Abschieds-Tour 2005
Die aktuelle "Planet of the Apes"-Tour ist ihre definitiv letzte. Danach wird es die Guano Apes nicht mehr geben, die Band löst sich in ihre Bestandteile auf! Offensichtlich sind die atmosphärischen Störungen im Innenverhältnis nicht mehr zu kitten. Einst als die "deutsche Antwort auf Skunk Anansie" gefeiert, ist nun nach gut elf gemeinsamen Jahren wohl endgültig Schicht im Schacht.
Trotz Abschiedstour und anderslautenden Meldungen ist das Palladium für meine Begriffe nicht ausverkauft. Ab Mitte der Halle werden die Löcher im Publikum doch recht groß. Ich schätze, dass es 3.000 Fans sein mögen, die den Guano Apes die letzte Ehre erweisen wollen.
Als die Vier um kurz nach 21 Uhr die Bühne entern, ist aller Abschiedsschmerz erst einmal vergessen. Rock`n`Roll ist angesagt und die Band legt auch gleich ohne viel Federlesen mit "Open your eyes" und "Underwear" los. Sandra Nasic gibt sich mal kratzig-rauh, dann wieder elegisch-sanft und heizt die Menge nach besten Kräften an. Die Fans vorne tanzen ausgelassen und singen jede Strophe in voller Lautstärke mit.
Apropos Lautstärke. Nach "Underwear" verlangen zumindest die ersten Reihen danach, der Mann am Mischpult möge den Regler doch bitte um einige Grade nach oben schieben. Gesagt ("Inge, hast du die gehört? Mach mal lauter!"), getan! Aha, der Mann ist eine Frau. Soundtechnisch also bestens ausgelotet geht es mit dem sehr schönen "Pretty In Scarlet" weiter. Sandra Nasic ist nicht nur eine Augen-, sondern auch eine Ohrenweide. Phasenweise erinnert sie mich ein wenig an Gianna Nannini.
Zu "Innocent Greed" und "Sugar Skin" erstrahlt das Palladium in grünem Licht. Bassmann Stefan Ude rockt auf seiner Bassbox stehend und auch der Rest der Band versprüht noch einmal eine gehörige Portion Spielfreude. Von Routine (wie ihnen vereinzelt auf dieser Tour vorgeworfen wurde) keine Spur! Wenn man weiß, dass Schlagzeuger Dennis Poschwatta das Set trotz einer schmerzhaften Schulterverletzung durchzieht, ist das umso höher einzuschätzen.
Trotzdem bleiben die Reaktionen der Fans (sieht man mal von den Gefilden direkt vor der Bühne ab) bei den folgenden "Sing that Song", "No Speech" und "Break the Line" seltsam verhalten. Jedenfalls für meinen Geschmack. Am Sound kann das jedenfalls nicht (mehr) liegen...
Anschließend darf sich Nasic eine Auszeit gönnen und die verbleibenden drei Apes glänzen mit einer fast schon funkigen Instrumentaleinlage. Dann wird wieder gerockt! "We use the Pain" und "Crossing the Deadline" gehen über in das auf Französisch gesungene "La Noix" und "Big in Japan" (wobei das Original von Alphaville im Gitarrengewitter kaum mehr zu erkennen ist). Bei "Ain`t got time" und "You can`t stop me" geht Nasic ein letztes Mal auf Tuchfühlung mit den Fans im Graben. Danach ist erstmal Pause für alle.
Obwohl ich schon eindrucksvollere "Zugabe"-Chöre gehört habe, kommt die Band mit "I want it" natürlich nochmal zurück. Letzter Höhepunkt des Abends ist dann "Kumba Yo!", seinerzeit bekanntlich aufgenommen mit Comedystar Michael Mittermeier. Da dieser aber heute natürlich nicht anwesend ist, wird kurzerhand VIVA-VJ Klaas Heufer-Umlauf (der für die Sendung "17" ein "Klaas backstage" dreht) als Ersatz zwangsverpflichtet. Er ist zwar etwas dünn bei Stimme, macht seine Sache aber ansonsten gar nicht mal so schlecht.
Das war`s dann aber auch. Nach gut anderthalb Stunden fällt in Köln für die Guano Apes der letzte Vorhang. Was bleibt ist ein etwas zwiespältiger Eindruck. Einerseits hat sich die Band, wie ich finde, durchaus würdig verabschiedet, andererseits haben die Fans sie schon irgendwie spüren lassen, wie enttäuscht sie vom Split des Quartetts sind. Oder sie mögen noch nicht so recht daran glauben!? Ende 2003 gab es ja bereits schon mal konkrete Gerüchte über eine Auflösung, die dann aber letztlich doch nicht vollzogen wurde. Der Kölner an sich hat für solcherlei Dinge ein feines Gespür! Anders kann ich mir die zeitweilige Zurückhaltung nicht erklären. Vielleicht lag es aber auch einfach noch an den Nachwehen des Karnevals...
Ein Vermächtnis von den Guano Apes gibt es auch, die vor einigen Tagen erschienene "Planet of the Apes"-DVD. Vier Stunden Material für zuhause, mit der kompletten Band-Historie, den Videoclips, Making Of`s, Konzertaufnahmen und bisher unveröffentlichten Demo-Tracks. Sollten die etwa tatsächlich nochmal Anlaß zur Hoffnung geben? Schade ist es allemal um diese Band!