Das traditionelle Weihnachtskonzert
Wir befinden uns im Dezember des Jahres 2010 nach Christus. Ganz Deutschland freut sich seit dem Abhängen der Halloween-Dekoration auf Weihnachten und lässt sich von Dudelmusik und Lebkuchenduft betören... Ganz Deutschland? Nein! Für ein von unbeugsamen Fans bevölkertes Fleckchen im Südwesten startet die Vorfreude auf das Weihnachtsfest erst am 23. Dezember um kurz nach 20 Uhr, wenn in der Europahalle Trier der "Meister" die Bühne betritt. Seit 18 Jahren schon zelebriert Guildo Horn hier stets zur gleichen Zeit sein traditionelles Weihnachtskonzert unter dem Motto "An Weihnachten bin ich zuhaus‘" und bringt Schlagerfans wie Rocker gleichermaßen in Verzückung.
Die mit weit über 2000 Menschen ausverkaufte Trierer Europahalle feierte den einzigen echten Trierer Star wie den Weihnachtsmann in Person. Dieser enterte mit Nikolausmütze und weitem rotem Mantel die Bühne, nur um sich kurz darauf in einen altertümlichen Ledermantel und schließlich zu Schlager-Pullunder und Nostalgie-Krawatte zu entblättern. Wer Guildo kennt, weiß, dass er spätestens zur Hälfte des Konzerts mit nacktem Oberkörper da stehen und die Fans mit Schweißperlen segnen wird. Und natürlich war das auch zu Weihnachten in Trier der Fall. Guildo zeigte sich heimatverbunden, begrüßte seine Freunde von der Lebenshilfe – zum Teil mit Namen – und vergaß auch nicht, einen Gruß an Mutter Lotti los zu werden.
Das Programm gliederte sich in zwei Teile, die nahtlos ineinander übergingen. Zunächst gab es eine Reihe von Rock- und Popklassikern mit weihnachtlichen Texten. Aus "YMCA" wurde "Es weihnachtet sehr", aus dem Buggles-Klassiker "Video Killed The Radio Star" ein frisches "Freuet euch sehr, das Christkind ist da" und der schon vielfach verwurstete Jim Steinman-Titel "Total Eclipse Of The Heart" durfte hier als "Ins Christkind bin ich vernarrt" erklingen. Das Publikum ging in allen Aspekten perfekt mit, bildete Mitklatsch-Kulisse, Weihnachts-Percussion und Tannenbaum-Wald. Guildo lief zur Hochform auf, als sein unvergleichliches Glockenspiel ertönte und als er mit Gaststar Muschi Pansen im Duett "Fahrende Musikanten" sang.
Und da sind wir auch schon bei der Sparte, die durch Guildo Horn gerettet und in neue Sphären gehoben wurde: dem deutschen Schlager. Der zweite Teil des Konzerts widmete sich fast komplett diesem Metier und es gab viele genüsslich zelebrierte Klassiker wie "Wunder gibt es immer wieder", "Ti Amo" (was zu einem kollektiven Publikumsseufzer führte) und "Aber dich gibt’s nur einmal für mich". Die Begleitcombo bestand nicht nur aus dem altbewährten Orthopädischen Strümpfen, die Guildo Horn schon seit fast zwei Jahrzehnten begleiten und allen Schlagern einen sehr rockigen Touch mit auf den Weg geben. Als zweite Unterstützung hatte er die Asoziale Blaszentrale Dessau mit dabei – eine gut gelaunte Bläsergruppe, die eine gehörige Portion Funk in die Arrangements brachte.
Über zwei Stunden Party vergingen wie im Flug. Als Gäste hatten sich die Gebrüder Brings von der gleichnamigen Kölner Band eingefunden und sangen zur Freude des Publikums ihren Karnevalsklassiker "Superjeilezick". Zwar schade, dass sich Brings von einer wirklich ernst zu nehmenden Rockband inzwischen zur Klamauk-Schleuder par excellence entwickelt haben, doch hier passte die Musik eindeutig hin. Gute Wahl der Special Guests!
Was im Programm leider gar keine Rolle spielte, waren selbst geschriebene Stücke, wie sie beispielsweise auf Guildos Alben "Danke!" und "Schön!" zu finden sind. Wer sich von den aktuellen Qualitäten des Meisters überzeugen will, kann sich aber endlich die erste echte Live-CD "Erhebet die Herzen" zulegen. Und überhaupt seien alle Interessenten auf den 23. Dezember 2011 verwiesen – wenn es in der Europahalle Trier wieder heißen wird "An Weihnachten bin ich zuhaus‘".