Tour 2004, Support: Three Days Grace
Nach längerer Zeit ist mal wieder die Live Music Hall in Köln angesagt. Schön! 1992 hat Gott hier ein Konzert gegeben. Gemeint ist natürlich Eddie Vedder und Pearl Jam! Heiliger Boden sozusagen...
Aber das war gestern, heute ist Hoobastank. Mit ihrem dritten und aktuellen Album „The Reason“ befinden sich die vier Kalifornier immerhin noch weitestgehend in der Tradition der alten Meister.
Die Halle ist ganz gut gefüllt, ich schätze mal, dass es so um die 1.000 Fans sind. Die spannende Frage ist, ob die Mehrzahl von ihnen mehr von Hoobastank kennt als „das eine Lied aus dem Radio“. Das hymnische „The Reason“ ist nämlich nicht wirklich typisch für diese Band. Aber dazu später.
Zunächst ist die Vorgruppe am Zug: Three Days Grace aus Kanada. Eine Dreiviertelstunde donnern sie ihren Hardcorepunk in die Menge, handwerklich solide und schön fett. Macht Laune, besonders die aktuelle Single „I hate everything about you“, die es durchaus in die Heavy Rotation der Radiosender schaffen könnte. Erinnert mich irgendwie an eine Mischung aus Queensryche und Alan Parsons Project zu Zeiten von „The Raven“. Frontmann Adam Gontier gibt sich alle Mühe die Stimmung anzuheizen. Ich bezweifele aber trotzdem mal, dass sich Three Days Grace auch auf Dauer aus der Masse abheben werden, dazu sind sie einfach nicht originell genug.
Bevor es dann endgültig mit Hoobastank losgeht, gibt`s noch eine kurze Umbaupause. Und wer in dieser Songs von Aerosmith, Guns`n`Roses und sogar „Kickstart my Heart“ von Mötley Crüe (!) vom Band laufen lässt, ist entweder mutig, größenwahnsinnig oder hat jede Menge Humor. Sucht`s euch aus!
Um kurz nach 21 Uhr jumpen dann Sänger Douglas Robb (in einem Van Halen „Monsters of Rock“-T-Shirt!), Bassist Markku Lappalainen, Drummer Chris Hesse und Dan Estrin (git) auf die Bühne und legen mit „Out of Control“ sofort volle Lotte los. „Just one“ gleich hinterher. Ich frage mich, wie Robb es wohl schafft so zu klingen, als singe er durch ein Megaphon. Der Sound ist kraftvoll, was ich in der Live Music Hall auch schon anders erlebt habe. In den ersten Reihen beginnt ein gepflegtes Crowd-Surfing und wer nur „The Reason“ kennt, dürfte spätestens jetzt leicht irritiert sein.
Dass dies heute abend aber wohl nur auf die Wenigsten zutrifft, zeigt sich bei „Running away“, einem Song vom 2002er Album „Hoobastank“. Die Fans übernehmen ganze Gesangsparts und feiern den Song kräftig ab. Es folgt „What happened to us“, einer meiner persönlichen Favs, der nahtlos übergeht in „Remember me“.
Schließlich das wohl unvermeidliche „The Reason“. Robb ist inzwischen „oben ohne“ und irgendwie hat er jetzt was von Robbie Williams an sich, jedenfalls aus der Entfernung der hinteren Reihen. Ob das nun ein Kompliment oder eine Beleidigung ist, sei dahingestellt... Bei „The Reason“ ist er seltsam uninspiriert bei der Sache, fast schon atemlos. Ich werde den Eindruck nicht los, dass Hoobastank das Stück spielen, weil sie es müssen, nicht weil sie es wollen, vielleicht ihre Art von Konzession an den Kommerz. Vorstellbar, dass irgendein A&R-Mensch von der Plattenfirma auf die Idee kam, dass „da noch ein Mainstream-Schmusesong mit auf`s Album muß, um den Verkauf anzukurbeln“. Sei`s drum...
Das Publikum hat auf jeden Fall seinen Spass (es fliegen sogar Schuhe auf die Bühne) und das darauffolgende „Pieces“ entschädigt für vieles. Lässt mich im Refrain an Alice In Chains denken, Layne Staley wird`s mir verzeihen.
Zum Abschluß verneigen sich Hoobastank noch kurz vor Cyndie Lauper, deren „Girls just wanna have fun“ sie als „biggest metal song ever“ anspielen (also doch Humor!), bevor mit „Disappear“ nach 70 Minuten auch schon wieder Feierabend ist.
Etwas kurz für meinen Geschmack, aber Hoobastank haben insgesamt doch den Beweis angetreten, dass mit ihnen in Zukunft weiter zu rechnen sein wird. Nickelback und Konsorten sollten sich jedenfalls schonmal warm anziehen, Hoobastank sind gerade erst auf die Überholspur eingebogen.