Tour 2009
Gotthard im E-Werk (verlegt aus dem Palladium), schön und gut, aber Europe als Vorgruppe? Die schwedische Rocklegende? Die “Final Countdown“-Europe? Gibt’s die echt immer noch? Ich meine die haben sich 1979 gegründet! 30 Jahre her. Aber die spielen nicht “Final Countdown“, oder?
Doch, es gibt sie noch, und ja, sie tun es. Und wie. Mann, rocken die Jungens! Joey Tempest ist echt noch die ganz alte Schule. Posen, Mikroständer kreisen und werfen und obszöne Gesten! Großartig! Stadionrock im ganz kleinen Kreis. Und Europe rockt sich durch alle Zeiten. Von den guten, alten Hair Metal-Zeiten mit “Superstitious“, “Rock The Night“, “Cherokee“ oder dem unglaublich schönen “Carrie“ bis hin zum aktuellen Album “Last Look At Eden“ mit dem Titeltrack oder “New Love In Town“.
Als die sogenannte Vorgruppe nach fast einer Stunde die Bühne verlässt, flippt das E-Werk völlig aus und verlangt nach einer Zugabe. Und jetzt kommt es, das Unvermeidliche. Ich finde wenn ein Song erstmal in einem Supermarkt gedudelt wurde, hat er es echt hinter sich. Aber live ist das gar nicht so schlecht. Ein bißchen variiert, und der Song rockt fast 25 Jahre nach der ZDF Hitparade und Formel 1 immer noch. Alles in allem ein super Set von Europe, ganz groß!
Umbaupause für das Hard Rock Aushängeschild der Schweiz. Jedes Studioalbum (außer dem Debüt "Gotthard") landete auf Platz 1 der nationalen Charts. Und auch an der Bühne sieht man schon, dass Gotthard für größere Hallen plant. Einen Steg ins Publikum, eine kleine Bühne am anderen Ende der Halle, große Videoleinwände.
Dann kommen Hena Habegger (Schlagzeug), Marc Lynn (Bass), Freddy Scherer (Gitarre), Leo Leoni (Gitarre), und Steve Lee auf die Bühne und beginnen da, wo Europe zunächst aufgehört haben. Auch wenn der Sound (auch untypisch) bei Europe besser war. “Top Of The World“, “Need To Believe“, “Hush“ - Nach ein paar Songs wird auch der Sound besser. Besonders die Stimme von Steve Lee ist anfangs ganz schlimm abgemischt. Dann kommt das was Gotthard angekündigt hatten und "Acoustic Jukebox" nennen. Steve Lee und Leo Leoni setzen sich mit Barhockern auf den Steg und spielen auf Zuruf. Nur Gitarre und Gesang. Beziehungsweise, weil ihr Gehör nach fast 20 Jahren Rock´n´Roll nicht mehr das Beste ist, sollen die Leute ihre Wünsche aufschreiben und hoch halten.
Eine wirklich gute Idee, aber solche Akustik-Breaks nehmen einem Konzert immer das Tempo und die Dynamik und nach der dritten Ballade in Folge von Gotthard meint der ein oder andere, dass es langsam reiche und es zuviel des Guten wäre. Nach “Shangri La“ dann ein Schlagzeugsolo. Normalerweise werden solche Soli gern zum Toilettengang und Bierholen genutzt, diesmal ist es jedoch anders. Denn auf der kleinen Bühne am anderen Ende des E-Werks wird ein zweites Drum Kit aufgebaut, auf welchem sich dann Steve Lee mit Hena Habegger duelliert. Eine weitere sehr gute Idee, jedoch ist das E-Werk in Köln für so etwas einfach zu klein. Dann geht es weiter mit “All We Are“, “I Don´t Mind“ und “Lift U Up“. Danach eine kurze Pause, und natürlich auch Zugabe-Rufe für Gotthard. Die fällt jedoch mit “Mountain Mama“ und “Anytime Anywhere“ etwas kurz aus. Gotthard spielen nicht wesentlich länger als Europe. Aber immerhin gab es zweimal Stadion-Rock in der kleinen Halle und das gibt es ja auch nicht alle Tage.