu lesen war und sie regelrecht gehypt wurden. Es wird ein abwechslungsreiches Programm geboten. Mal krachen die Gitarren richtig post-rockig laut, dann dräuen sie nur langsam heran oder umspülen eine sanft gesungene Gesangslinie. Insgesamt ist das ganze Spektakel nett anzuhören, der Funke will allerdings - und das scheinbar nicht nur bei mir - nicht so richtig überspringen. Hier und da wird mal mit dem Bein gewippt oder mit dem Kopf genickt. So richtig Stimmung kommt jedoch leider noch nicht auf, was vielleicht auch daran liegen könnte, dass sich der Saal nur spärlich füllt. Mir persönlich fehlt ein bisschen das Außergewöhnliche. Insgesamt ist die Band nett anzuhören, kann man mal machen, muss aber auch nicht.

Nach einer ewig langen Umbaupause von fast 30 Minuten sind um 21:50h schließlich die US-amerikanischen Junius an der Reihe, die sofort mit krachendem Gitarrensound einsteigen. Leider hat sich der ewig lange Soundcheck nicht so richtig bewährt, vom Gesang versteht man leider so gut wie nix. Dennoch füllt sich der Saal ein wenig und die Dynamik der Jungs macht es einem trotz des "fehlenden" Gesanges schwer, die Füße still zu halten und sogar zwei bis drei textsichere Fans können beobachtet werden. Seit der Gründung 2004 touren Junius unermüdlich und begeistern Fans und Presse immer wieder aufs Neue mit ihrer beeindruckenden Performance aus fesselndem, wuchtigen Sound, totaler Dunkelheit und sphärischen Lichteffekten. Der einzigartige Charakter der Band zeichnet sich nicht alleine durch die Texte über das Übernatürliche, verbotene Wissen, religiöse Mythologien und außerirdische Phänomene aus, jedes einzelne Bandmitglied scheint für sich selbst bereits ein Unikat zu sein. So spielt der Schlagzeuger Dana Filloon seine Gigs stets barfuss, der Bassist Joel Munguia hat - ob gewollt oder nicht - sein T-Shirt falsch herum an. Der letzte Song "A Word Could Kill Her" ist auch gleichzeitig mein Highlight von diesem Auftritt. Mit ein paar dankenden Worten verabschiedet sich die Band um ca. 22:20h.

Bei der nun folgenden Umbauphase fällt auf, dass immer mehr Instrumente von der Bühne getragen werden. Und tatsächlich sind God Is An Astronaut an diesem Abend von allen drei auftretenden Bands wohl diejenige mit den wenigsten Instrumenten auf der Bühne. Als Durstkiller noch schnell zwei Liter Flaschen Granini O-Saft auf die Bühne gebracht und dann geht es auch schon los. Die Brüder verstehen durch ihre derartige Bühnenpräsenz das Publikum von der ersten Sekunde an mitzureißen. Ihr einzigartiger Post Rock Sound kombiniert epische Gitarrenhymnen mit schillernden Electronica Elementen und einer gesunden Portion Melancholie. Sie spielen ihre Songs nicht einfach nur lieblos runter, nein, sie leben sie regelrecht aus und übertragen diese Leidenschaft gekonnt auf den Zuschauer. Mit ihren atmosphärisch-dichten und schwelgerischen Instrumental-Melodien, die mal laut und aufgeregt, mal leise und friedlich daherkommen, vermögen sie mich hin und wieder zum Träumen anzuregen. Besonders redselig sind die Jungs nicht gerade. Macht aber auch nix, was soll man auch die kostbare Zeit für´s Quatschen verschwenden, wenn diese auch sinnvoller für die tolle Musik verwendet werden kann. Neben einigen Songs der neuen Platte präsentieren sie auch alte Kracher wie "Fragile", "Forever Lost" und "Zodiak". Ich vermisse ein wenig die selbstproduzierten Videoanimationen, die bei ihren Gigs normalerweise auf eine Leinwand projiziert werden. Stattdessen werden die Songs von einem eindrucksvollen Lichtarrangement begleitet. Bei meiner Recherche konnte ich lesen, dass sich die hymnischen Instrumentalstücke der Iren für Höhenflüge jeder Art bestens eignen, was ich nach diesem ca. 80-minütigen Auftritt in jedem Fall bestätigen kann.

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