Tour 2011 - Support: Delay Trees
Erinnern wir uns daran zurück, was uns als Kinder so fasziniert hat, dann kann mit Sicherheit der ein oder andere von sich behaupten, eine gewisse Leidenschaft für Eisenbahnen für sich beansprucht zu haben. Während sich jedoch das Interesse bei den meisten über die Jahre dann doch in eine andere Richtung entwickelt hat, geht die Faszination Eisenbahn bei den vier Briten von I Like Trains weit über das Kindesalter hinaus und scheint immerhin so viel Einfluss zu haben, dass es zu diesem eigenwilligen Bandnamen gereicht hat. Darüber hinaus hat sich die Verarbeitung historischer Geschichten in ihren Songs mittlerweile zu einer Art Markenzeichen entwickelt, womit sie sich nicht nur in der lebendigen Musikszene von Leeds einen Namen erspielen konnten. Ihre EP "Progress Reform" sowie ihr Debütalbum "Elegies To Lessons Learnt" verschaffte ihnen internationale Aufmerksamkeit und zahlreiche ausverkaufte Auftritte. Ganze drei Jahre mussten wir warten, bis im Oktober 2010 dann endlich mit "He Who Saw The Deep" ihr drittes Studioalbum erschienen ist, welches sie derzeit fleißig auf Tour vorstellen.
Obwohl sich das Hamburger Knust heute nicht an einem ausverkauften Haus erfreuen kann, ist es dennoch gut gefüllt und die Zuschauer scheinen sich selbst die Vorband nicht entgehen lassen zu wollen. Gemütlich und ausgelassen lauscht man der melancholischen teils sogar fast schon depressiven Musik der drei Finnen um Delay Trees. Ein bisschen fehlt dem Trio jedoch das Außergewöhnliche. Zwar blitzen gerade die etwas popigeren Songs immer mal wieder auf, allerdings bekommt man insgesamt das Gefühl, dass es sich hierbei um nichts handelt, was man nicht schon zuhauf, gerade aus Großbritannien, zu hören bekommen hat. Der Applaus fällt daher eher freundlich aus, nur selten zeigt sich so etwas wie Begeisterung.
Da haben die vier Briten um I Like Trains schon leichteres Spiel mit dem Publikum. Während Delay Trees Anklänge an verträumten Pop erkennen lassen, pflegen I Like Trains einen härteren, schwereren Sound. Sie verbinden gekonnt ein kraftvolles Schlagzeug mit Gitarrenklängen und Bass sowie dem intensiven Bariton von Sänger und Gitarrist David Martin zu fast sphärischen Sounds, bei denen man mutmaßen könnte, dass die gemeinsame Tourzeit mit den Editors ein wenig abgefärbt hat. Aber auch Fans des Postrocks a la Aerogramme oder Oceansize kommen hier voll auf ihre Kosten. Dann fährt das aus Leeds stammende Quartett mit seinem Zug direkt auf das instrumentale Postrock Raumschiff von God Is An Astronaut. Sie verlieren jedoch nie an eigener Note und verstehen es ausgezeichnet, das Publikum zu animieren, auf ihren Zug aus Dunkelheit und Melancholie aufzuspringen, und den Geschichten aus den sich immer wiederholenden, dunklen Kapiteln der Menschheitsgeschichte zu lauschen. Die Songs handeln dabei meist von historischen Begebenheiten und Persönlichkeiten, wie dem großen Brand von London, dem Schachweltmeister Bobby Fischer oder der Hexenverfolgung.
Insgesamt 80 Minuten rollen I Like Trains wie eine Dampflok durch das Knust, werden durch das Lichtarrangement und die Nebelmaschine in ihrer Stimmung nahezu perfekt unterstützt. Das Publikum folgt ihnen bedingungslos, will die charmanten Herren nach dem Auftritt gar nicht davonziehen lassen. Da scheint der längerfristige Erfolg fast schon vorprogrammiert, denn wie heißt es so schön: Wer die Geschichte beherrscht, dem gehört die Zukunft!
Setlist Delay Trees:
Gold
Cassette 2012
Quarantine
About Brothers
In February
Lighz Pollution
Tarantula
Whales & Colors
4:45 AM
Setlist I Like Trains:
Sirens
A Rook House For Bobby
Progress Is A Snake
Hope Is Not Enough
Victress
The Voice Of Reason
Terra Nova
We Saw The Deep
A Father’s Son
These Feet Of Clay
A Divorce Before Marriage
Sea Of Regrets