Herman Van Veen

Im Augenblick-Tour 2010

05.05.2010 Rhein-Sieg-Halle / Siegburg

Von: Thomas Kröll

Herman Van Veen Siegburg

Wer zu einem Herman Van Veen-Konzert geht, der weiß, dass ihn etwas Besonderes erwartet. Jedenfalls kein Konzert im üblichen Sinne. Eher eine Mischung aus Zauberei, Kabarett, Erzählungen und natürlich auch Musik. Herman Van Veen ist Clown, Komponist, Liedermacher, Künstler und Alltagsbeobachter in Vollzeit, vierfacher Vater - und noch vieles mehr. Ein Magier der Worte, mal leise und mitfühlend, dann wieder laut und emotional. Seit Jahrzehnten schon hat der 65-jährige Holländer einen festen Platz in der deutschen Kulturlandschaft und heute abend macht er Station in Siegburg. Erstaunlicherweise zum ersten Mal in seiner langen Karriere.

Die Rhein-Sieg-Halle ist komplett ausverkauft. Eine schöne Location, deren grosser Vorzug darin besteht, dass selbst bei vollem Haus keine drangvolle Enge herrscht. Und das bei immerhin 1.600 Menschen. Das Publikum ist mit Herman Van Veen alt geworden. Trotzdem sieht man hier und da auch einige junge Gesichter, manche von ihnen haben ihre Kinder mitgebracht. Der einzige, der fast noch genauso aussieht wie vor 20 Jahren ist Herman Van Veen selbst. Anfang der 90er Jahre habe ich ihn erstmals live gesehen und anschließend noch ein halbes Dutzend weitere Male immer wieder neu für mich entdeckt.

Um kurz vor 20 Uhr herrscht im Saal erwartungsfrohe Spannung. Diese entlädt sich in heftigem Applaus, als die fünf Musiker kurz darauf die Bühne betreten. Neben Van Veen (in weißem Hemd, schwarzer Hose, einem schwarzen und einem weißen Schuh) sein langjähriger Begleiter, der Pianist Erik van der Wurff, die wie üblich barfüßige Gitarristin Edith Leerkes sowie die beiden hübschen Violinistinnen Jannemien Cnossen und Dorit Oitzinger. Zum Opener "Amsterdam" dürfen die Zuschauer akustisch Regen, Sonne und Gewitter darstellen und sich gleich von Anfang an als Teil des Ganzen fühlen. Es ist auch diese Art von Nähe, die Herman Van Veen-Konzerte ausmacht. Der Großteil des Programms besteht aus Stücken seiner aktuellen CD "Im Augenblick", sei es das von Van Veens Tochter Babette geschriebene "Bei mir", "Köln-Ehrenfeld" oder das wunderbare "Hier unten am Deich". Lieder über Freundschaft, Liebe, Älterwerden, Angst, Leben und Tod, auch mal auf holländisch oder französisch. Die Gänsehaut wird für die kommenden knapp drei Stunden (inklusive einer 20-minütigen Pause) zum ständigen Begleiter.

Zwischendurch erzählt Herman Van Veen viele Geschichten. Traurige, ironische, nachdenkliche, tiefgründige, ernste und lustige: "Als meine Mutter 65 Jahre alt war, fuhr sie jeden Tag zehn Kilometer mit dem Fahrrad. Jetzt ist sie 97 und wir haben keine Ahnung wo sie ist". Er verwandelt sich wieder in den 10-jährigen Jungen, der in der Kirche "Ave Maria" singen darf, zaubert glitzernde Sterne aus seiner Hosentasche oder lässt Ping-Pong-Bälle von der Decke regnen. Wenn er schelmisch grinsend über die Bühne tänzelt, muss man ihn einfach gerne haben. Dazu schwebt seine herrliche Stimme durch die Halle und nimmt bis hinauf zur Empore jeden gefangen.

Aber Herman Van Veen ist auch ein Multiinstrumentalist. Das beweist er an Geige, Klavier, Xylophon und Gitarre. Nur den Kontrabass benutzt er lediglich zum Sitzen, um darauf einen Rhythmus zu trommeln. Seine Mitmusiker stehen dem in nichts nach. Wenn Edith Leerkes zum Gitarrensolo ansetzt, wagt niemand im Saal mehr zu atmen und als die drei Damen für kurze Zeit das Programm alleine bestreiten, gibt es zum Dank eine rote Rose von einem weiblichen Fan. Am Ende verneigen sich die Fünf so tief vor Siegburg, dass sie sich sogar hinlegen und Herman Van Veen dreht eine letzte Runde durch den Saal.

Der Applaus will dennoch nicht aufhören und natürlich gibt es noch Zugaben. Genauer gesagt, Zugabe um Zugabe, was Van Veen schließlich augenzwinkernd so kommentiert: "Eben im Saal habe ich drei Landsleute von mir getroffen. Deshalb möchte ich jetzt gerne ein Lied in meiner Muttersprache singen. Das österreichische, schweizerische und deutsche Publikum hat also keine Verpflichtung mehr zu bleiben". Er singt "Laat Me", ein Stück seines im Dezember 2009 verstorbenen persönlichen Freundes und holländischen Chansonniers Ramses Shaffy. Und ganz am Schluss singt er dann doch noch "Ich hab ein zärtliches Gefühl" und nicht nur ich höre ihm dabei mit ein paar Tränen in den Augen zu. Herman Van Veen klebt sich noch ein Rosenblatt auf die Nase und lässt ein restlos begeistertes und verzaubertes Publikum zurück. Ein wundervoller Abend, der noch lange nachklingen wird!

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