Tour 2010 - Support: Dommin
Mit ihrem neuen Album “Screamworks - Love In Theory And Practice” meldeten sich die Finnen von HIM vor kurzem zurück auf dem Musikmarkt und bewiesen, dass sie nach wie vor ein Händchen für düster-melancholische Hymnen, die Mädchenherzen höher schlagen lassen, haben. Und dass ihre Liveshows immer noch ungebremsten Andrang erfahren, stellte Hamburg bei der Minitour von HIM am 08. März fest. Das Konzert war bereits Monate zuvor schon ausverkauft.
Selbst 20 Minuten nach Türöffnung schlängelte sich noch eine lange Menschenschlange im Quadrat um den Spielbudenplatz und schlich geduldig, Schritt für Schritt, zum Eingang. Drinnen angekommen hatte der Supportact bereits begonnen. Und welch Freude, die Töne die aus dem Docks drangen, klangen wunderbar vertraut. Die Kalifornier von Dommin, die bereits vor wenigen Wochen mit Lacuna Coil im Knust zu Gast waren, rockten bereits die Bühne. Die Freude über die Vorband wurde schnell gedämmt, denn das Docks war nicht nur ausverkauft sondern fast schon überbesetzt. Wie die Sardinen standen die Fans im Docks und es war verwunderlich, dass sie überhaupt die Hände heben konnten, um Applaus zu geben. Doch Dommin legten sich sosehr ins Zeug und zeigten eine große Spielfreude, dass Applaus durchaus angebracht war. Und dieser schlug der Band auch nach jedem Stück lautstark entgegen. Doch schade, dass man zu Songs wie “Dark Holiday” kaum tanzen konnte, ohne sich eine empörte Grimasse des Nachbarn einzuhandeln, da Körperkontakt an diesem Abend unvermeidlich war. Doch zu dem übrigen Set der Düster-Rockabillys von Dommin ging es meist ruhiger zu. Ein tosender Applaus verabschiedete die Band und entließ die Zuschauer in die Umbaupause.
Man hätte nun denken können durch den Nikotinmangel würde ein Großteil der Menschen hinaus stürmen, doch dies stellte sich als Trugschluss heraus. Es blieb nach wie vor kuscheling. Der Gang zur Toilette und vor allem zurück zum Platz gestaltete sich zur Tortur – ein Spießrutenlauf zwischen gefährlich schwappenden Bierbechern, entrüsteten Fans die einen des Vordrängelns bezichtigten und Stufen, die man einfach nicht sehen konnte in dem Gewirr der Füße. Nach einem ausgiebigen Soundcheck wurde 21.20 Uhr auch endlich das Licht gedimmt. Ein Ansturm des Jubels empfing die Bandmitglieder von HIM und schon starteten sie mit “Like St. Valentine” des aktuellen Albums in den Abend. Die bunt gemischte Menge erwies sich als sehr textsicher. Ob jung oder alt, die Lippen bewegten sich einheitlich zum Song mit. Ein sehr schlanker Ville Valo präsentierte sich in schlichtem schwarzen Outfit mit der bekannten Wollmütze on top. Trotz der sichtlichen Probleme mit dem Sound – Villes fuchtelnde und eindeutigen Blicke in Richtung Mischpult sprachen Bände – spielten HIM unbeirrt weiter und glitten in “Right Here In My Arms” über. Der Griff zur Coladose und die fehlenden Zigaretten irritierten dann doch ein wenig. Zusehr erinnerte man sich noch an vergangene Tage, als Ville Valo kettenrauchend und mit einem Weinglas in der Hand performte. Doch tatsächlich schien Ville Valo sein gesünderes Leben, das er seit einigen Jahren führt, durchzuziehen. Bemerkenswert für einen Musiker und vielleicht auch mitunter ein Grund weshalb “Rip Out The Wings Of A Butterfly” unter die Haut ging. Es folgte eine gute Mischung aus alten und brandneuen Hits. Bereits als fünfter Song wurde der internationale Durchbruchhit “Join Me” gespielt.
Die jahrelang aufeinander eingespielte Band präsentierte ihr Set ohne große Zwischenfälle, schienen aber nicht in Bestform zu sein. Natürlich sprachen Ville Valos genervte Blicke und Gestiken gen Mischpult Bände, doch der Mischer kann nicht für alles verantwortlich gemacht werden. Trotzdem freuten sich die Fans über Songs von “Greatest Love Songs Vol.666” wie die Coverversion von Chris Isaak’s “Wicked Games” oder “When Love And Death Embrace” und die Stimmung war ungebremst bombastisch. Trotz den Platzmangels wurde mitgefeiert und ab und zu konnte man doch das ein oder andere kleine Lächeln auf Ville’s Gesicht erkennen – man musste nur genau hinsehen. Der Applaus zwischen den Stücken war gewaltig und die Fans sicherlich heiser vom vielen mitsingen. Es hätte ewig so weitergehen können. Doch nach nur 12 Songs verließen HIM leider bereits die Bühne, während die Fans unvermittelt nach mehr verlangten.
Knappe 10 Minuten sollte es dauern bis die Finnen sich zurück ins Rampenlicht bequemten. Dafür legten sie nochmal ein bißchen beim Härtegrad zu mit “Your Sweet 666” und “Love, The Hardest Way”. Mit einem sanften “The Funeral Of Hearts” wurden die Fans dann vom Konzert entlassen. Leider viel zu früh, doch eine Band mit einer Fanbase wie HIM sie haben, könnten die Nacht durchspielen und ihre Anhänger hätten immer noch Wünsche offen. Somit genossen die Anwesenden die taufrische Erinnerung an vielleicht nicht den besten, doch langersehnten und ganz guten Auftritt ihrer Lieblingsfinnen.