Henry Rollins

Provoked Spoken Words Tour 2008

22.01.2008 Gloria Theater / Köln

Von: Ingrid Silvasi

Henry Rollins Köln

Henry Rollins – für mich eines der widersprüchlisten Rock- bzw. Punkpersönlichkeiten aller Zeiten... Als Antialkoholiker, Nichtraucher und Drogenhasser begleitete er einen kurzen Teil meiner Jugend als VJ auf MTV´s Mattscheibe. Sänger, Songwriter, Schauspieler, Schriftsteller, Host von Radio- und TV-Shows und seit zwei Jahrzehnten erfolgreicher und Grammy-gekrönter Spoken-Word-Künstler – kurzum: ein Workaholic oder schöner umschrieben: Multitalent!

Ich sehe ihn zum erstem Mal überhaupt mit seiner „spoken word-Show“ und bereue schnell, dass ich nicht früher auf seine „Geschichten aus dem Leben“ aufmerksam geworden bin. Ganz von seiner Shouter-Pose eines Punk-Frontsängers kommt Henry jedoch nicht ab; so wickelt er sich weiterhin das Mikrofonkabel um seine linke Hand und steht anfangs etwas steif und nervös in seiner typischen Ein-Bein-vorne-Position auf der kargen Bühne. Er redet sich warm und merkt, dass das Publikum von Anfang an voll dabei ist und seinen Humor schätzt. Keine einzige Verschnaufpause gönnt er sich, verstrickt seine Lebensgeschichten mit aktuelleren Begegnungen, vergleicht und erinnert sich, um wieder an die Ausgangsgeschichte zurückzukehren. Spannend, komisch, intelligent und (be)rührend zugleich bietet er einen breiten Einblick in sein Leben. Ob er nun von oberflächlichen Interviewfragen berichtet, seine exotischen Reiseberichte in die Krisengeschüttelten Länder Pakistan, Libanon und Syrien zum Besten gibt oder ehrfürchtig den Fan seiner Lieblingsbands Ruts, Black Sabbath oder Van Halen mimt – es macht Spaß ihm zuzuhören und zu sehen wie er aus sich herausgeht, Situationen nachstellt und dabei vollen Körpereinsatz zeigt. Ein wenig erinnert er mich an eine Mischung aus Ray Cokes und Jim Carrey...

Und doch beschäftigt Henry ein Thema ganz besonders – immer wieder kehrt er von Musikthemen zurück auf Bush´s Regierungszeit und Politik und spart als weltoffener Liberaler dabei nicht an Seitenhieben. Er sieht sich als „Botschafter“ der USA und es liegt ihm viel daran, das Ansehen seines Landes und das Bild der Amerikaner zurechtzurücken.

Gut drei Stunden hält uns Henry ohne Pause bei Laune; viele sind überrascht, dass Henry vor Mitternacht immer wieder neue Themen auf Lager hat, um alle kurz nach Mitternacht mit einer Hauptmessage zu verabschieden:

Seid geduldig mit Amerika – be patient with America!
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