Sing What You Know Tour 2008
Seit nunmehr fast drei Jahren begleite ich den musikalischen Weg von Home Of The Lame. Und jedes Mal bin ich positiv überrascht von der Güte der Musik und der Warmherzigkeit der Menschen, die dieses Projekt begleiten und unterstützen. In den drei Jahren habe ich vieles erlebt: Felix Gebhard, Sänger und Kopf von Home Of The Lame, stand am Anfang alleine auf der Bühne. Einheizer für Tomte oder Walking Concert. Später dann bei den Weakerthans, Maritime oder Olli Schulz. Ab und an mit improvisierter Band, dann wieder solo. Seit dem letzten Album gibt es mit Alexander Böll, Ingo Schröder und Christian Hake neben Felix Gebhard eine Home Of The Lame Band. Und das tut dem Ganzen unwahrscheinlich gut. Die neueren Songs sind fülliger und umfangreicher. Was die älteren Songs nicht schmälern soll, denn diese werden mit Band so dargeboten und im Vergleich zur ersten Platte so variiert, dass auch diese ins Konzept Home Of The Lame als Band passen.
Im Oberhausener Druckluft gleich neben dem schmucken Bero Center, das wenn überhaupt nur in der Entstehungszeit Anfang der 80er mal hip war, gastieren heute Home Of The Lame. Am eher tristen Föderturm neben TÜV und Berufsschule sollen Home Of The Lame für knappe 35 Leute das Leben lebenswert machen. Und sie tun es. Kleine Konzerte haben den Vorteil, dass der Kontakt zur Band unvermeidlich ist. Es wird auf einer persönlicheren Ebene gespielt. Man bekommt mehr mit, ob die Band harmonisiert oder ob sie nur ihr Programm herunterspielt. Heute macht es den Eindruck, dass der Vierer nicht nur Spaß am Spielen hat, sondern der Spaß auch untereinander vorhanden ist. Spielfreude gepaart mit sehr viel Normalität, das in Kombination ein einfach sympathisches Ergebnis liefert.
Genug gelobt. Kommen wir zur Musik. Mit bisher dreißig veröffentlichten Songs verfügen Home Of The Lame schon über ein kleines Repertoire an unterschiedlichsten Liedern. Gefüllt wird das Set jedoch vorwiegend von Songs des letzten Albums „Sing What You Know“. Als Einsteiger wird „Food For Song“ gewählt. „The Radio“ und „Old Songs“ rocken gekonnt und mit dem für eine Coverversion sehr früh ins Set eingebaute „The Man In Me“ von Bob Dylan werden sicherlich einige im Café Druckluft überrascht. „Rooftops“, „Clouds“ oder „Ode To A Friend“ schleichen sich einfach zwischen die neuen Songs. Immer wieder variiert, im Gegensatz zu den Studioversionen vom 2005er Album „Here Of All Places“. Den „alten“ Songs steht der Band-Charakter sehr gut. Sie wirken ausdrucksvoller und lauter. Dass Felix Gebhard aber auch noch leise klingen kann beweist er in der ersten Zugabe mit „Habitat“.
Highlights sind schwer rauszupicken, da das Gesamtpaket einfach passt. Sicherlich ist das am Ende zelebrierte „Maria“ schon eine große Nummer und an verzerrte Klänge muss man sich bei Home Of The Lame auch erst gewöhnen, jedoch wäre es falsch sich einfach auf ein oder zwei Songs zu beziehen, die den Kick ausmachen. Das trifft einfach nicht zu, weil es einfach alle Songs sind, die den Kick ausmachen. Ob rockig poppig wie mit „Engine“ oder „Big Machines“ oder langsam schwebend wie mit „A Narrow Path“. Dazwischen ein „Mirror Mirror“, welches nahezu perfekt geeignet ist für den ersten Teil im Zugabeset. Oder das Urgestein „Hope That You Can Stay“ das mit seinem ruhigeren Part und der am Ende sich aufbauenden kleinen Explosion bestens geeignet ist um ein Set zu schließen. Immer wieder muss ich feststellen wie dieser Song live verdammt noch mal rockt. Klatschnass sitzt Felix Gebhard am Ende der Show auf der Bühne und breitet das Merchandising Paket aus. CDs, Vinyls, Shirts und Buttons gibt es, dazu ein Schwatz mit dem Künstler gratis dazu. Die anderen drei bemühen sich derweil schon ums Abbauen, suchen Kontakt zu Freunden und Zuhörern und freuen sich wahrscheinlich auch erstmal auf einen Platz an der Theke.
Es ist natürlich schade, dass nicht so viele Leute den Weg ins Druckluft gefunden haben. Denn für wenig Geld, ich glaube es waren 8 Euro an der Abendkasse, konnte man wirklich einen sehr geschmackvollen musikalischen Abend genießen. Vielleicht gelingt es Felix Gebhard jetzt in den kommenden Tage bei den Weakerthans noch ein paar mehr Leute zu begeistern, die sich dann auch für seine Sache interessieren. Ab Samstag ist Gebhard Solo als Vorband der Weakerthans hierzulande unterwegs.
Und „Nightshift“ haben sie wieder nicht gespielt. Das wird wohl ein unerfüllter Traum bleiben. Warten wir es ab.