HIM

HIM Tour 2008, Support Paradise Lost

24.02.2008 Palladium / Köln

Von: Ingrid Silvasi

HIM Köln

Zum 20. Jubiläum der Band präsentieren die Engländer von Paradise Lost ihr neues Album „In Requiem“ auf der Europatour mit HIM. Recht ungewöhnlich eine der größten Gothic Bands der 90er Jahre nun als Support der Finnen zu sehen.... Heute Abend beehren sie also die Kölner Fans und Sänger Nick Holmes gibt sich überaus redefreudig während der 45minütigen Show. Während Gitarrist Aaron mit seiner Glatze glänzt, hängen die langen, schwarzen Haare von Gitarrist Greg im Mittelscheitel in sein Gesicht und nur ab und zu blitzt sein Bart hervor.  In seiner typischen Pose am Mikroständer, von dem sich Nick Holmes die ganze Show lang nicht lösen wird, geben Paradise Lost einen kleinen Querschnitt über die Bandgeschichte mit Songs wie "Unreachable", "One Second", "Erased", "Requiem" und "Say Just Words".

Fast eine Stunde warten wir jedoch nach Paradise Lost auf die Finnen von HIM und müssen uns mit furchtbarer (finnischer?) Bauchtanzmusik die Zeit vertreiben. Bereits nach 21 Uhr hofft das Publikum nach jedem Song auf den Auftritt der Band und die Buh-Rufe werden jedes Mal lauter, sobald erneut die Pausenmusik einsetzt.  Um 21.40 Uhr ist es dann endlich so weit, das Backdrop von Venus Doom hängt schon lang genug und die roten Wohnzimmerleuchten kommen mit der Band auf der Bühne endlich richtig zur Geltung. Sonst ist die Bühne karg gestaltet, Neonröhren und große Strahler geben mehr Licht. "Passions Killing Floor" ist der erste und auch gleichzeitig neuer Song der letzten Platte Venus Doom. Ville steht mit Wollmütze, Sacko und Zigarette am Mikro und kündigt eine Party für heute Abend an. Na, ob daraus noch etwas wird... frenetisch wird der zweite Song "Wings Of A Butterfly" umjubelt, überwiegend also Teens und Twens im Publikum. Der Sound kommt jedoch viel zu leise aus den Boxen, selbst Ville ist ständig am rumfuchteln und versucht dem Soundmann Instruktionen zu geben, die wohl nicht besonders fruchten. In meinen Ohren klingt es nach dem gleichen Soundbrei...

Ville ist recht gut bei Stimme, er spielt viel mit den Höhen, vor allem am Ende der Songs. "Buried Alive By Love", "Wicked Game" – Hits, die seinesgleichen suchen, jedoch fehlt etwas – kein Charisma und keinerlei Emotionen gehen von Ville Valo aus wie üblicherweise. Und immer noch keine richtige Begrüßung... ständig dreht sich Ville vom Publikum weg, wirkt nervös und unsicher und auch wenn er mal mit dem Publikum redet, blickt er ständig über seine Schulter hinweg nach hinten zum Drummer Gas und murmelt unverständliche Wortfetzen ins Mikro. Immer wieder geht er von der Bühne, raucht erstaunlich wenig und dann endlich eine Andeutung vor dem HIM-Klassiker schlechthin: Mit "There’s nothing better than having an asthma-attack before this" kündigt er "Join Me" an und nun ist klar, dass er gesundheitlich leidet. Fast verpasst Ville sogar seinen Einsatz zum 10-Minuten-Diamanten "Sleepwalking Past Hope", kommt jedoch noch rechtzeitig auf die Bühne, um das Mikro noch regelrecht an sich zu reissen.

Leider gestaltet sich das Konzert nur noch als liebloses Abspulen der größten Hits wie "Soul On Fire" und "Killing Loneliness", vermischt mit einigen Perlen der neuen Platte wie  "Bleed Well". Nach 80 Minuten geht die Band nach "Funeral Of Hearts" von der Bühne, das Licht bleibt weiterhin an und das Publikum ist guter Hoffnung noch mit Zugaben entschädigt zu werden. Fehlanzeige... nach weiteren zehn Minuten geht das Licht an und ein Raunen und Pfeiffen geht durch das Palladium. Schade!

Wenn es wirklich an Villes Gesundheit lag, so mögen wir Ville und den Jungs diesen schlechten Gig verzeihen... So einfach und vielleicht sogar langweilig auch Paradise Lost ihre Shows gestalten mögen – heute Abend hatten sie eindeutig die Nase vorne!

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