Tour 2005
12. April 2005 – Interpol im Kölner E-Werk: Ein Konzert, auf das ich mich lange gefreut hatte. Nachdem ich für das Konzert im November 2004 im Kölner Gloria bereits Wochen vorher an einer Kartenvorverkaufstelle darüber informiert worden war, dass die Veranstaltung leider ausverkauft sei, war es nun höchste Zeit für mein erstes Live-Erlebnis mit den New Yorkern.
Vor der Halle hatte ich ausgiebig Gelegenheit das buntgemischte Publikum zu beobachten. Die meisten bewegten sich zwischen 25 und 35 Jahren und vom authentischen New-Waver, über Männer in dunklen Anzügen (wen wundert’s), bis hin zu „coolen“ Post-Punk-Hipurseln war alles vertreten.
Von der Vorgruppe Spoon habe ich leider nur noch die letzten Klänge hören können, doch der Füllungszustand des Vorraums ließ darauf schließen, dass viele Konzertbesucher es vorgezogen hatten, in Ruhe bei einem Bierchen auf die „Meister der Melancholie“ zu warten.
Nachdem Spoon das Feld geräumt hatten, ging es recht fix weiter. Erst als die Bühne in tiefviolettes Licht getaucht wurde, regte sich das bisher geduldig wartende Publikum und wurde unruhig. Zu den sphärischen Orgelklängen von Next Exit kam die Band dann endlich auf die Bühne und bescherte dem verzückten Publikum einen gemessenen Konzertbeginn. Weiter ging es mit einer ausgewogenen Mischung aus den ruhigeren Stücken von Turn on the bright lights und den rockigeren des Nachfolgers Antics. Das ansonsten zurückhaltende und andächtig lauschende Publikum ließ sich vor allem bei den Stücken Stella was an diver and she was always down, Obstacle 1 und natürlich Slow hands zu frenetischem Jubel hinreißen und ringsherum konnte ich in selige Gesichter blicken, welche mit Sicherheit Spiegel meines eigenen waren.
Satte Violett- und Rottöne dominierten die Lightshow und sorgten für eine ergriffene Gänsehaut-Stimmung. Ein Übriges tat der typisch spröde, perfekte Gesang von Paul Banks: Absolut text- und tonsicher war er musikalisch vorherrschend und schaffte es auch live alle Facetten der menschlichen Abgründe und Hoffnungen darzustellen.
Dankenswerterweise gab es in den kurzen Pausen zwischen den einzelnen Stücken nicht viel Tam-Tam, sondern nur knappe Thank you’s und Dankeschöns an das Publikum, so dass die konzentrierte Stimmung erhalten blieb.
Nach ziemlich genau 1 ½ Stunden inklusive 3 Zugaben war es leider schon vorbei und mit einem glücklichen, leicht wehmütigem Lächeln auf den Lippen ging’s nach Hause. Beim persönlichen Konzert-Erlebnis-Austausch auf dem Heimweg gab es allerdings auch kritische Stimmen, die meinten, es sei „langweilig“ und „eintönig“ gewesen. Außerdem hieß es, die Band hätte zu wenig Kontakt mit dem Publikum aufgenommen und wäre zu starr gewesen. Dazu kann ich nur sagen: Leute, die Musik kanntet ihr vorher und wer um Himmels Willen ist scharf darauf zu diesen elegischen Klängen wild zappelnde Rockstars zu sehen!? Also Bitte!
Insgesamt kann ich behaupten, dass Interpol mit ihrer Musik mein Herz berührt und mir einen erfüllten Abend beschert haben.