Green Day

Tour 2005

20.01.2005 Philipshalle / Düsseldorf

Von: Thomas Kröll

Green Day Düsseldorf

Das Konzert von Green Day in der Philipshalle beschert mir gleich zwei Déjà-Vu`s. Ein angenehmes, weil ich mich an die Zeiten als Stage-Hand Ende der 80er erinnert fühle, in denen wir häufig in der Philipshalle „bauten“ und zwischen Aufbau und Konzert Fußball spielten. Einmal musste dabei einer der grossen Deckenfluter dran glauben... Volltreffer! Das zweite Déjà-Vu ist weniger lustig. Die Parkplatzsituation rund um die Halle ist nach wie vor katastrophal. Als wir eintreffen, ist der offizielle Parkplatz schon zu und an der Einfallstraße nach Oberbilk parken die Autos kilometerweit auf der rechten Fahrspur. In entgegengesetzter Richtung das gleiche Spiel. Wir kreisen eine geschlagene halbe Stunde in der Peripherie, ehe wir uns in der Seitenstraße einer Seitenstraße in eine vergessene dunkle Ecke quetschen können. Warum die Stadt Düsseldorf hier (auch im Interesse der Anwohner) nicht endlich mal Abhilfe schafft, ist mir ein unergründliches Rätsel.

Entsprechend „leicht“ entnervt sind wir erst 10 Minuten vor dem Green Day-Set am Ziel. Die Vorgruppe ist bereits fertig und steht wohl schon unter der Dusche. Ich bin trotzdem gespannt, ob Green Day es schaffen, den enormen Spassfaktor ihres Albums „American Idiot“ (bei dessen Titel ich immer unweigerlich an den vermeintlich mächtigsten Mann der Welt denken muss) auf die Bühne zu bringen. Ein Konzeptalbum! Von Green Day! Holla! Kein Prügelpunk mehr, sondern richtig gutes und vielseitiges Songwriting...

Die Philipshalle ist – wie die gesamte Deutschlandtour – ausverkauft. Die Stimmung ist gigantisch, was auch an dem knuddeligen rosa Plüschhasen liegen mag, der gerade auf der Bühne zu den Klängen von „YMCA“ und „Blitzkrieg Bop“ von den Ramones einen auf Anheizer macht. Wenn das die Leute von Duracell wüssten!

Um kurz nach Neun ist es dann soweit: Mit „American Idiot“ als Opener legen Green Day gleich fulminant los. Die Halle tobt. „Jesus of Surburbia“ folgt. Der Sound ist schön fett, nur der Gesang von Billie Joe Armstrong vielleicht etwas zu laut. Ein pyrotechnischer Knalleffekt mit Feuersäule beendet den Song. Aha! So sehen also heutzutage Punkkonzerte aus!? Auch das Wechselspiel zwischen Armstrong und den Fans funktioniert tadellos. Sein „Hey-Ho“ und „Two, Three, Four, Five“ bekommt er tausendfach zurück, praktiziert das aber während der Show für meinen Geschmack allzu häufig.

Nach „Holiday“ (Ansage: „Fuck you George W. Bush”) geht`s über “St. Jimmy”, “Welcome to Paradise” bis zu “She” naht- und atemlos weiter. Die Bühne ist mal in dunkelrotes und dann wieder grellweißes Licht getaucht und in den vorderen Reihen setzt sofort hemmungsloses Gekreische ein, sobald sich Armstrong dem Graben nähert. Drumherum wird fleißig Crowd-Surfen geübt oder nach Herzenslust Pogo getanzt. Die Stimmung ist selbst im hinteren Teil der Halle und auf den Rängen absolut furios. Green Day geben alles!

Bei „Knowledge“ (im Original von Operation Ivy) holt Armstrong drei Jungs aus dem Publikum auf die Bühne, die das Stück an Gitarre, Bass und Schlagzeug spielen dürfen. Sie machen ihre Sache so gut, dass der Gitarrist sein Instrument sogar behalten darf (und daraufhin ungläubig zur Salzsäule erstarrt)! Den Bassisten „jagt“ Armstrong per Stage-Diving zurück in die Menge (die ihn freundlicherweise auffängt). Später während „King for a Day“ springt er sogar höchstselbst in die ihm entgegengestreckten Arme und löst damit bei der Security mittlere Panikattacken aus.

Dazwischen liegen mit „When I come around“ und „Basket Case“ noch zwei Klassiker, ehe das reguläre Set mit „Shout“ von den Beatles (Biene Maja spielt dabei Trompete!) langsam seinem Ende entgegengeht. Es folgen noch das wunderbare „Wake me up when September ends“ (das Armstrong dem verstorbenen Johnny Ramone widmet) und – nochmals mit einem Pyroknaller als Schlusspunkt – „Minority“, bevor sich Green Day unter dem zweifellos verdienten wie frenetischen Jubel ihrer Fans für`s erste verabschieden.

Ich kann mich jedoch nur kurz dem Wunsch nach einem klimatisierten Sauerstoffzelt hingeben, da geht es mit der aktuellen Single „Boulevard of Broken Dreams“ auch schon weiter. Eigentlich ist die Stimmung nicht mehr zu toppen, aber Green Day schaffen es tatsächlich mit „We are the Champions“ noch eine Schippe draufzulegen. Nach etwas mehr als anderthalb Stunden ist dann aber „Time of your life“ endgültig das Ende der Fahnenstange.

Die Champions heute heißen eindeutig Green Day! Obwohl die Band für eine Punkkapelle mit Spezialeffekten geradezu um sich schießt und das nicht unbedingt zu ihrem musikalischen Background passt. Weniger wäre hier vielleicht mehr. Denn, und das haben sie in Düsseldorf eindrucksvoll unter Beweis gestellt, bei soviel Klasse und Ausstrahlung wie an diesem Abend, haben sie solcherlei Firlefanz eigentlich nicht nötig!

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