Helloween

The 7 Sinners World Tour 2011 - Special Guest: Stratovarius

12.04.2011 Garage / Saarbrücken

Von: Andreas Weist

Helloween Saarbrücken

Nach der Stimmbandentzündung von Andi Deris Anfang Februar war der Gig in Saarbrücken nun plötzlich nicht mehr der Auftakt sondern der Abschluss des deutschen Teils von Helloweens Welt-Tournee, der sie nach Auftritten in Ost-, Süd- und Nordeuropa schließlich in heimische Gefilde führte. Zwischenzeitlich waren Helloween auch in Asien unterwegs und im Anschluss an das umjubelte Konzert in Saarbrücken soll es auf nach Südamerika gehen. Das Aushängeschild der deutschen Speed- und Power-Metal-Szene als Weltbürger. Und das mit einem aktuellen Album, das es wirklich in sich hat. "7 Sinners" brachte endlich wieder Geschwindigkeit und Härte ins Songwriting zurück, wie man dies seit den rühmlichen Anfangstagen der Band nicht mehr erleben durfte. Die Garage in Saarbrücken platzte zumindest aus allen Nähten und es wurde deutlich, dass Helloween auch im dritten Jahrzehnt ihres Bestehens noch die Massen begeistern können.

Als Dreierpack lief man im Saarland auf. Den Anfang machten Pink Cream 69, die Band, die Andi Deris 1987 mit gegründet hat, die er jedoch 1993 verließ, um als neuer Frontman bei Helloween einzusteigen. Kein einfacher Support also – heißt es doch, Andi habe die Pinkies einst im Streit verlassen. Davon ist jetzt zum Glück keine Rede mehr. Vielmehr betonte Helloween-Schlagzeuger Dani Löble im MHQ-Interview das familiäre Verhältnis, das auf der aktuellen Tour zwischen beiden Bands besteht. Besagtes Interview verhinderte allerdings, dass ich mir die erste Vorband ansehen konnte, da es zeitgleich zum Auftritt von Pink Cream 69 in den gemütlichen Backstage-Räumen der Garage stattfand. Dani versicherte mir allerdings, dass Andi Deris keine Ambitionen verspürt, sich für 1-2 Songs zu den Pinkies zu gesellen. Wir haben also zumindest in dieser Hinsicht kein Highlight verpasst. Das komplette Interview könnt ihr in Kürze hier im Interview-Bereich nachlesen.

Den düsteren Rund der Saarbrücker Garage betrat ich also pünktlich für die zweite Vorband des Abends: Stratovarius aus Finnland. Die Finnen sind dabei auch etwas mehr als ein Support, da sie mit einem gut einstündigen Auftritt ähnlich wie Gamma Ray bei der letzten Helloween-Tour gemeinsam mit dem Topact einen energischen Metal-Doppelpack bilden.

Stratovarius sind zweifellos eine der erfolgreichsten Metalbands aus Finnland und haben 2009 mit "Polaris" nach einer schwierigen Bandphase einen grandiosen Neustart mit dem Gitarristen Matias Kupiainen hingelegt. Das neue Werk trägt den Titel "Elysium" und bietet melodischen, kraftvollen Hörgenuss, der sich wie ein progressives Feuerwerk durch die Gehörgänge schießt.

In Saarbrücken gab es einen fulminanten Ritt durch die Bandgeschichte mit Klassikern wie "Hunting High And Low", "Black Diamond" und "Kiss Of Judas", aber auch die jüngere Bandgeschichte war mit Songs wie "Darkest Hours" vertreten. Stratovarius brauchten nicht viel Zeit, um die Anwesenden von ihren Qualitäten zu überzeugen. Man sah förmlich, wie der Funke übersprang und sich anerkennendes Nicken in tosenden Jubel verwandelte. Der enge Zeitrahmen in der Garage ließ leider keine Zugabe zu, so gab es nur eine kurze Verschnaufpause, bis Helloween die Bühne enterten.

Das neue Bühnenbild war ganz dem metallischen Logo des aktuellen Albums angepasst und die Begeisterung kannte keine Grenzen, als die süßen Klänge von "Happy, Happy Helloween" das Erscheinen der Band ankündigten. Andi Deris startete dann auch mit der Grundaussage des aktuellen Albums und der eigentlich recht überflüssigen Frage "Are You Metal?". Ein Ohrwurm allererster Sahne, der zu einem enthusiastischen Dialog mit dem Publikum führte. Andi Deris ist ein überaus sympathischer Fronter und hat das Publikum schnell auf seiner Seite. Die Zeiten, als er noch wehmütig mit Hansen und Kiske verglichen wurde, sind längst vorbei. Gerade "7 Sinners" gibt ihm auch die Möglichkeit, sich von seiner besten Seite zu zeigen: Songs wie "Where The Sinners Go" und "World Of Fantasy" passen sich perfekt in den Set ein und überzeugen von der Größe des aktuellen Albums.

Und dann gibt es da natürlich die Klassiker mit einer Hitdichte, die eingefleischte Fans stets aufs Neue begeistert. Helloween überzeugten mit "Eagle Fry Free" ebenso wie mit "I Want Out", welches wiederum die Stimmbänder des Zuschauerchors auf eine harte Probe stellte. Einige Klassiker mussten aufgrund des fehlenden Zeitfensters für die kompletten Songs zu einem Medley verdichtet werden. So wurde das Triple "Keeper Of The Seven Keys", "King For A Thousand Years" und "Halloween" zu einer großen Party, die keine Zeit zum Verschnaufen ließ.

Die Band war in ihrem Zusammenspiel große Klasse. Die gut gelaunten Grimassenschneider Weiki und Markus Großkopf, den wir kurz vor dem Konzert noch mit Einkaufstüte in Saarbrücken angetroffen haben, der in sich ruhende Sascha Gerster und vor allem der energiegeladene "Neuling" (seit 2005 dabei) Dani Löble. Mit einem ausufernden Drumsolo brachte er die Fans schnell auf seine Seite und zeigte auch darüber hinaus eine klasse Show am Schlagzeug. Speed und Power pur.

Im Zugabenblock gab es die unvermeidlichen "Future World" und "Dr. Stein". Wer bis dahin noch nicht glaubte, dass Helloween längst zu alter Größe zurück gefunden haben, war spätestens jetzt davon überzeugt. Ein grandioser Abschluss für ein zweistündiges Konzert alter Schule, bei dem sich Helloween von ihrer besten Seite zeigten. Zu "Dr. Stein" durften noch eine Reihe mit weißen Kitteln verkleidete Fans als Belohnung mit auf die Bühne und Zeugnis von der großen Fannähe Helloweens ablegen. Im Großen und Ganzen bleibt zu bemerken, dass die Band auch nach 27 Jahren stets zu neuen Heldentaten fähig ist und das man sich ihre Konzerte nicht entgehen lassen sollte. Nächste Gelegenheiten: "Bang Your Head" in Balingen und das Wacken Open Air.

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