Hexentanz Festival

Hexentanz Festival mit Band Contest, Van Canto & Coppelius

03.12.2010 Illipse / Illingen

Von: Andreas Weist

Hexentanz Festival Illingen

Das "Hexentanz"-Festival im Saarland gibt es schon seit 2006 und zunächst fand es im beschaulichen Örtchen Ottweiler statt, bevor man 2007 an den Bostalsee umzog. Zeitlich ist das Open-Air-Festival Anfang Mai angesiedelt und dauert stets zwei Tage. Seit 2009 hat man noch einen dritten Tag namens "Walpurgisschlacht" vorgeschaltet, der zweimal auf den 30. April datiert war und unabhängig vom "Hexentanz" beworben wurde. Und dann gibt es neuerdings auch noch ein sogenanntes "Christmas Special", das kürzlich in der Illinger Illipse stattfand.

Dort waren die Topacts VAN CANTO und COPPELIUS zu Gast. Zuvor allerdings durften die Zuschauer Zeugen eines Band-Contests werden, bei dem ein Nachwuchs-Mitstreiter für das nächste "Hexentanz"-Festival gesucht wurde. Fünf Kandidaten mit durchwachsenen musikalischen Fähigkeiten stellten sich dem Votum der Anwesenden. Die Gewinner des Abends waren ASATOR mit martialischem Keltenrock, die wir in einigen Monaten am Bostalsee erneut bewundern dürfen.

Dann endlich enterten VAN CANTO die Bühne. Als ich zum ersten Mal vom Konzept der Band hörte, war der erste Gedanke: Wenn die halten, was sie versprechen, erfüllt sich ein persönlicher Traum. Heavy Metal a cappella – zwei Welten treffen aufeinander. Metal ohne Gitarren ist doch eigentlich schon ein Widerspruch in sich.

Bei VAN CANTO kommen die Gitarren aus dem Mund – und wer das zum ersten Mal hört, wird Bauklötze staunen. Die vier Sänger und die Sängerin werden von einem Schlagzeuger unterstützt. Das wird Puristen stören, doch wer ehrlich ist, muss zugeben, dass auch die beste Mouth Percussion nicht die Geschwindigkeit eines dynamischen Metalschlagwerks erreichen kann.

Spätestens seit ihrem umjubelten Auftritt in Wacken sind Van Canto in der Szene in aller Munde – und das zu Recht. Auch die Illipse konnte man zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Neben eigenen Songs gab es Cover von Nightwish, Metallica und Iron Maiden. Inga Scharf überzeugte bei "Wishmaster" mit jubilierender Gesangsstimme. In den anderen Fällen wirkte sie manchmal fehl am Platz, doch ich führe das mal darauf zurück, dass sie auch als Background-Stimme zu sehr in den Vordergrund gemischt war. Genial allerdings die Rakkatakka- und DanDan-Rhythmusgruppe, die man gerne noch etwas deutlicher hätte hören können.

Okay, A-cappella-Fans und Metalfans: Vereinigt euch und leiht diesen Genies euer Ohr. Ich kann versichern, dass beide Seiten nicht enttäuscht sein werden.

Dann kamen die Headliner COPPELIUS zum Zug. Als Heavy Wood bezeichnen die Berliner gerne ihren Musikstil. Ein hübsches Wortspiel, da in ihrem Fall für die metallische Interpretation hauptsächlich auf Klarinette, Cello und Kontrabass zurückgegriffen wird. Erste EPs erschienen in den Jahren 2003 bis 2005 und seitdem folgte ein unermüdliches Touren im Dunstkreis von Bands wie Tanzwut, Letzte Instanz oder Subway To Sally. Wie beispielsweise Apocalyptica einen großen Bekanntheitsgrad durch das covern von Metallica-Songs erlangten, haben Coppelius nie ihre Nähe zu Iron Maiden verleugnet und sich gerne mal deren Songs vorgenommen und verfremdet. Zum Erlangen einer authentischen Identität wurde gar eine Bandgeschichte aus der Zeit des Biedermeier erfunden und vor allem online verbreitet.

Den Ruf als hervorragende Liveband haben sich die Sechs auf jeden Fall redlich verdient. Erst 2007 erschien ihr Debütalbum "Time-Zeit", das sie erneut in ihrer Paraderolle mit "Kammer-Core aus dem 19. Jahrhundert" zeigte, Anfang 2009 beglückten sie uns mit theatermäßig aufgemachtem "Tumult" und kürzlich erschien das dritte große Album "Zinnober".

COPPELIUS funktionieren als Gesamtkonzept. Es gefällt mir, wie man eine Geschichte um die Band, um die Musik und um die Texte strickt. Zudem ist die Klarinette, die hier eindeutig im Mittelpunkt steht, ein wundervolles Instrument, das in seiner Klangvielfalt in der modernen Musik viel zu selten eingesetzt wird. Die Inszenierung funktioniert nicht nur live, sondern auch im Studio und versetzt den Zuhörer, der sich darauf einlassen will, in die fremde Welt. Eine schöne musikalische Illusion, die auf der Bühne noch verfeinert wird.

Da ist die wunderschöne, altertümliche Kostümierung, da sind die in der Rockmusik so selten genutzten Instrumente – alles eingetaucht in ein stilvolles, oft mystisches Licht. Und für witzige Details sind COPPELIUS immer zu haben, beispielsweise das sechste Bandmitglied – der Diener Bastille, welcher stets mit herrischen Gesten über die Bühne gescheucht wird und die Zuhörer mit offenen Mündern zurück lässt, wenn er selbst zum Mikro greift und eine geniale Stimme offenbart. Und dann sind da noch die durchdachten Ansagen, die das 19. Jahrhundert in der Gegenwart entstehen lassen ("Nicht Schreien, werte Zuhörer, das ist so profan. Flüstert unseren Namen.")

Das Hexentanz-Festival 2011 findet vom 29. April bis 2. Mai statt. Vielleicht gibt es ja auch ein Wiedersehen mit Van Canto oder Coppelius? Die Headliner werden erst an Heiligabend bekanntgegeben. Bisher stehen u.a. Umbra et Imago, Das Ich und Stahlmann als Mitwirkende fest. Zudem findet ein historischer Mittelaltermarkt statt. Nix wie hin!

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