Tour 2004, Support: LockJaw
An diesem Abend gibt es bereits beim Einlauf in die Live Music Hall die erste Überraschung. Obwohl relativ spät dran erwartet uns keine Menschenschlange am Eingang und auch die Organisation der ersten Kaltschale erweist sich als erfreulich einfach. Des Rätsels Lösung: Die Halle ist tatsächlich zu einem Drittel abgehangen und im Rest verlieren sich vielleicht 400 Leutchen. Sollten Helmet nach immerhin siebenjähriger Schaffenspause wirklich nur (noch) so wenig Publikum ziehen?
Um es vorweg zu nehmen: Nicht ganz! Bis zum Beginn des Helmet-Sets war die „Masse“ dann doch auf geschätzte 750 angewachsen. Trotzdem sollte die ganze Veranstaltung zu einem ziemlichen Griff ins Klo werden. Aber eins nach dem anderen...
Wir sind pünktlich genug, um auch in den „Genuss“ der Vorgruppe zu kommen, was wir besser gelassen hätten. Ich unterstelle den 350 „Nachzüglern“ noch heute, dass zumindest sie das vorher geahnt haben müssen. LockJaw (aktuelles Album: „Arrive & Escape“) heißen die, kommen aus Solingen und ohne Sänger wäre das Ganze wahrscheinlich sogar gut geworden. Musik (nennen wir es mal „NuRock“) und Gesang (erinnert ihr euch noch an Fish von Marillion?) passen leider überhaupt nicht zusammen. Einziger Lichtblick ist der Leadgitarrist, der aber unverständlicherweise am „Jim Morrison-Syndrom“ zu leiden scheint und ein Privatkonzert für die PA und den Schlagzeuger gibt. Faierweise muß man allerdings dazusagen, dass die Fünf auch gegen einen ziemlich lieblosen Sound anzuspielen haben. Vielleicht klingt`s ja auf CD besser!?
Stichwort Sound. Der wird zwar deutlich besser (ach!), als Helmet die Bühne besteigen, gut ist aber immer noch anders. Vor allem ist es laut, sehr laut! Okay, damit war zu rechnen, wenn man nur ansatzweise das neue Helmet-Album „Size Matters“ kennt, aber hier war der Mann am Mischpult eindeutig zu optimistisch. So geht auch nur in den ersten Reihen ein gepflegter Pogo ab, während in den hinteren Gefilden eine relative Bewegungsstarre um sich greift. Vom Sound erschlagen?
Page Hamilton und Co. jedenfalls hämmern vom ersten Takt an gnadenlos ihre Riffs in die Halle und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, als würden sie nach einer halben Stunde immer noch das gleiche Lied spielen. Hamilton steht dabei eher lustlos am Mikro und spielt seinen Stiefel herunter. Zwischendurch glänzt er zwar mit einigen gekonnten Soli, aber überzeugen kann mich das nicht. Da hatte ich nach der langen Pause, zudem noch mit neuem Line-Up, doch etwas mehr an Phantasie erwartet.
Einzig Frank Bello am Bass rödelt sich anderthalb Stunden lang einen ab und verkörpert so etwas wie Spass und Spielfreude. Page Hamilton sammelt auch noch Pluspunkte für seine launigen Ansagen („Hallo Köln! Wir sind BAP!“), aber alles in allem sind Helmet heute zu meiner ganz persönlichen Konzertenttäuschung des Monats mutiert. Das einzige Stück, das sich etwas aus dem Brachialbrei heraushebt, ist „Everybody Loves You“, was die ganze Angelegenheit dann aber auch nicht mehr rettet.
Nur um nicht falsch verstanden zu werden: Ich schätze Helmet seit ihrem Beitrag zum „Judgement Night“-Sampler („Just another victim“) durchaus als innovative Hardcore-Kapelle und „Meantime“ oder „Aftertaste“ sind großartige Alben, aber nur mit „Knüppel aus dem Sack“, so wie in der Live Music Hall, gewinnt man keine neuen Fans und vergrault die alten womöglich noch dazu. Schade!
Vielleicht werde ich aber auch langsam einfach zu alt für so was...