Tour 2008 - Support: Sonic Syndicate, Gojira
Wenn die Band „In Flames“ ein Vorgeschmack auf die Hölle wäre, sollte man dort allein schon aus ästhetischen Gründen Plätze reservieren. Aber weder Fegefeuer noch das weiter oben gelegene Pendant sind plausibel, wahrscheinlich oder beweisbar, deshalb investiere ich mein Geld lieber in Tonträger der Schweden. Ich nahm aus dem Grund mit Freude die Gelegenheit wahr, über das Konzert in Köln zu berichten. Schnell noch die neue Scheibe „A Sense Of Purpose“ gekauft und mit Begeisterung rauf und runter gehört. Wie üblich ist das Werk melodischer Death Metal vom Feinsten. Aufwändig produziert, komplexe aber klar strukturierte Songs – ein echter Hörspaß im Gegensatz zu dem Vorwerk „Come Clarity“, das bis auf zwei, drei Ausnahmen ein ziemliches Geprügel war. Wie man diese Art von Monster-Produktion (20-30 Gitarrenspuren, Synthesizer, Chorsätze) auf die Bühne bringt, darauf war ich sehr gespannt. Als angemessene Bewertungsskala für die Bands schlage ich vor Pechfackel, Scheiterhaufen und Schwefelbrand zu verwenden (in dieser Reihenfolge als Steigerung gemeintÂ…).
Das Palladium ist ausverkauft. Doch vor der Hauptband kommt erstmal das Vorprogramm: Sonic Syndicate aus Schweden und Gojira aus Frankreich. Erstere sind eine junge Band, die aus 1.500 Bewerbern ihren Plattenvertrag gewonnen hat. Drei Brüder, Bassistin, zwei Sänger, abwechslungsreiche Songs – ich war gespannt – und bin dann enttäuscht. Sonic Syndicate klingen wie In Flames. Und In Flames können das selbst besser. Im Metal Hammer-Forum spottete einer Tokio Flames und das zu Recht. Heavy-Boy-Band Stil in Frisuren und Kleidung, Plastik-Six-Pack auf des Sängers T-Shirt und viel zu viele Effekte auf der Stimme. Die werden noch nicht mal für die Ansagen ausgeschaltet und man kann nur mit Mühe verstehen, was gesagt wird. Der Bass akzentuiert überwiegend Viertel, die Haupttempoarbeit kommt also vom Schlagzeug. Fazit: Schweden zwei Punkte oder eine kleine Pechfackel.
Rauchen, ein Bier, nächste Band.
Gojira haben kurz nach dem Kölner Konzert auch ihre myspace-Seite mit Musik befüllt. Sonst hätte ich wohl geahnt, was da kommt. Death Metal vom Feinsten. Auf die Fresse, technisch lecker, kein Effekt im Gesang, sondern selbst gebrüllt, gut gebrüllt (Löwe?). Das erste Stück beginnt mit einem zweistimmigen Rhythmus-Tapping. (Wer hat’s erfunden? Nein, nicht die Schweizer, sondern Jimi Hendrix). Doch damit nicht genug. Alle vier Musiker sind verdammt gut. Es gibt sogar ein kleines Schlagzeugsolo. Elemente alter Slayer Songs treffen Soundfragmente von Cypress Hill. Amtlich, Messieurs. Merci bien. Frankreich neuf points oder ein Scheiterhaufen mit einer großen Prise Schwefelbrocken.
Rauchen, ein Bier, nächste Band.
Endlich: In Flames Live! Es geht los: Band als Schatten hinter einem weißen Vorhang. Die Fotografen, die nur die ersten drei Songs fotografieren dürfen, hat’s sicher weniger gefreut. Gespielt wird die Ballade vom neuen Album „The Chosen Pessimist“. Netter Start. Nicht sehr einstimmend, aber doch interessant. Die Musiker stehen während des Liedes fast still. Auch während des restlichen Konzerts hüpfen die brennenden Schweden nicht unbedingt flummiartig herum. Das Los perfektionistischer Musiker? Hmm. Nicht in dieser Liga.
Im Programm kommen vor allem neue Songs vor. Aber auch alte Schätzchen wie „The Hive“ aus dem Album "Whoracle", „Satellites & Astronauts“ aus dem Album "Clayman" oder der Rock-Disco-Hit „Cloud Connected“ aus dem Album "Reroute To Remain" werden zum Besten gegeben. Die Band spielt von den beinahe orchestralen Studio-Aufnahmen die zur Erkennung wichtigen Elemente, der Sound ist dabei hervorragend. Und das im Palladium. Hut ab vor dem Mann am Mischpult. Ein klares Gesamtbild der einzelnen Instrumente laut und druckvoll, auch mit 28-38 Gitarren weniger ein Hörgenuss. Zur Hälfte des Konzerts fällt die Riesenfahne mit dem In Flames-Logo und eine Etagenbühne mit Lauflichtern wird freigelegt. In Anbetracht der Kunstwerke auf den letzten Platten wirkt diese Bühnendekoration extrem fehl am Platz. Aber so ist dann durch die Lichter etwas mehr Bewegung auf der BühneÂ… einen kleinen Schwefelbrand ist’s mir dennoch wert. Aber die zwölf Punkte wären dieses Mal nicht nach Schweden gegangen.