14. Hurricane Festival 2010 - Tag 1 - mit Biffy Clyro, Hot Water Music, Kashmir, The Temper Trap und Beatsteaks
Alle Jahre wieder heißt es: Ich packe meinen Festivalkoffer... Mit genügend Bier und jeder Menge guter Laune im Gepäck macht für mich den Auftakt dieses Festivalsommers das Hurricane Festival in Scheeßel. Schon am Donnerstag reisen zahlreiche Feierwütige an und schlagen bei strahlendem Sonnenschein ihre Lager auf. Bereits jetzt herrscht eine Bombenstimmung und das lästige Zeltaufbauen wird von einigen mit einer Runde Flunkyball versüßt. Und weil man musikhungrige Festivalgänger nicht lange warten lassen soll, werden am Abend schon mal die Türen des Discozeltes geöffnet, in dem die Motorbooty DJ´s Ralf Best und DJ Sebi sowie DJ Mario ihre musikalischen Ergüsse zum Besten geben. Und sie wissen ganz genau, was die Partymeute hören will. Ein herrlicher Start in ein wundervolles Festivalwochenende.
Wechselhaft zeigt sich das Wetter am Freitag. Hier und da sind einige Regenschauer zu verzeichnen, es ist ein wenig abgekühlt. Aber davon lassen sich eingefleischte Festivalgänger noch längst nicht unterkriegen. Auch heute reisen noch zahlreiche Besucher an und versuchen ein schönes Plätzchen für ihr Lager zu finden. Derweil können sich die Fußballhungrigen am Rande des Zeltplatzgeländes auf einer Leinwand das Spiel Deutschland gegen Serbien zu Gemüte führen. Trotz der Niederlage bleibt die Stimmung nicht lange getrübt, dafür ist man doch zu sehr Festivalist.
Eröffnet wird das Musikfest schließlich von den sympathischen Schotten Biffy Clyro (15:30-16:20, Blue Stage), zu denen es leider nur wenige geschafft haben zu kommen. Dafür scheint es sich bei denen um eingefleischte Fans zu handeln. Dass sie es wie immer ordentlich rocken lassen, ist ja von vornherein klar, aber dann sehe ich auch noch, dass sich statt der gewohnten drei eine vierte Person auf der Bühne befindet, bei der es sich um niemand geringeren handelt als Mike Vennart, Sänger und Gitarrist von Oceansize, mit denen sich das Trio in Manchester einen Proberaum teilt. Das lässt mein Herz gleich noch höher schlagen und das vollkommen zu Recht. Sie legen eine ausgezeichnete Show hin und präsentieren sowohl altbekannte Kracher wie "Living Is A Problem Because Everything Dies" und "Who´s Got A Match" als auch eine ganze Reihe von ihrer neuen Scheibe. Und auch diese neuen Songs schaffen es, das Publikum mitzureißen und zum Tanzen und Mitsingen zu animieren. Ein durchweg gelungener Auftritt, nichts anderes habe ich erwartet.
Auf meinem Weg über das Festivalgelände streife ich, wenn auch nur kurz, die Green Stage, auf der Hot Water Music (17:15-18:00) ihre Musik zum Besten geben. Der Platz ist zwar nicht übermäßig voll, aber dennoch gut gefüllt. Wen wundert´s. So haben die sympathischen Post-Hardcore Rocker aus Florida seit 1994 eine stets wachsende Fangemeinde mit sich ziehen können, von denen sich nun zahlreiche, auf dem Hurricane versammelt, hingebungsvoll ihren Idolen hingeben. Tolle Stimmung, auch wenn mich die Jungs mit ihrer Musik leider nicht erreichen, da können sie noch so schreien, ich bin eben kein Hardcore-Hörer.
Der Abend schreitet voran und man trabt von Bühne zu Bühne, um das zu tun, was 70.000 Leute, unzählige Helfer, Organisatoren und allgemein schwer beschäftigtes Volk zusammengeführt hat: Musik zu hören! Mich zieht es ins Zelt, genauer gesagt zu Kashmir (19:45-20:30, Red Stage), um mich ein weiteres Mal von der herausragenden Livequalität der netten Dänen zu überzeugen. Und was soll ich sagen: Sie machen ihrem Ruf wieder alle Ehre. Wirklich super sympathische Männer, die stets mit einem Strahlen im Gesicht ihren Fans deutlich machen, dass sie ihren Job auf der Bühne und die Nähe zu ihren Fans lieben. Das Zelt ist nicht übermäßig voll, aber dennoch gut gefüllt, sodass eine hervorragende Stimmung herrscht. Überall schaut man in lächelnde Gesichter, überall wird mitgetanzt und auch hier und dort sind textsichere Fans zu beobachten. Immer wieder sucht Sänger und Gitarrist Kasper Eistrup den Kontakt zum Publikum und schafft es spielend leicht, dieses sowohl zum Klatschen als auch zum Springen zu animieren.
Richtig voll wird es schließlich zu The Temper Trap (21:00-21:45, Red Stage). Bereits im Februar schafften die Australier, die mittlerweile in London ansässig sind, das kleine beschauliche Molotow in Hamburg zu füllen. Mit dieser Tour scheinen sie ihre Fangemeinde weiter ausgebaut zu haben. Das Zelt ist brechend voll und voller Enthusiasmus wird das Quintett von seinen Fans empfangen. Von der ersten Sekunde an folgt das Publikum den Jungs, die sich leidenschaftlich ihren äußerst melodischen Klängen hingeben. Im Publikum sind sogar zwei Australienfahnen zu sehen, die allerdings bei der Band nicht wirklich zu einer Anerkennung führen. Besonders redselig sind sie ja nicht, macht aber auch nix. Die Menge ist auch so bei ihnen und beweist sich sowohl textsicher als auch voller Bewegungsdrang. Und statt ein paar wörtlichen Zuwendungen zum Publikum gibt es wieder die Gesichtsakrobatik von Sänger Dougy Mandagi gratis dazu. Als letztes gibt es den "Drum Song" auf die Ohren, bei dem Dougy noch einmal richtig Gas geben kann. Und während er so auf seiner Trommel rumschlägt und leidenschaftlich um diese herumtänzelt, ist doch tatsächlich auch ein Lächeln auf seinem Gesicht zu erkennen.
Und nun geht es dann auch schon mit großen Schritten auf das Highlight des Tages zu. Denn die Sympathieträger aus Berlin sind zurück. Die Beatsteaks (23:00-00:30, Green Stage) aus Berlin sind wieder unterwegs und haben ihre ganze Energie wieder mit im Gepäck. Hier heißt es eindeutig: Wer Platzangst hat, ist eindeutig falsch. Der Platz ist proppevoll, bis zur letzten Fressbude tummeln sich die Menschen, um etwas von der energiegeladenen Show der Berliner zu erhaschen. Und Arnim und Co. verstehen es immer wieder auf´s Neue, das Publikum bis zum letzten Mann auf ihre Seite zu ziehen. Ich kann wirklich keinen sehen, der sich nicht mitreißen lässt. Selbstverständlich haben die Jungs ihre altbekannten Favorits wie "Hand In Hand" oder "I Don't Care As Long As You Sing" mit dabei, die von den Fans gebührend gefeiert werden. Ständig kommunizieren die Jungs mit dem Publikum und beziehen dieses regelrecht in die Show mit ein. So wird Timon schließlich auf die Bühne geholt, ein Fan, der seine Textsicherheit bei "Not Ready To Rock" beweisen darf und für Arnim den Gesang übernimmt. Ein glanzvoller Auftritt Timon! Aber auch das restliche Publikum wird mit einbezogen. Nach Aufforderung wird in die Hocke gegangen und schließlich in die Luft gesprungen. Den sympathischen Berlinern kann man aber auch nichts ausschlagen. Eine Gänsehaut bekomme ich, als Arnim seinen Papa grüßt, der vom Mischpult aus die Show verfolgt, und ihm für seine ausgezeichnete Plattensammlung dankt. Und wenn der Papa so in den frühen Kindertagen von Arnim Einfluss auf ihn genommen hat, so sollten wohl auch wir ihm dafür danken. Sie sind eben ausgezeichnete Entertainer, es wird nie langweilig, auch nachdem man sie mehr als einmal gesehen hat. Immer wieder einen Besuch wert.
Nicht nur um sich aufzuwärmen, sondern auch um den fantastischen ersten Festivaltag ausklingen zu lassen, versammelt man sich nach dem letzten Konzert im Discozelt, wo die Jungs der Vision ihr DJ-Set zum Besten geben und den Feierwütigen ordentlich einheizen. Die Stimmung ist ausgezeichnet. Voller Enthusiasmus wird getanzt und mitgesungen. Wer hier steht, wartet lediglich darauf sein Bier an der Theke entgegen zu nehmen. Es ist so heiß, dass es von der Decke tropft. Man kann sich der Stimmung einfach nicht entziehen. Obwohl man sich eigentlich vorgenommen hatte, nicht zu spät ins Bett zu kommen, verlässt man schließlich doch erst um 4 Uhr morgens die Tanzfläche und ist vollkommen euphorisiert von den zahlreichen tollen Auftritten des Tages und den ganzen Menschen, die sich alle aus demselben Grund hier eingefunden haben, nämlich um gemeinsam eine riesige Party zu feiern.