Hurts

Tour 2011 - Support: Jack Beauregard

07.06.2011 Stadtpark Freilichtbühne / Hamburg

Von: Bettina Zimmermann

Hurts Hamburg

Überraschend kommt der sagenhafte Erfolg des Musiker-Duos aus Manchester schon lange nicht mehr. Für die Veröffentlichung des Debütalbums "Happiness" im August 2010 haben sich die zwei adretten Briten von Hurts viel Zeit genommen, nachdem sie in England bereits 2009 mächtig gehypt wurden. Spielten sie im letzten Oktober auf ihrer Deutschlandtour noch im ausverkauften Uebel & Gefährlich, erhielten sie im März 2011 dann schon beim ECHO in Berlin den Preis für den "Besten Newcomer International". Die Zuschauerzahlen und Ticketpreise explodieren inzwischen derartig, dass sie mittlerweile ganze Arenen bespielen und darüber hinaus gerade erst ihre Premiere bei Rock am Ring bravourös meisterten. Ihr musikalisches Erfolgskonzept klingt einfach: Man nehme die regionalen Impulse der erfolgreichen melancholischen Synthie-Pop und Electro-Wave Musik des industriellen Englands der Achtziger Jahre, füge eine Prise italienischen Disco-Lento hinzu, verrühre alles mit einer Portion emotionaler Soul- und Pop-Elemente und vermenge diese mit einem aufsehenerregenden Gesamtkonzept in Form einer soliden Corporate Identity. Bemerkenswert daran ist einerseits die zielgenaue Kombination aus extremer Schlichtheit und Eleganz, mit der sie von Beginn an in ihrem ersten Video zu "Wonderful Life" Furore machten und andererseits der gleichzeitigen überraschenden Impulsivität und Explosivität ihrer professionellen Live-Performance. Von dieser unglaublich expressiven Qualität ihrer Show, wie auch von ihrem künstlerischen Talent, wollen wir uns heute persönlich überzeugen und finden uns zu ihrem Open-Air Konzert im Hamburger Stadtpark ein.

Das Wetter meint es gut mit Hurts, die gestrigen Unwetter sind scheinbar längst vergessen, die Abendsonne scheint versöhnlich in die Freilichtbühne. Dementsprechend sommerlich entspannt ist die Atmosphäre, das Publikum ist gut durchmischt – von Jung bis Alt, ja einige haben sogar ihre Kinder mitgebracht, die 80er Jahre Generation ist mit dabei, sowie eine Vielzahl trendsicherer Teenies - und hat sich bereits um 18:45 Uhr im Innenbereich recht dicht stehend versammelt, sodass kaum noch ein Platz auf der Wiese frei bleibt.

Zunächst beginnen um 19:15 Uhr Jack Beauregard, bestehend aus den beiden Wahlberlinern Daniel Schaub (Gesang/Gitarre) und Pär Lammers (Gesang/Synthie), mit ihrem Support und präsentieren uns einen schönen Überblick über ihr Indie-Elektro-Pop Repertoire. Ende April haben sie bereits ihr zweites Album "The Magazines You Read" veröffentlicht, einen Namen machten sie sich allerdings durch ihre Songwriter-Qualitäten für Deutschlands Grand Prix Hoffnung Lena. Musikalisch hätte man sich das Vorprogramm nicht passender vorstellen können. Die tiefen durchlaufenden Bässe und programmierten E-Drum und Rhythmus-Sounds, die mal in ruhigen Songs aber auch mit flotten tanzbaren Synthie-Beats kombiniert und einem live noch nicht ganz so ausgereiftem Gesang begleitet werden, scheinen auch der Hurts Fanbase zu gefallen. Hier und da wird schon mal mitgewippt und geklatscht, zumeist aber noch feierabendlich "geschnackt", statt mit voller Konzentration bei der Vorband zu sein. Ihr Spektrum ist ein guter Mix, hier und da erinnern ihre Songs an unterschiedliche Bands, da tauchen Melodien wie bei Two Door Cinema Club auf, dann hört sich ein anderer Song plötzlich nach Barclay James Harvest an. Schade irgendwie, dass man immer den Eindruck hat, man hätte einen ähnlichen Song schon einmal gehört, ansonsten liefern die beiden ein kompatibles und schön anzuhörendes Warm-Up für die Show von Hurts ab. Nach einer guten halben Stunde bedanken sich die von der Atmosphäre scheinbar vollkommen überwältigten Jungs von Jack Beauregard beim Publikum, kündigen noch ihr nächstes Konzert in der Astra-Stube an, und machen unter wohlverdientem Applaus schließlich die Bühne für Hurts frei.

Nachdem die tiefblaue Bühnenbeleuchtung eingeschaltet wird, mittlerweile steht das Publikum im Kessel der Freilichtbühne dicht gedrängt (kaum zu glauben, dass das Konzert nicht ausverkauft ist), beginnt gegen halb neun die sehnsüchtig erwartete Show von Hurts. Der dramaturgische Auftritt zweier Tänzerinnen in schwarzen Kapuzenkutten als Fahnenträgerinnen eröffnet das Konzert nach dem Einfinden sämtlicher Musiker auf der Bühne mit einer Art Intro. Hurts haben seit ihren ersten Konzerten nicht nur an technischem Equipment ordentlich aufgerüstet, Leuchtdiodensäulen säumen den Bühnenhintergrund und das Hurts-Plakat wirkt gigantisch, sie haben auch eine Vielzahl von neuen Musikern mit an Bord geholt. Ein Streichquartett, eine Tenorstimme, Akustikdrums, Keyboards und ein weiterer Gitarrist sind mit dabei. Als letztes betritt dann das im hochwertigen Anzug und mit Pomadenhaar durchgestylte Duo, das sind Sänger Theo Hutchcraft und Pianist Adam Anderson, unter tosendem Applaus und sichtbar stolz die Bühne.

Sie starten bei einer ausgezeichneten Akustik und der voluminösen Stimme Hutchcrafts mit "Silver Lining" in das Set, direkt im Anschluss begrüßt der charmante Frontmann das Publikum mit einem freundlichen "Guten Abend Hamburg". Schon als zweiten Titel spielen sie ihren Erfolgssong "Wonderful Life", der über Nacht die deutschen Charts stürmte. Schwarze und weiße Luftballons fliegen über den Köpfen der ersten Reihen, es wird sofort enthusiastisch mitgeklatscht und textsicher mitgesungen. Während die musikalische Ergänzung aus Saxophon und Streichern den Song wirklich gelungen abrundet, hätte man auf die tänzerische Einlage der zwei Damen im Spitzenoutfit, die schon bei Rock am Ring auf der Bühne tanzten, auch gut verzichten können. Theo wirkt im Gegensatz zu früheren Auftritten inzwischen viel selbstsicherer und unterstreicht seine perfektionistische Darbietung mit theatralischer Gestik, während Adam absolut introvertiert und konzentriert in seinen Pianomelodien versunken zu sein scheint. Hutchcraft kündigt fast jeden Song an, animiert die Zuschauer durchgehend, wirft Handküsse oder auch mal Rosen in die Zuschauermenge und bedankt sich immer wieder für den unaufhörlichen Applaus. Zwischen den Songs spricht er teils sogar auf Deutsch zu uns, so sagt er, dass es für ihn wie nach Hause zu kommen sei wenn er hier ist, und dass Hamburg der erste Ort gewesen sei, in den er sich verliebt hätte, was bei den Fans natürlich begeisterte Zurufe auslöst.

Ein etwas sehr inszeniert wirkender Höhepunkt wird bei "Evelyn" erreicht, als sich der ruhig beginnende Song mit stürmischen Trommelwirbeln, blitzenden Lichteffekten stimmungsmäßig dermaßen steigert, dass der impulsive Theo schließlich wie wild seinen Mikrofonständer wiederholt auf den Fußboden schmettert. Die Tenorstimme und das Streichquartett kommen bei der Performance des Hiddentracks "Verona" so richtig zum Tragen, und wenn man ehrlich ist hört sich die Live-Version tatsächlich viel besser an als der Track des Albums. Überraschenderweise bringen uns Hurts einen Cover Song von Kylie Minogue "Confide In Me" mit, der stilistisch ausgezeichnet zu ihnen passt und den sie fantastisch interpretieren. Die eröffnenden Geigen und das Piano, welche wir auch im Original finden, sind großartig zu der Tenorstimme arrangiert.

In den vorderen Reihen werden bei "Iluminated" sogar Wunderkerzen gezündet, was natürlich sehr stimmungsvoll wirkt. Die eher elektronisch ausgerichteten Songs (E-Drums/programmierte Rhythmen) erinnern oftmals an The Human League, auch melodische Einflüsse von Vorreitern wie Soft Cell und Depeche Mode sind nicht abzustreiten. Tragende, ruhigere Klänge mit dem Schwerpunkt auf Gesang und Piano wechseln sich stets mit emotionsgeladenen, explosiveren Phasen ab, in denen das akustische Schlagzeug und der vermehrte Instrumenteneinsatz der Streicher die Stimmung mitbestimmt und so richtig Gänsehautfeeling aufkommen lässt. Der exzellente Gesang Hutchcrafts braucht qualitativ nicht den Vergleich mit George Michael zu scheuen, schließlich ist dieser ihr "Kapital" für die melodramatische Ausdruckskraft in ihren Songs.

Als Theo um halb zehn "Stay" als den letzten Song ankündigt und sich herzlichst bei seinen Fans bedankt werden noch mal alle Kameras gezückt. Schließlich handelt es sich hier um "Stay", der Titel mit dem Til Schweigers Film "Kokowääh" zum "Besten Soundtrack in einem deutschen Film" bei den MTV Movie Awards gewählt wurde. Schon beim Verlassen der Bühne unter dem rasenden Applaus des Publikums ist klar, dass Hurts noch einmal wiederkommen werden. Es gibt noch eine kurze instrumentale Tanzperformance und schließlich noch den flotten Stimmungsmacher "Better Than Love" zu hören. Hier erreicht das Konzert stimmungsmäßig abschließend seinen absoluten Höhepunkt. Nach weiteren Danksagungen und der Verneigung vor dem Publikum verlassen Hurts um 21:40 Uhr zu unserem Bedauern endgültig die Bühne. Der weiter anhaltende Applaus und die letzte Hoffnung auf eine nochmalige Rückkehr der sympathischen Briten wird einem dann aber abrupt durch die laute Beschallung mit aufdringlicher Rap Musik genommen, die dann ziemlich schnell auch den letzten Hurts Fan aus dem Stadtpark vertreibt.

Das Fazit ist ganz klar, das Erfolgskonzept Hurts geht voll und ganz auf. Die charmanten Briten präsentieren uns ein selbstbewusstes, geradezu perfekt inszeniertes Feuerwerk, sowohl musikalisch als auch emotionaler und visueller Art. Ihre Bühnenpräsenz ist brillant und ihr korrekter Gentleman-Stil fügt sich gut in das Gesamtbild ein. Das heutige Konzert hat durchweg alle Fans begeistert, man blickt ausschließlich in glückliche Gesichter. Wir wünschen uns auch in Zukunft eine so großartige Live-Unterhaltung von den Herren Hurts. Ein großes Kompliment an die neuen Synthie-Pop-Helden aus Manchester! Wer sich noch mal das wundervolle Konzert von Hurts hautnah in Erinnerung rufen will, der kann das HIER mit dem Video von "Sunday" tun.

Setlist:

Silver Lining
Wonderful Life
Happiness
Blood, Tears & Gold
Evelyn
Sunday
Verona
Unspoken
Mother Nature
Devotion
Confide In Me (Kylie Minogue Cover)
Iluminated
Stay
---------------
Instrumental/Tanz
Better Than Love

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