Buxe voll! - Open Air
Helge Schneider ist und bleibt ein deutsches Kulturphänomen. Man kann ihn nur hassen – oder lieben. Immerhin lieben ihn viele. Das wurde auch in der Sommerreihe des Amphitheaters Trier deutlich. Ich muss sagen: Ich war ehrlich überrascht. Kilometerlange Staus, Riesenschlange am Einlass. Weit über 2000 Zuschauer trotzten dem durchwachsenen Wetter und fanden sich im wunderschönen Ambiente der römischen Stätte ein, die Helge dann auch prompt als "hier im Trierer Loch" bezeichnete.
Das muss man dem Künstler aus dem Ruhrpott lassen. Er betritt die Bühne und ist direkt präsent. In voller Montur mit hellbraunem Cordanzug braucht er nicht mehr zu tun, als mit linkischen Bewegungen über die Bühne zu schreiten. Schon hat er das Publikum ganz auf seiner Seite. Und dann kommen schon die großen Momente: Der ausgebildete Jazzmusiker setzt sich mal lässig ans Piano und legt eine grandiose Nummer hin, die jeden überrascht, der nur seine Klamauk-Seite im Sinn hat. Helge Schneider wird von einer großartigen Band unterstützt. Mit von der Partie sind diesmal der GITARREIRO SANDRO GIAMPIETRO, der GEWIEFTE WILLI KETZER aus Bad Kreuznach am Schlagzeug und der unverbesserliche RUDI CONTRA am Bass. TYREE GLENN JUNIOR bezaubert die Anwesenden am Saxofon und auch TEEKOCH BODO ist mit von der Partie und muss stets aufs Neue die bösen Eskapaden seines Chefs aushalten.
Trotz aller künstlerischen Vielfalt kommt aber der gepflegte Blödsinn nicht zu kurz. Dafür sind die meisten Zuschauer schließlich gekommen. Die Songliste ist eigentlich recht kurz, denn Helge verliert sich immer wieder in weit ausschweifenden Ansagen, plappert vor sich hin, redet tiefsinnigen Quatsch und lässt auch mal Weisheiten los wie "wirklich lieben kann man nur jemanden, den man nicht kennt".
Das Amphitheater ist in Sitzplätze und Stehplätze aufgeteilt. Das hat auch Nachteile, denn den Ausführungen des Meisters muss man am besten konzentriert folgen, um die Pointen zu verstehen. Das fällt den sitzenden Zuschauern sichtlich leichter. Ich vergleiche die Qualität mal mit Harald Schmidt, der es sich erlauben kann, in seiner Show 15 Minuten lang nichts zu tun oder einfach stumm den Schreibtisch zu sortieren. So geht es auch, wenn sich Helge in halben Selbstgesprächen verliert. Manche schütteln den Kopf aufgrund dieser Langsamkeit, andere finden es einfach nur genial.
Die dargebotenen Songs decken die breite Comedy-Palette Helges ab. Neue Stücke, aber auch Klassiker wie "Texas". Manchmal singt Helge ausgesprochen falsch, trifft keinen richtigen Ton in seinem seltsamen Sprechgesang – dann zeigt er wieder, dass es auch ganz anders geht und schmettert im Stil einer Opernarie bis in höchste Tenorlagen. Dazu bieten die Instrumentalisten Jazzmusik vom Allerfeinsten.
Der Abend teilt sich in zwei ca. einstündige Teile. Helge ist topfit. Die Kreislaufprobleme scheinen der Vergangenheit anzugehören. Er musste die "Buxe voll"-Tour aufgrund einer Erkrankung unterbrechen, doch jetzt ist er wieder ganz der Alte. Der Auftritt in Trier hat gezeigt, dass sich die Fans weiterhin auf einen Helden in guter Form und auf ausgefeilte Blödeleien freuen dürfen. Die Comedy-Reihe in Trier geht auch bald weiter. Im September 2011 wird es weniger subtil – wenn Blödelbarde OTTO in die Arena Trier einlädt (20.9.). Am 28.9. findet sich die A-cappella-Gruppe BASTA im Casino ein und ebenda präsentieren auch die 6-ZYLINDER am 20.10. ihr funkelnagelneues Programm. Nicht verpassen!