Tour 2011 - Support: Matthew Dear
Nachdem der stark an den melancholischen Post Punk und New Wave englischer Bands der frühen 80er Jahre erinnernde Sound Interpols immer wieder zu Vergleichen mit Joy Division geführt hat, sind Interpol mittlerweile selbst zur Referenzband geworden. Und auch der Ausstieg von Bassist Carlos Dengler änderte nichts daran, dass Interpol weiterhin überwältigende Alben erschaffen. Das vierte, selbstbetitelte Werk setzt einmal mehr auf düstere Grundtöne und sorgt schließlich dafür, dass Interpol in der internationalen Presse in aller Munde sind. Unermüdlich touren die New Yorker derzeit durch die Welt, machen in Hamburg sogar für zwei Tage Halt und schaffen es, dass die heißbegehrten Tickets im Hamburger Docks innerhalb kürzester Zeit ausverkauft sind.
Mit Matthew Dear soll das zahlreich erschienene Publikum schon einmal in die richtige Stimmung gebracht werden. Der in Texas aufgewachsene Solist präsentiert dabei einen derzeit typischen Manchester Sound, der sich zwar nicht wirklich kategorisieren lässt, am Ende wohl aber doch eher in die Electroschublade gesteckt werden muss und mit Künstlern wie Delphic oder Gold Panda verglichen werden kann. Immerhin kommen jedoch neben dem Elektroschlagzeug sowie Bass und Gitarre auch noch Trompete und Tambourin zum Einsatz, womit sie es schaffen, einen außergewöhnlichen Sound zu erzeugen, der durch die ausdrucksstarke Stimme Matthews gekennzeichnet ist. Sowohl stimmlich als auch optisch erinnert der junge Mann ein wenig an die Kollegen von Hurts, aber vielleicht ist es genau das, was unter den Zuschauern eine gewisse Begeisterung auslöst. Am Ende ist man aber doch wegen Interpol hier, und so fällt der Applaus zwar freundlich, aber nicht übereifrig aus.
Interpol hingegen scheinen zu neuer Höchstform gefunden zu haben. Neuer Haarschnitt, neuer Bassist, neue Songs. Insgesamt 90 Minuten liefern die coolen Amerikaner am heutigen Abend einen fantastischen Auftritt im Hamburger Docks ab, präsentieren dabei nicht nur Songs ihrer neuen Platte "Interpol", sondern erfreuen das ausverkaufte Docks mit überwiegend alten Nummern wie "The Heinrich Maneuver" oder "Evil". Sie sind sichtlich gut drauf. Während sich Gitarrist Daniel Kessler leidenschaftlich der Musik hingibt, bedankt sich Sänger und Gitarrist Paul Banks immer wieder mit einem charmanten Lächeln bei den zahlreich erschienenen Fans. Zu viel Zeit für lange Reden wird aber nicht verschwendet, da bleiben sich die Amerikaner treu.
Im Publikum herrscht regelrechte Hysterie, besonders wenn Songs der allseits beliebten ersten drei Alben "Antics", "Our Love To Admire" und "Turn Out The Bright Lights" ertönen. Die Titel werden textsicher von den Zuschauern begleitet, und animieren hier jeden mindestens zum fröhlichen Mitwippen, zaubern einem regelrecht selbst ein Lächeln ins Gesicht. Alles erstreckt sich in ausgeklügelter Perfektion. Die Band ist leicht in Nebel gehüllt und wird von hinten beleuchtet. Die Lichtarragements harmonieren mit den Songs und diese wiederum mit dem optischen Erscheinungsbild der zum Quintett herangewachsenen New Yorker. Und damit beweisen Interpol schließlich einmal mehr, dass man auch in einem Club wie dem Docks Style, Glamour und großes Songwriting ebenso intim darbieten kann. Eine durchweg gelungene Show, wie es zahlreiche glückliche Gesichter nach dem Konzert wohl eindeutig beweisen.
Setlist:
Success
Say Hello To The Angels
Narc
Hands Away
Barricade
Rest My Chemistry
Evil
Length Of love
Lights
C’mere
Summer Well
Take You On A Cruise
The Heinrich Maneuver
Memory Serves
Obstacle 1
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NYC
The New
Slow Hands
Not Even Jail