Into Darkness Festival 2009 mit Diary Of Dreams, Deathstars, Lacrimas Profundere, Dope Stars Inc.
Die Nächte werden länger und dunkler, die Tage kürzer und kälter. Der Winter naht und passend zu der melancholischen Stimmung des sich seinem Ende zuneigenden Jahres überrollte ein Zusammenschluss der Düsterbands Deutschland. Im Rahmen der „Into Darkness Tour 2009“ bereicherten Diary Of Dreams, Deathstars, Lacrimas Profundere und Dope Stars Inc. das herbstliche Hamburger Abendprogramm für den Oktober.
Zwar stand die Tour von Anfang an nicht gerade unter einem guten Stern. So mussten The Birthday Massacre leider ihre Teilnahme zurückziehen. Doch schnell wurde würdiger Ersatz mit Lacrimas Profundere gefunden. Auch Drummer Bone W. Machine der Deathstars musste aufgrund eines Tennisarms seine Drumsticks bald ruhen lassen und seinen Platz vorerst an Aushilfsschlagzeuger Oscar de la Renta, der sonst bei den „Crescendolls“ hinter den Drums sitzt, ab.
Alles in Allem also nochmal mit einem blauen Auge davongekommen und das Konzert im Hamburger Grünspan konnte starten. Relativ früh war die Stagezeit für die erste Band des Abends – Dope Stars Inc. – angelegt. Vor noch ziemlich leerem Raum versuchten die Italiener das bis dato eingetrudelte Publikum zu motivieren. Dies fiel anfangs nicht sonderlich leicht. Das mochte vielleicht daran liegen, dass der Musikstil ein wenig aus dem Rahmen fiel. Düstere Musik ist nicht gleich düstere Musik und die noch kleine Menge schien weniger elektronisch getrimmt zu sein. Doch die Band, die nun um einen Live Schlagzeuger reicher war, schlug sich tapfer und in der Mitte ihres Sets hatten sie das Publikum auch ein wenig aufgewärmt und die ersten begannen sich zu bewegen. Sänger Victor Love schien seine Position, die seit einiger Zeit durch eine Gitarre aufgefrischt wurde, sichtlich zu gefallen. Die Qualitäten von Dope Stars Inc. haben sich über die Jahre hinweg hörbar verbessert und nicht zuletzt aus diesem Grund machte sich Erleichterung breit, als gegen Ende der Show einige Leute mehr anwesend waren und gebührlich Applaus zollten.
Während der kurzen Pause füllte sich das Grünspan. Die Schmuse-Düsterrocker von Lacrimas Profundere konnten sich über ein beschauliches Publikum freuen und legten auch gleich gut gelaunt los. Mit seiner tiefen, sanften Stimme jagte Sänger Rob Vitacca nicht nur den weiblichen Fans einen wohligen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Schon seit längerem hatte Rob seinen Vorgänger Christopher am Mikro ersetzt und erfüllte seinen Job bis dato mehr als gut. Und auch an diesem Abend wurde das Publikum nicht enttäuscht. Sorry, aber da weint sicher keiner mehr dem alten nach. Auch optisch fügte sich Rob perfekt in das Bandbild ein. Alte Songs beherrschte er ebenso perfekt wie die neuen, die mit ihm aufgenommen wurden. Kein Wunder dass der gefüllte Raum mal andächtig lauschte und mal mitfeierte – je nach Stimmung der Songs. Eine greifbare Atmosphäre breitete sich aus und spätestens jetzt waren alle in der richtigen düstermelancholischen Konzertstimmung.
Doch die Melancholie fand ein jähres Ende, als es Zeit für den folgenden Auftritt der Deathstars wurde. Die krawalligen Schweden betraten unter großem Jubel die Bühne. Es schien als wären die meisten Anwesenden hauptsächlich wegen diesen fünf Jungs erschienen. Und sogleich bretterten die Gitarren los. Auch dieses Mal verstanden sich die Deathstars darauf ihr Publikum gekonnt zu unterhalten. Während Cat Casino die Bühne und das Rampenlicht genoss und stets neue fotogene Posen einnahm, heizte Whiplasher die Menge mit seinen frech anzüglichen Sprüchen auf. Im Gegensatz zu dem letzten Auftritt in Hamburg war dies ein großartiger Genuss. Guter Sound, gute Performance und Whiplasher in ebenso guter Kondition – endlich mal wieder! Das waren die Deathstars wie man sie kannte und liebte. Hits wie „Blitzkrieg Boom“, „Cyanide“ als auch Stücke des neuen Albums wie „Night Electric Night“ prasselten auf das erfreute Publikum nieder, das kaum genug bekommen konnte, nieder. Voller Energie und schweißgebadet rockten Deathstars das Grünspan nieder.
Zum Glück tobte sich die Menge zu den harten Gitarrenriffs ordentlich aus, denn den Abschluss bildeten Diary Of Dreams, die zu den Deathstars starkes Kontrastprogramm bildeten. Zwar hatten alle Band die Düsternis gemeinsam, doch im Fall von Diary Of Dreams handelte es sich mehr um langsame, nachdenklich und melancholische Songs. Auf die Mütze gab es hierbei nicht viel, außer qualitativ hochwertigen Düsterrock dem man gerne lauschte und darin versinken konnte. Zu Beginn hatte man sich vielleicht gefragt, warum die als Headliner angekündigten Deathstars nicht zuletzt spielten, doch im Laufe des Konzertes wurde es immer klarer. Dies war ein perfekter Spannungsbogen für das Into Darkness Festival und Diary Of Dreams bildeten einen durchaus angenehmen und passenden Ausklang. Von „The Wedding“ über „Oblivion“ bis hin zu „King Of Nowhere“ zogen Diary Of Dreams in ihren Bann.
Nach diesem sanften und eindrücklichen Auftritt verließen die Gäste in bittersüßer Stimmung das Grünspan und strömten hinaus in die noch milde Nacht, die bald in einen kalten und düsteren Winter übergehen wird. Hinaus mit euch… hinaus Into Darkness…