Dead Serious Tour 2009 - Support: Julia
Endlich ist es soweit, Itchy Poopzkid können ihr Versprechen den Fans gegenüber einlösen und den krankheitsbedingten Ausfall ihres Köln-Konzertes vom Februar diesen Jahres wieder gutmachen. Ihre "Dead Serious" Tour steht ganz im Zeichen ihres kürzlich veröffentlichten, gleichnamigen Albums. Insgesamt gaben sie bisher über 500 Konzerte in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz und fanden diesmal sogar einige ausverkaufte Konzerthallen vor.
Bereits die lange Schlange vor dem Luxor macht einem unmissverständlich klar, dass hier wohl einige Menschen ihre Osterferien nutzen wollen um Itchy Poopzkid live zu erleben - und tatsächlich, das Konzert ist ebenfalls ausverkauft. Eine Tatsache, die sich die drei Jungs aus Eislingen in der letzten Zeit öfter gefallen lassen konnten.
Als Vorband haben "Julia" gezeigt, dass durchaus auch unsere österreichischen Nachbarn in der Lage sind, ordentliche Konzerte zu geben. Und obwohl der Sound ein wenig an eine Mischung aus System Of A Down und Billy Talent erinnert, bringt der spezielle Akzent eine durchaus sympathische Note in die Songs. Vielleicht ist hier anzumerken, dass der Drummer kurzfristig nicht am Konzert teilnehmen konnte und deswegen ein Freund eingesprungen ist, der seine Aufgabe aber äußerst gut gemeistert hat. Es gelingt ihnen, diese Art "Vorbandstimmung" zu lösen, wofür sie vom Kölner Publikum durch eine Menge Applaus belohnt werden.
Um ca. 22 Uhr ist es dann soweit, das Licht geht aus, die Meute fängt an zu klatschen und zu pfeifen und es beginnt das typische Itchy Poopzkid–Intro, was manch einem eventuell aus dem "Warsteiner" Werbespot bekannt vorkommen mag. Nur dass man hier nicht nur Lust auf Bier, sondern auch auf die Band bekommt. Unmittelbar nach dem Intro fällt der Lichtvorhang, man sieht drei Gestalten auf der Bühne wild herumrocken und kriegt eine ordentliche Portion Punkrock um die Ohren gehauen. Nach dem Lied stellt sich die Band vor, es wird sich bedankt, dass so viele Leute erschienen sind, was irgendwie einen niedlichen Charakter nach sich zieht, denn wie gesagt, das Konzert ist ausverkauft und draußen vorm Luxor versuchen Fans immer noch, offenbar erfolglos, eine Karte zu ergattern. Trotzdem oder gerade deswegen geht es gut gelaunt weiter mit Songs wie "Pretty Me" und "Say No". Die Stimmung kocht und es sind gefühlte 80°C im Luxor.
Zudem ist zu erwähnen, dass die Crew von Itchy Poopzkid heute ein wenig ausgewechselt wurde. Die PA hat Achim Lindermeir übernommen, der auch schon einige Studioaufnahmen der Band über sich hat ergehen lassen müssen. Und an dieser Stelle ist auch ein Lob auszusprechen, der Sound wird in der gewohnten Itchy Poopzkid Qualität überliefert, auch wenn Sibbi, der Gitarrist, zwischendurch mit seinem Mikrophon zu kämpfen hat. Mit den Worten "Von technischen Problemen lassen wir uns aber nicht unterkriegen, oder?" geht es dann weiterÂ…
Traditionell wird mal wieder eine Wall Of Death eingestimmt, und die wird vom Kölner Publikum sehr gerne angenommen. Insgesamt ist es sehr stimmungsfreudig, vielleicht weil gerade Ferien sind oder einfach weil die Kölner so gerne feiern. Und wo Kölner feiern, da darf auch "Viva Colonia" von den Höhnern nicht fehlen, obwohl laut einer Umfrage von Sibbi sich auch eine Handvoll Düsseldorfer im Konzersaal befinden. Doch wo man sich trifft um Itchy Poopzkid zu erleben, da wird der Lokalpatriotismus zurückgestellt. Durch die Frage "Wer von euch muss morgen arbeiten?" entflammt eine Diskussion über Frauen- und Männerberufe und darüber, ob männliche Erzieher trotzdem Erzieherinnen genannt werden oder nicht, und überhaupt. Aber irgendwie will sich keine seriöse Antwort finden lassen, andererseits wird das ja auch nicht erwartet. Denn wir haben uns ja zum Musikmachen und –hören zusammengefunden, und nicht zum Reden. Die lustigen Ansagen und Dialoge zwischen den Songs gehören aber zu Itchy Poopzkid wie die Butter aufs Brot, und auf irgendwas muss man sich ja verlassen können in Zeiten der Weltwirtschaftskrise.
Zum ersten Mal bei einer Tour haben nicht nur die Sänger Sibbi und Panzer ein Mikrophon vor dem Gesicht, sondern auch Saikov, der Drummer. Die groß von Panzer angekündigte Rede zum Abend beläuft sich dann schließlich auf ein kurzes "Nabend!", aber dieses weise Wort wird mit einem großzügigen Applaus vom Publikum belohnt. Ab jetzt bleibt das Mikrophon unangetastet, was aber nicht weiter schlimm ist, denn Saikov kann nun wenigstens den Abend damit verbringen, was er am besten kann und das ist nun mal Schlagzeugspielen. Eine weitere Premiere ist das Lied "Drogenfrau", was zum ersten Mal live aufgeführt wird. Keine schlechte Idee, findet auch das Kölner Publikum. Man kann nur hoffen, dass es jetzt einen festen Platz in der Setliste findet.
Ein weiteres Highlight ist, schon seit je her, dass Panzer, allein auf der Bühne, nur mit einer Gitarre und seiner Stimme bewaffnet, dem Publikum das Lied "Against The Wall" vorspielt. Ein melancholischer Song, der jedoch authentisch rüberkommt. Da macht es auch nichts, wenn Panzer sich kurz verspielt, ein sympathisches Lächeln scheint alles wieder in Ordnung zu bringen. Nachdem seine Bandkollegen wieder die Bühne erklimmen, geht es punkrockmäßig weiter, zum Beispiel mit "21 Years". Zwischen den Liedern sind neben den Ansagen von Panzer und Sibbi immer wieder vereinzelte "One Day" Rufe zu hören, ein Lied, welches den Fans bekannt sein dürfte, denen es gegönnt ist, die längst vergriffene Live-CD "Fuck upsÂ…live" ihr eigen nennen zu dürfen.
Die enorme Osterhitze macht sich irgendwie immer weiter im Luxor breit und führt dazu, dass wirklich kein Auge, geschweige denn T-Shirt trocken bleibt. Wen es da noch zusätzlich in den Pogopit zieht, der darf sich nicht über geschätzte 80% Fremdschweißanteil im T-Shirt wundern. Die Stimmung hat jedoch keine Zeit abzufallen, immer wieder werden die Fans mit lustigen Ansagen oder spontanen Cover-Songs wie "Tricky" von Run DMC überrascht. Obwohl das Durchschnittsalter die 18 längst unterschreitet, kann man vereinzelt auch mal ein paar Altrocker im Publikum erkennen, eine willkommene Abwechslung!
Als Zugabe wird dann unter anderem die allererste Single "Silence Is Killing Me" rausgehauen. Am Ende der drei Lieder zur Zugabe ist es dann Sibbi, den es ins Publikum zieht und dieses trägt ihn sprichwörtlich auf Händen. Einmal durch den Pit und wieder zurück auf die Bühne, bevor es dann das finale Gitarren-, Schlagzeug-, und Basssolo gibt. Das Publikum ist begeistert und so sind es die Musiker. Man merkt schnell, dass es den drei Jungs aus Eislingen an der Fils nicht ums Geldverdienen und Berühmtwerden geht, sondern ums Musikmachen und genau dieses Gefühl bringen sie auf der Bühne rüber.
Nach dem Konzert lassen sie sich nicht lumpen auch noch den direkten Kontakt mit den Fans zu pflegen, sie geben fleißig Autogramme und stehen Modell für Fotos, so dass kein Wunsch unerfüllt bleibt. Dafür ein großes DANKE an Euch!