Gregor Meyle

Liedermacher spezial / meylenweit Tour 2010

05.07.2010 Pantheon / Bonn

Von: Andreas Weist

Gregor Meyle Bonn

Das Bonner Pantheon ist als Kleinkunstbühne weit über die Region hinaus bekannt und bietet ein umfangreiches Programm in feinem Ambiente. Zum 4. Pantheon-Liedermacher-Sommer waren unter anderem Matthias Reuter, Rainhard Fendrich und Gregor Meyle geladen.

Nach der Castingshow von Stefan Raab, bei der Meyle Anfang 2008 den zweiten Platz belegte und durch die selbstbewusste Interpretation eigener Titel überraschte, ist es etwas ruhiger geworden um den jungen Süddeutschen, der inzwischen in Köln lebt. Kürzlich ist sein zweites Album "Meylenweit" erschienen, zu dem ihr HIER eine ausführliche Review nachlesen könnt. Im Mai war Gregor dann zu Gast bei Musicheadquarter und ließ sich in einem ausführlichen Interview zum Stand der Dinge aus. Lest HIER nach, was er zu seiner Karriere, dem neuen Album, Stefan Raab, Lena und Michael Kessler zu sagen hat. Zudem machte Gregor uns neugierig auf den Auftritt im Pantheon, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten.

Als Support war Manslayer aus Köln mit dabei, der wohl mit zu Meyles Tourcrew gehört. Im Ernst: Der Mann kann mehr schlecht als recht singen, erzählt Witze mit ultralangem Bart – aber beides dann doch auf recht sympathische und kurzweilige Art. Wenn auch der eine oder andere Zuhörer im Publikum leicht ungehalten wurde, eignete sich Manslayer mit seiner extravaganten Coverversion von "I Kissed A Girl" und dem selbst verfassten Song "Pornofilm" durchaus zur Überbrückung der Wartezeit und wurde für Gregor im wahrsten Sinn des Wortes zum Running Gag des Abends.

Das Pantheon war mit ca. 150 Leuten gut gefüllt und die Stimmung von Beginn an sehr gut. Gregor Meyles Band bestand aus einem Pianisten (Ingo – wenn ich mich recht entsinne) und dem Geiger Christian, der viele Songs auch am Cajon rhythmisch begleitete. Christian hatte Geburtstag und so gab es zunächst mal ein von Manslayer initiiertes Ständchen der Zuschauer, bevor das Trio mit dem sehr emotionalen "Es kommt zu Dir" startete. Entspannt ging es weiter mit "Ganz normale Leute" und bereits bei "Irgendwann" hatte Meyle das Publikum fest im Griff und animierte es zum kräftigen Mitsingen. Publikumsnähe wird bei dem Songwriter groß geschrieben, der das Erzählen berührender Geschichten zu seiner Hauptaufgabe erkoren hat. Meyle ist offen in seinen Ansichten, erzählt – berichtet – spricht an und packt aus. Es macht großen Spaß, ihm zuzuhören und den Gedankengängen zu folgen.

Gregor verführt die weiblichen Zuhörer zu Seufzern, wenn er "3 Nüsse für Aschenbrödel" als Song-Inspiration erwähnt. Dann lässt er urplötzlich Kalauer zu McDonalds und dem Weltjugendtag vom Stapel. Die Wohnzimmeratmosphäre des Konzerts wird zu keinem Zeitpunkt durchbrochen. Man hat wahrlich das Gefühl, dem Protagonisten ganz nah zu sein. Und es gibt viele magische Momente, in denen das Publikum in völliger Stille den letzten verklingenden Ton abwartet. Die kleine aber klanglich starke Band trägt mit einem durch einfachste Mittel erzeugten Klanggerüst zu dieser ganz besonderen Atmosphäre bei.

"Jetzt" soll die nächste Single-Auskopplung werden und wie "Denk was du willst" mit einem professionellen Video versehen sein, das wohl leider wieder nicht den Weg zu den großen Musiksendern findet. Es ist schon fatal, wie "Denk was du willst" von den Sendern in die Roger-Cicero-Schublade gesteckt und nicht gespielt wird. Gerade weil das Stück gar nicht typisch für Meyle ist, sondern nur eine seiner unzähligen Facetten zeigt.

Gregor spielt ausschließlich eigene Stücke mit Schwerpunkt auf die neue CD. "Frei mit dir", "Heute Nacht", "Wann bist du da", aber auch ältere Tracks wie "So soll es sein" – Titelsong des ersten Albums. "Finde dein Glück" ist so etwas wie das Lebensmotto des Sängers. Und wer das Glück hat, sich mal länger mit ihm unterhalten zu dürfen, wird feststellen, wie sehr er hinter diesem Motto steht. "Schön, wenn’s funktioniert" lautet dann die Antwort darauf – gleichzeitig Meyles Hymne zur laufenden Fußball-WM und letzter Song des regulären Sets.

Der Zugabenblock beginnt mit einem komplett neuem Song: "Ich glaub fest an ein Wunder" und es gibt das Versprechen, dass es auf jeden Fall eine dritte CD geben wird. Mitsingnummern wie "Ja, ja, ja" und der Singlehit "Niemand" beenden dann nach gut 150 Minuten ein eindrucksvolles Konzert. "Wer auf meine Konzerte kommt, weiß zum Glück nicht wie Download funktioniert", stellt Meyle abschließend fest und dankt für die Unterstützung. Standing Ovations gab es schon den ganzen Abend über – und zum Schluss noch einmal mit voller Kraft.

Wer noch nie ein Konzert des Songwriters gesehen hat – egal ob allein mit Gitarre, mit akustischem Trio oder großer Band – sollte dies dringend nachholen. Gregor Meyle ist ein durch und durch sympathischer, ehrlicher Mensch. Er singt, woran er glaubt oder was er sich erhofft, zieht sein Ding trotz aller Widrigkeiten des Geschäfts durch und glaubt an die Musik. Seine Songs berühren, laden zum Nachdenken und Träumen ein. Es sind innige Konzertabende, die man mit ihm verbringen kann.

Nächste Gelegenheiten:
17.7.2010 - Bad Rappenau – Open Air
24.7.2010 - Dülmen – Dülmener Sommer Festival
30.7.2010 - Herbolzheim – Salmen
28.8.2010 - Mainz – M8
29.8.2010 - Düsseldorf - Hafenfest

 

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