Isobel Campbell & Mark Lanegan

Hawk-Tour 2010

08.12.2010 Centralstation / Darmstadt

Von: Pascal Kraus

Isobel Campbell & Mark Lanegan Darmstadt

In einer winterlichen verschneiten Dezembernacht schickt sich ein Urgestein der alternativen Rockmusik an, kleine Flammen in unseren Herzen zu entzünden und zu wärmen. Mark Lanegan. Der ehemalige Sänger der Screaming Trees war mit seiner Band bei den Pionieren einer Musikszene rund um die Stadt Seattle, im Nordwesten Amerikas Anfang der Neunziger. Gemeinsam mit Gruppen wie Alice In Chains und Pearl Jam spielte man erfolgreiche Clubgigs und bereitete den Nährboden für die nächste große rockmusikalische Revolution. Die Screaming Trees sind mittlerweile Geschichte und Mark Lanegan jedoch erweist sich bis heute als Hans Dampf in allen Gassen, von seinen frühen Solowerken (z.B. "Whiskey For The Holy Ghost") über Gastperformances bei den "Seattle All Stars" Mad Season um Layne Stayley (+), seiner eigenen sogenannten Mark Lanegan Band, bis hin zu diversen Beiträgen auf den Platten der Queens Of The Stone Age.

Auf einem Konzert der Queens lernte er auch seine heutige Duettpartnerin Isobel Campbell kennen. Diese ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt in der Musikszene, so stand sie doch bis 2002 bei der schottischen Indie Pop Formation Belle And Sebastian am Mikro. Seit ihrem ersten Album "Ballad Of The Broken Seas" (2006) wird das vordergründig ungleiche Paar schon mal mit Duos wie Nancy Sinatra / Lee Hazlewood verglichen und auf ihrem nunmehr schon dritten Longplayer "Hawk" brauen uns die beiden Seelengeschwister eine dampfende Suppe aus Folk, Country, Blues, Gospel und gewürzt mit einer Prise ursprünglichem Soul. Campbell komponierte auf allen drei Alben des Duos die Songs, sorgte für die Arrangements und die Produktion. Mit dem aktuellen Werk "Hawk" sind sie heute mit vierköpfiger Begleitband zu Gast in der Darmstädter Centralstation. Dass die teilbestuhlte Halle leider nur größtenteils auf den Sitzreihen besetzt ist, scheint mutmaßlich den sich draußen stetig türmenden Schneemassen an diesem Abend geschuldet zu sein.

Die Band spielt sich virtuos durch das fast ausschließlich balladeske Songmaterial. Die düsteren Folk- und Americana-Stücke dieser Kollaboration stecken voller Melancholie und eine kammermusikalische Atmosphäre breitet sich aus. Die blonde Campbell wiegt sich elfengleich zum Takt der traurig-romantischen Songs und ihre helle, meist flüsternde Stimme geht eine wilde Vermählung mit dem beeindruckenden brummigen Bariton Mark Lanegans ein. Die voluminöse Stimme ist live wahrlich raumgreifend. Lanegan steht den gesamten Abend, komplett in Schwarz gekleidet, stoisch hinter seinem Mikroständer und umklammert diesen mit seinen kräftigen tätowierten Händen. Selten ist der Hüne irgendwie in Bewegung und verlässt bei den wenigen Songs ohne seine Beteiligung die Bühne, um im Backstagebereich zu verschwinden. Seine Partnerin ist ebenfalls nicht gerade das Synonym für Temperament und blickt den ganzen Abend lang mit trauriger Miene, scheinbar schüchtern, über die Sitzreihen unter ihr hinweg. Bei einigen Songs begleitet sich Isobel Campbell auf dem Cello und greift sonst auch immer mal zu diversen Percussioninstrumenten.

Die Lieder kommen im semiakustischen Gewand daher und werden für ein paar Male von einer druckvollen elektrischen Gitarrenarbeit durchpflügt. So auch beim bluesrockenden Stampfer "Get Behind Me", bei dem Lanegan seine groben Gesangsparts von tief unten aus seiner Kehle zu holen scheint und sie trocken in den dunklen Raum transportiert. Mit "Time Of The Season" präsentieren sie sogar ein zur Jahreszeit passendes, betörendes Weihnachtslied. Heute abend werden nicht nur Songs von "Hawk" intoniert, sondern zum Beispiel auch das intensive "The Circus Is Leaving Town" vom Debüt, dessen Titelstück "Ballad Of Broken Seas" und ein starkes "Back Burner" von der zweiten Platte. Eine schöne Mischung also.

Im Anschluss an das Konzert habe ich dann noch die Gelegenheit mir am Ausgang von Mark Lanegan persönlich eine CD signieren zu lassen und kurz ein paar Worte zu wechseln. Die vielseitige Bedeutung von "Hawk" hat Isobel Campbell unlängst so erklärt: "In der indianischen Folklore sind Habichte (Hawk) Visionäre und Beobachter, Habicht Medizin vereinigt Himmel und Erde, Habichte vermählen sich lebenslang...". Auf eine solch feste Bindung kann man im Falle von Campbell & Lanegan nur hoffen und treffender ist diese Musik eigentlich auch nicht zu beschreiben.

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