Lights Out London Tour 2011 - Support: Attack! Attack!
"Lights Out London", so nennt sich das brandaktuelle Album von Itchy Poopzkid. Im Rahmen der gleichnamigen Tour durchqueren die drei Jungs in neuer Besetzung an den Drums gerade das Land. Heute machen sie Halt in Hannovers Faust, mitten im Herzen der alternativen Szene der Stadt. Die Band wird mit dem schönsten Wetter empfangen, was sich um diese Jahreszeit in unseren Breitengraden darbieten kann, das perfekte Wetter also, um sich die Faust mal von innen anzuschauen und sich Hannovers lokale Braukunst schmecken zu lassen.
Schon vor dem Konzert verraten die Kennzeichen der Autos auf dem Parkplatz vor der Faust, dass die Fans keinen weiten Weg scheuen um die Band nach langer Zeit mal wieder auf Tour erleben zu dürfen. Den weitesten Weg haben jedoch definitiv Attack! Attack! aus dem UK hinter sich, um Itchy Poopzkid begleiten zu dürfen. Und die vier Jungs machen einen sehr guten Job, selten erlebt man eine Vorband, die auf so hohem musikalischen Niveau agiert. Zudem wissen sie auch, wie man mit dem für sie fremden Publikum umzugehen hat, um den Platz vor der Bühne zu füllen und eine gute Stimmung zu verbreiten. Die Band kommt erstaunlich gut an, einige Fans können ein paar Songs mitsingen, was die Band noch mehr zu freuen scheint. Die Jungs scheuen sich nicht, das ein oder andere deutsche Wort in die Runde zu werfen, aber glücklicherweise bleiben sie bei dem, was sie vermutlich am besten können: Musik machen. Und die klingt nach sehr viel, sehr ehrlichem Punkrock, mit der kleinen, aber bei einer englischen Band notwendigerweise erwarteten Portion Indie. Ein paar amerikanische Einflüsse aus der Rock n’ Roll Szene lassen sich auch heraushören. Alles in allem ein Spektakel, welches man sich als Fan guter Musik nicht entgehen lassen sollte.
Trotzdem kann man bereits jetzt schon überdurchschnittlich viele Itchy Poopzkid Fanshirts unter dem Publikum erkennen, dennoch lassen sich auch Fans ganz anderer Richtungen wie Hardcore oder Metal erkennen, zumindest ihrem äußerlichen Anschein nach. Gespannt sind sicherlich auch alle Fans auf den ersten Liveauftritt des neuen Drummers Max, der seit Anfang des Jahres den Platz von Saikov eingenommen hat. Für ihn steht also eine Art Feuerprobe an, doch gleich nach den ersten Takten am Schlagzeug wird klar, dass diese wohl locker als Bestanden angesehen und zu den noch jungen Akten gelegt werden darf. Die Band wird also wie immer mit einem tosenden Applaus begrüßt, dazwischen ein paar Sprechchöre die lauthals den Bandnamen zum Besten geben und das unüberhörbare Gekreische direkt aus der ersten Reihe. Besonders, sagen wir mal, redebedürftig präsentiert sich auch Panzer, der damit seine Bandkollegen etwas zu ärgern scheint, die Fans jedoch freuen sich über die ausschweifenden Ansagen des Bassisten.
Neben den typischen Itchy Poopzkid Songs wie "You Don’t Bring Me Down" und "Silence Is Killing Me" covert die Band "I Wanna Be Sedated" von den Ramones, und als besondere Showeinlage traut sich Max an die Gitarre. Keine schlechte Idee, der Song klingt gut und kommt gut an. Run DMCs "Tricky" gehört ja mittlerweile zum Standardrepertoire der Band, zumal sich der Song mittlerweile auf dem neuen Album verewigt hat. Diesmal stellt er den Beginn der Zugabe dar, allerdings spielen auch hier nicht die Musiker selbst, sie konzentrieren sich ganz auf den Sprechgesang, während die Backliner die Instrumente übernehmen. Unbedingt zu erwähnen wäre auch, wo wir gerade bei mehr oder weniger unvorhersehbaren Ereignissen seitens der Playlist sind, der Minnegesang von Tourmanager Jojo. Für den Hauch eines Momentes entführt er uns und die Band, kurz bevor diese verständlicherweise in lautes Gelächter ausbricht, in eine mittelalterliche katholische Kathedrale. Besonders schön ist auch mal wieder der Solopart von Panzer mit dem Song "Against The Wall", bei dem er sich selbst mit einer Gitarre begleitet und nachdem die Aufforderung an die Fans kam, ihn mit Feuerzeugen visuell zu unterstützen, ein unmissverständliches "Ist das ein Handy? Ich glaube es hackt!" folgt, fällt das ganze Publikum in eine angenehm melancholische Stimmung.
Natürlich kann man so kein Konzert beenden, weshalb die anderen beiden nach dem Song die Bühne stürmen und noch ein paar Songs spielen. Mit gewohnt vielen ewigen Bedankungen geht die Band schließlich von der Bühne. Und nun der abschließende Kommentar: Die Band ist tiptop in Form, vor allem musikalisch und stimmungsmäßig. Max macht seinen Job sehr gut, vor allem fällt auf, wie viel er mit seinen Bandkollegen quatscht und lacht, sehr sympathisch. Nicht zu vergessen, zu guter Letzt, ein riesengroßes Danke an die Arbeit der Leute von der Tierschutzorganisation WDCS, die hervorragende Aufklärungsarbeit leisten und den ganzen Abend Rede und Antwort gestanden haben. Ein schöner Mittwochabend, den man in Hannover nicht besser hätte verbringen können!