Helge Schneider

I brake together Tour

12.09.2007 Theater am Aegi / Hannover

Von: Melanie Schupp

Helge Schneider Hannover

Folgende Situation: ein langer Arbeitstag geht zu Ende. Nicht nur dass man bei der Arbeit genug Ärger hatte, die heilige Kaffemaschine versagte und der Antrag auf Gehaltserhöhung abgelehnt wurde. Nein, da wartet noch ein schönes Knöllchen hinter dem Scheibenwischer des auf dem Behindertenparkplatz positionierten AutosÂ… das natürlich nur dort steht da aufgrund von Bauarbeiten verursachtes zu spät kommen sämtliche anderen Parkmöglichkeiten eliminiert hat. Sicherlich ein jeder dachte sich an einem solchen Tag schonmal „I brake together!“Â… oder zumindest wussten die erwartungsvollen Zuschauer im Theater am Aegi was gemeint war. Denn der Mann mit dem fragwürdigen Toupet, das eher einem auf der Schnellstraße überrollten Biber ähnelt gastierte in Hannover. Der Mann, der gewiss genauso viele Anhänger wie Gegner hat. Das erste Konzert von Helge Schneider war bereits im Frühling ausverkauft.

Auch zum 12.09.2007 waren sämtliche Plätze im Saal besetzt. Unter vorfreudigem tosenden Applaus betrat Helge Schneider punkt 20:00 Uhr die Bühne. Doch oh weh! Wo war die „Haarpracht“ geblieben? Der tote Biber schien eingelaufen zu sein und nur ein kleines Büschel verblieb über der kahlen Stirn. Zur Erleichterung aller, handelte es sich hier bei auch nur um ein Toupet, das alsbald durch den gewohnten Fetzen ersetzt wurde. Mit aufgesetzter roter Clownnase ließ Helge keinen Zweifel offen, wer heute abend der Spaßmacher sein sollte. Nach langer Vorstellrunde der Band, bei dem bereits die ersten Lachtränen rollten, begann das Set mit dem „Telefonmann“. Weiter ging es mit einem Wechsel zwischen Comedy und Musikperformance. Nonsens gemischt mit Situationskomik, beides gekonnt verbunden von einem Meister des Faches. Von der Erschaffung der Menschen (Gott ist Amerikaner wie uns Helge verriet) bis zum ersten Zusammentreffen von Siegfried und Roy – Helge bildete das Wissen und die Lachmuskeln der Zuschauer.

Helge Schneiders Version von „In 80 Tagen um die Welt“ gestaltete sich in den 60ern durch „Auf funkensprühenden Rollschuhen nach China“. Auch Gaststars erhielten ihre glanzvolle Minute: Udo Lindenberg meets Helge Schneider (-> hier Helge Schneider in einer Doppelrolle) mit der neuen Interpretation von „Wenn ich ein Vöglein wär“. Die Erkenntnis zum Ende: Felgen sind bei Tchibo am günstigsten! Und was unsere Bundeskanzlerin und die Queen gemeinsam haben fragen wir uns? Es sind beides quirlige Kerlchen, die gerne Frauenkleidung tragen. Das weiß doch jeder und wer davon noch nicht in Kenntnis gesetzt wurde, war nun dank Helge Schneider auf dem neuesten Stand der Dinge.

Begleitet wurde Helge Schneiders Show von erstklassigen Musikern. Auf dieser – seiner längsten Tour – konnte er von einem legendären Pete York am Schlagzeug bis hin zum bongospielenden ehemaligen Azubi, der nach 16-jähriger Ausbildung durch die Prüfung fiel für sich verschreiben. Alle beherrschten ihre Instrumente meisterhaft, so dass spontane Soloeinlagen von Helge am Klavier wie „Für Elise“ nicht für Unruhe sorgten. Mühelos und mit fließendem Übergang fanden alle mit ihren Musikintrumenten am gleichen Punkt wieder den Einstieg. Die stumme Kommunikation und die Harmonie zwischen den Musikern sprach von hoher Professionalität. Auch die Interaktion mit dem Publikum ließ nicht zu wünschen übrig. So kann es schnell passieren, dass wer sich mitten in der Show erhebt, um einmal auszutreten, sich augenblicklich im Rampenlicht befindet.

Was eine Show von Helge Schneider sonst noch ausmacht ist im Detail nicht mit Worten zu beschreiben. Denn der Liveauftritt lebt von der Spontanität des Comedians / Musikers.
Helge scheint jedoch eines zu wissen: er kann tun und lassen was er will, die Leute lachen – ich habe es auch getan und das bei jeder einzelnen seiner Bewegungen und Worte! Und wem die Art von Humor nicht passt kann getrost zu Hause bleiben und sich von seinem Papagei die Hornhaut von den Füßen hacken lassen!

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