Heavy Christmas Meeting feat. Doro, Saxon, W.A.S.P., U.D.O. and many more
Neun Tage vor Heiligabend geben sich mehrere Tausend Rocker in der Düsseldorfer Philipshalle ein Stelldichein, um untereinander mit kühlem Bier statt heißem Glühwein dem Metal zu frönen. Angesichts des Billings bin ich nicht überrascht, dass das Publikum so gar nicht meine Altersklasse hat, sondern mindestens 10 Jahre älter ist – Ü35-Party ist hier angesagt.
Doch während draußen noch der Einlass läuft, beginnen High´N Dry eines ihrer Comeback-Konzerte pünktlichst. Die Band um den Gitarristen Detlef Kowalewski ist wieder auf der Bildfläche, sichtlich in die Jahre gekommen und auch nicht ganz so heavy wie versprochen. Passend wird die Show mit „Welcome To The Show“ eröffnet. Neue Frontfrau Eyreen Sue besticht zwar mit ihrer Rockröhre, aber die besten Zeiten der Band sind wohl auch vorbei – zumindest live. „Rainbow Children“, „I Want Your Love“ sind weitere Songs der neuen Platte „The Return”. Die Ballade aus früheren Zeiten „Too Much To Lose“ noch dazwischengeschoben und die Fans mit ihrem riesigen High’N Dry Banner sind nicht mehr zu halten. Leider leider hat sich die Band wohl ganz gewaltig in der Spielzeit vertan – ausgerechnet zum letzten Song, zu dem ein Gast geladen war (leider wird nicht erwähnt, wen wir da verpassen), wird die mittlerweile recht sprachlose Band von der Bühne geholt. Als Einstieg insgesamt ganz nett, das muss aber im Laufe das Abends noch heavier werden!
Die erste Umbaupause nutze ich, um das Merchandise besser unter Augenschein zu nehmen, denn ohne ein Saxon-Shirt möchte ich die Philipshalle heute nicht verlassen. Bei den Merchpreisen zwischen € 18,- und € 22,- wären auch zwei Shirts drin, wenn diese mir nur gefallen würden... bei den anderen Bands: ein Hoody für € 25,-! Wo gibt´s denn so was? Anlässlich der Preise müsste ich schon fast misstrauisch bezüglich der Qualität werden... Für U.D.O.-Fans gibt es ein besonderes Schmankerl: das Konzert wird aufgezeichnet und nach der Show als USB-Stick verkauft. Gute Idee!
Bekanntermaßen sind die ersten Bands auf Festivals ja nie so prall... so quäle ich mich auch noch durch Iron Fire, einer Power-Metal Band aus Kopenhagen, die bis vor Weihnachten noch mit U.D.O. und Primal Fear durch die Lande tourt. Schlachten, Kämpfe, die Ehre und Königreiche ballern mir so nur um die Ohren – wenn es denn auf der Bühne wenigstens nach etwas aussehen würde! Sänger Martin Steene sieht so gar nicht nach einem glorreichen Sieger aus und besonders anmutig bewegt er sich auch nicht – Ausstrahlung gleich Null... Seine Stimme quält sich ab und an durch die hohen Töne, wie Mariah Carey schwingt er die Arme zu den Oktavenwechseln... Schnell mal ein Ohr auf die Songs geworfen: „Bridges Will Burn“, „Prince Of Agony“ und vor allem „Steel Invaders“ – fast schon eine Art Manowar-ähnliche Nummer – welches gut als Hymne fungiert, kommen gut an. Immerhin können die Jungs aus vier Alben Material wählen! „Thunderstorm“ als Abschluss wird bejubelt und auch als Martin auffordert, die Stimmbänder für den Abend zu ölen, so folgen doch die Fans seinem Aufruf.
Bühne frei für einen Sänger, der etwas von seinem Fach versteht: Goldkehlchen Ralf Scheepers mit seiner Band Primal Fear! Drummer Randy Black steigt hinter die Drums und startet die Mini-Disk und mir kommen die ersten Zweifel, ob Ralf denn die hohen Anfangstöne von „Sign Of Fear“ wirklich live singt.... Die Show ist gespickt mit Double Bass Attacken, dass es die reinste Wonne ist! „Nuclear Fire“, „Running In The Dust“ werden inbrünstig mitgesungen und Ralf erzählt von der 2 ½ monatigen Tour mit ihrem Halt in Düsseldorf. Mittlerweile hat er sich seines Longsleeves entledigt und turnt als Meister Proper-Muskelpaket auf der Bühne in seinem Achselshirt herum. Bassist Mat Sinner ist eh cool wie immerÂ…
Die Ballade „Fighting The Darkness“ vom aktuellen Album präsentiert sich mit einer in rot getauchten Bühne, der Song ist gespickt mit Staccato Riffs und einem theatralisch anmutendem Chorus. Zum Double-Bass-Kracher „The Final Embrace“ ist Haare Schütteln angesagt und das passende Ende bildet „Metal Is Forever“.
Da kommt er nunÂ… Herr-„Metal-Schreihals“-Dirkschneider, besser bekannt als Udo um seine gleichnamige Band mit den Punkten. Sein obligatorisches Bühnenoutfit: eine furchtbar-scheiße aussehende Sonnenbrille! Hinter ihm die riesigen Drums von Schlagzeuger Francesco, welcher „Mastercutor“ anstimmt.
Bereits zum zweiten Song „24/7“ gibt es kein Halten mehr und Lockenkopf Igor wirbelt mit seiner Gitarre von einer Bühnenseite zur anderen – und das die ganze Show mit dem sympathischsten Lächeln schlechthin! Ohne Begrüßung geht es in einem durch – „Midnight Mover“ und „Vendetta“ bis Udo die ersten Worte zu den Anhängern spricht „Wunderschönen Abend, Düsseldorf“ – das wird er tatsächlich, wenn es so weiter geht! Zu „Princess Of The Dawn“ entdecke ich Doro an der Bühnenseite, die ihrem Musikerkollegen zuschaut. Ein herrliches Bild zu „Man And Machine“: Udo mit Stefan und Fitty in einer Reihe – ein Bauchansatz nach dem anderen! Energiegeladen geht´s direkt weiter: nach „Animal House“ klettert Francesco auf seine Drumkonstruktion, um dort die Becken für den Klassiker schlechthin anzustimmen – „Metalheart“. Das Publikum bricht in Gesangeschöre aus, dass es einem nur so Gänsehaut beschert!
Udo plaudert von seiner Karriere – vor 30 Jahren fing für ihn alles in Düsseldorf an und stolz verkündet er, dass für den Nachwuchs bereits gesorgt sei und holt Sohn Sven auf die Bühne, um für „I´m A Rebel“ den Spot an den Drums zu besetzen – und das macht er mit seinen jungen Jahren gar nicht mal so schlecht! Zum Abschluss ist niemand mehr zu halten – alle kennen wohl den Accept-Kracher „Balls To The Wall“, den Udo zum Besten gibt! Laute Rufe nach Zugabe verhallen jedoch, um als nächstes W.A.S.P. die Bühne zu überlassen.
Drei Mal „L“ – Lack, Leder und Leggins! Beam mich in die Glam-Rock-Zeiten zurück, Blackie! Mit überraschend vielen alten Klassikern bieten W.A.S.P. uns in den nächsten 60 Minuten ein klasse Konzert – mit „On Your Knees“ legen sie los, Blackie fegt trotz hoher Treter und hohen Alters nur so über die Bühne. Bassist Mike und Gitarrist Doug wechseln ständig die Positionen, immer ist jemand in Bewegung.
„L.O.V.E. Machine“ und „I Wanna Be Somebody“ (klasse Mitsing-Nummer) bei der Blackie eine offene, volle Wasserflasche ins Publikum wirft, werden lauthals mitgesungen.
Neuen Stoff gibt es mit dem bombastischen „Take Me Up“. Doch richtig verrückt wird die Meute erst, wenn die Kettensäge angeschmissen und damit „Chainsaw Charlie“ angestimmt wird. Auch wenn wir nicht in Genuss der kompletten Crimson Idol-Show kommen, so wird noch „Idol“ zum Besten gegeben – passend wird Blackie mit einem Lichtkegel angeleuchtet. „Blind In Texas“ bildet den Abschluss der Show.
Nach den Amis nun die Engländer von Saxon – es gibt wohl keine schlechte Show, die ich von den Angelsachsen gesehen habe! Jedes Mal überraschen sie mit vielen Schmankerl aus der reichhaltigen Songkiste. So ist auch diese Show gut gespickt mit neuen Songs der Inner Sanctum und alten Klassikern. Überraschenderweise legen sie mit „Attila - The Hun“ los, Biff kommt mit einem Unleash The Beast-Shirt auf die Bühne und setzt sich während der Performance eine Weihnachtsmütze auf den Kopf.
Trotzdem kann er sich den Kommentar nicht verkneifen, dass die Mütze eigentlich doch schwarz sein sollte.... Sogar Nigels Drumkit schmückt Biff mit ihm zugeworfenen Weihnachtsmützen – er ist bereits in Feiertagsstimmung!
Was für die Show, ist ein Schlagabtausch von echten Klassikern: „Motorcycle Man“, „747 Strangers In The Night“, „Wheels Of Steel“, „Princess Of The Night“ gemischt mit aktuellen Stücken wie dem heavy Song „Let Me Feel Your Power“, dem Titeltrack der neuen DVD „To Hell And Back Again“ und dem ruhigen Part der Show mit „Red Star Falling“. Zu diesem Lied wird die Bühne in rotes Licht getaucht und Biff bedankt sich bei den Fans für die guten Inner Sanctum Verkaufszahlen. Nibbs hat sich längst seines Shirts entledigt und übernimmt das Headbangen direkt für all´ seine Bandkollegen. Ein Fan durchbricht anscheinend alle Kontrollen und steht plötzlich neben Biff, wird jedoch schnell vom Manager von der Bühne geworfen. Biff nimmt´s locker und ist für Späßchen zu haben – ein weiteres Geschenk wird ihm hochgeworfen. Ein Shirt der Band Blood Princess Society, für die Biff kurzerhand Werbung macht und das Shirt dankend annimmt. Auch seine deutschen Spracheinlagen sind mal wieder herrlich – wichtig zu wissen: ‚Das ist scheiße, Mann!’, wenn ihm mal nicht gefällt wie das Publikum mitsingt. Zwar bleiben etliche Songwünsche offen, die Biff und Co. hoffentlich bei einer nächsten Headlining Tour wieder wett machen können, jedoch ist eines sicher: Es gibt kaum einen („so alten“) Mann in der heutigen Rockszene, der auf mich so charismatisch und anziehend wirkt wie Biff!
Von meinen „King of Rock“ nun zur „Queen of Heavy Metal“ Doro Pesch! Es ist bereits kurz vor Mitternacht als ihre Show beginnt, das Bier ist schon längst alle und das Publikum schon müde. Die letzten Kraftreserven werden noch gebündelt, als sie mit ihrer Band die vergrößerte Bühne entert und zu dem Feuerwerk untermalten Song „Always Live To Win“ loslegt. Vor allem Gitarrist und Keyboarder Oliver Palotai wirbelt mit seinen Haaren, die beiden Amis Joe und Nick sind in dieser Hinsicht cooler.
Zu fast jedem Song plappert Doro aus der Kiste der Erinnerungen, als sei der Song erst gestern entstanden! 24 Jahre Rockgeschichte versucht die Rockröhre nun in knapp zwei Stunden zu packen. „Rule The Ruins“, das fetzige „Burn It Up“ für die leider nicht mehr existenten Rhein Fire mit obligatorischen Feuerfontänen untermalt, einige Balladen wie „Above The Ashes“ und Kult-Song „Für immer“. Zu einem ihrer Lieblingssongs holt sie sich Verstärkung auf die Bühne – U.D.O. kommt, ganz in schwarz gekleidet, um „Breaking The Law“ das gewisse Etwas zu verleihen. Doro rockt weiter – auf Deutsch, auf Englisch - und lässt sich nicht davon beirren, dass das Publikum langsam zu immer späterer Stunde schwindet.
Schon vor „Fight“ wird mit Chören „All We Are“ eingefordert, doch da müssen wir uns noch ein wenig in Geduld üben – Doro verrät immerhin, dass sie da noch eine Überraschung für uns parat hat.
Und dann beschert uns Doro mit einem Schmankerl... ich hatte mich schon gewundert, warum an den Bühnenseiten so viele mir bekannte Gesichter zu sehen sind – eine Art All-Star-Kombo betritt die Bühne, um mit Doro zusammen „All We Are“ zu performen: u.a. Toby und Tobias (heute mal an der Gitarre und nicht am Bass!) von Edguy, Ji-In von Krypteria, Tom von Sodom und Ralf und Mat von Primal Fear kommen auch nochmals auf die Bühne, die ganze Halle tobt! Mit einem Feuerwerk wird das Ende des Konzertes eingeläutet, Doro wünscht „geile Weihnachten und alles, alles Gute für das neue Jahr“ und verrät uns bereits ein obligatorisches Datum: 13. Dezember 2008 – ihr 25jähriges Jubiläum wird gebührend im ISS Dome Düsseldorf gefeiert; die Planungen laufen bereits auf Hochtouren.
Doch die Hartgesottenen werden noch mit drei Zugaben belohnt – Doro lässt zwar kurz auf sich warten, woraufhin viele bereits die Halle verlassen, kommt jedoch zurück auf die Bühne und rockt bis 1:30 Uhr weiter, was das Zeug hält – sie hätte es sicherlich auch nur für eine Handvoll Fans getan... Sie nimmt Wünsche entgegen und performt daraufhin noch drei Songs, u. a. „Love Me In Black“ und verabschiedet sich mit dem Absacker „The Queen“ – dedicated to Regina!
Zwar alles in allem ein langer Tag aber mit geilen Bands, die ohne Frage den Anspruch drauf haben seit Jahrzehnten erfolgreich zu sein – toller Abend! Warum gibt es das nur vor Weihnachten?
Verbleiben wir hoffentlich so, wie Doro es so sympathisch formulierte: Macht es super gut, bis zum nächsten Jahr!
Setlist Doro
Always Live To Win
Rule The Ruins
Burn It Up
Earthshaker Rock
True As Steel
Above The Ashes
Für immer
Breaking The Law (mit U.D.O.)
Ich will alles
- Drumsolo -
Burning The Witches
Hellbound
East Meets West
Fight
All We Are mit All-Star-Kombo
-------------
Hellraiser
Love Me In Black
The Queen