Tour 2011
Folktronic – Wieder mal ein Subgenre, bei dem man zunächst überlegen muss, um was es sich dabei genau handeln könnte. Dabei liegt es quasi auf der Hand. Eine Mischung aus Folk und Elektro. Ah ja. Vergisst man mal die ganzen Kategorisierungen, die zahlreichen Schubladen, in die Bands und Künstler zu gern gesteckt werden, trifft man bei James Yuill auf einen Singer und Songwriter, der Akkustikgitarre und elektronische Beats so gekonnt miteinander vermischt, dass es ihm in den letzten Jahren nationale und internationale Aufmerksamkeit einbrachte. Heute beweist der sympathische Londoner in Hamburg einmal mehr, dass ihm diese zahlreichen guten Kritiken vollkommen zu Recht gebühren.
Das gemütliche Indra füllt sich schnell mit Partywütigen, die vereinzelt auch schon der Aufforderung der DJs nachkommen und unter anderem zu Little Comets, Chikinki oder The Kills das Tanzbein schwingen. Die Stimmung ist wunderbar ausgelassen, die Spannung und Vorfreude, mit der James erwartet wird, erfüllt den ganzen Raum und findet schließlich seinen Höhepunkt, als der Brite adrett gekleidet mit Hemd und Krawatte die Bühne betritt und das Publikum mit einem charmanten Lächeln im Gesicht begrüßt. Natürlich ist auch der Blondschopf akkurat gescheitelt und die Hornbrille sitzt fest auf der Nase.
Bereits mit dem ersten Song hat er die Zuschauer gekonnt auf seine Seite gezogen. Elektro und Folk geben sich die Hand und verschmelzen perfekt zu einem Gesamtkunstwerk. Mit seiner sanften Stimme und den harmonischen Gitarrenklängen kombiniert mit den elektronischen Beats spielt er sich direkt in die Herzen des Publikums. Kleine Kameras filmen James oder sein Treiben an den Reglern, was direkt auf eine Leinwand projiziert wird, auf der zusätzlich bunte Visuals erscheinen. In Kombination mit dem Lichtarragement fügt sich alles schließlich zu einen ausgeklügelten Gesamtbild. Dann erscheint auf der Leinwand ein animierter Luftballon, der uns mit auf eine Reise nimmt, eine Reise durch London, über Wiesen, an Strände, auf die Weiten des Ozeans hinaus. Zu gerne lässt man sich auf diese Reise mitnehmen, versinkt in den wohlklingenden Melodien und fühlt sich von der charmanten Art James’ fast schon geschmeichelt.
Und auf der Leinwand? Da regnet es mittlerweile. Von trüber Regenstimmung ist im Publikum jedoch keine Spur. Dieses ist immer noch mit vollem Enthusiasmus dabei, tanzt eifrig zu den harmonischen Songs und belohnt den Londoner mit dem gebührenden Applaus. Der zeigt sich äußerst kommunikativ, ist gern für den ein oder anderen Witz zu haben und unterhält das Publikum schließlich nicht nur mit seiner wundervollen Musik sondern ebenso mit seiner charmanten und humorvollen Art. Insgesamt eine Stunde fliegt der sympathische Brite sowohl musikalisch als auch visuell durch seine kleine Welt, animiert die Zuschauer dazu, ihn zu begleiten. Und diese folgen ihm bedingungslos. Am Ende bleiben schließlich kaum noch Wünsche offen, außer vielleicht, den Blondschopf mit seiner Hornbrille bald wieder auf eine Reise begleiten zu dürfen.