Greenwich Summer Sessions mit The Divine Comedy (Neil Hannon Solo) + José González
Erst zum zweiten Mal findet die Greenwich Summer Session auf dem Old Royal Naval College Gelände in London statt. Mit seiner außergewöhnlichen und intimen Atmosphäre hat es jedoch das Potential, sich zu einem festen Termin im Kalender zu etablieren. Sechs Tage lang kann man hier inmitten des maritimen Stadtteils Greenwich, welcher ebenso bekannt ist als Ausgangspunkt des Nullmeridians und der Greenwich Mean Time, wunderbare Musik erleben, unter anderem Status Quo, Turin Brakes und The Pogues. Den heutigen Auftakt des jungen Festivals macht The Divine Comedy Mitglied Neil Hannon mit einem Soloauftritt. Supportet wird er von niemand geringeren als José González. Es verspricht also ein fantastischer Abend zu werden.
Immer mehr Leute finden sich ein, als der sympathische Schwede mit argentinischen Eltern die Bühne betritt. Noch schnell wird die Setlist ausgerichtet, dann geht es auch schon los. Ein Großteil der Zuschauer macht es sich auf dem Rasen gemütlich, während ich mir einen Platz direkt vor der Bühne suche, um den Gitarrenklängen und dem Gesang Josés zu folgen. Fast schon schüchtern wirkt er bei den Ankündigungen seiner Songs oder auch wenn er ein zaghaftes Danke hervorbringt. Das breite Lächeln in seinem Gesicht verrät jedoch dabei, dass er richtig gut drauf ist und sich pudelwohl fühlt. Spätestens als er seine Gitarrenklänge mit Gesang umrahmt, ist von Schüchternheit nichts mehr zu spüren. Mit seiner ausdrucksstarken Stimme singt er sich direkt in die Herzen der Zuschauer, rührt diese mit zauberhaften Coverversionen wie zum Beispiel Kylie Minogue’s "Hand On Your Heart" oder The Knife’s "Heartbeats" zu Tränen. Mit Massive Attacks "Teardrop" findet der Auftritt schließlich seinen Höhepunkt, aber auch gleichzeitig sein Ende. Die Zuschauer sind begeistert, belohnen knapp eine Stunde wundervolle Musik mit enthusiastischem Applaus.
Dann bleibt etwas Zeit für ein Schwätzen, ein Bier oder um etwas über das schöne Gelände zu schlendern, bis schließlich Neil Hannon unter tosendem Applaus die Bühne betritt. Er ist adrett gekleidet, in schwarzem Anzug und Krawatte, seine Notenmappen unter den Arm geklemmt. "Ich hoffe, ihr mögt mein neues Album, denn ich werde es von Anfang bis Ende spielen", erklärt uns der charmante Ire, bevor er schließlich sein Piano, das inmitten der Bühne platziert ist, zum Leben erweckt. Fortan beweist sich Neil nicht nur als durchweg talentierter Musiker, der sich neben seinem Piano auch einer Akustikgitarre bedient, sondern ebenso als ausgezeichneter Entertainer. Nach einem Toast auf seine Fans, verweist er auf den wundervollen Ausblick: "Während des Soundchecks habe ich die fabelhafte Aussicht auf das Finanzviertel bemerkt. Dieser Song ist für sie". Der Song heißt "The Complete Banker" und sorgt nicht zuletzt für eine durchweg heitere Stimmung unter den Besuchern.
Die Bühne ist wunderbar geschmückt mit Stäben unterschiedlicher Höhe, umwickelt mit Lichterketten, wodurch eine wunderbare Atmosphäre geschaffen wird und sich alles letztlich zu einem wunderschönen Gesamtbild fügt. Mittlerweile hält es keinen mehr ruhig sitzend auf dem Rasen, jeder wippt fröhlich zu den Songs mit und hält sich lachend den Bauch. Wer zuvor noch nicht wusste, dass Neil ein Meister der Darstellung der britischen Mittelklasse ist, der weiß es spätestens jetzt. Er kommt immer mehr in Fahrt, kommuniziert rege mit dem Publikum, lädt schließlich sogar einen Fan dazu ein, einen Witz zu erzählen.
Zwei Stunden lang erfreut er die Zuschauer mit wundervollen Songs, lustigen Geschichten und seinem Charme, dem sich hier wirklich keiner entziehen kann. Und so blickt man am Ende schließlich in durchweg glückliche Gesichter. Was für ein gelungener Abend!