Jamie Lidell

Tour 2006

18.09.2006 Gloria Theater / Köln

Von: Dominik Korz

Jamie Lidell Köln

Jamie Lidell gab sich am 18.09.06, anlässlich seines Geburtstages die Ehre mit Freunden zu feiern. Ich denke, gemeint waren seine Mitstreiter Gonzales, Mocky und Snax. Aber auch wir fühlten uns als solche und gaben einiges um Herrn Lidell den Abend so angenehm wie möglich zu gestalten. Snax war es vorbehalten den Abend um 20 Uhr zu eröffnen. Ich kannte ihn vorher nicht, und so dauerte es auch mal zumindest drei Songs bis ich den Draht zu seiner Performance gefunden hatte. Musikalisch ist er ein Allroundtalent. Er wechselte mühelos zwischen Keyboard, Synthesizer, Klavier und Gesang. Schrill, schwul und quitschfidel hampelte Snax mit wehender Lockenpracht, taillierter Hose und bauchfreiem Shirt durchs Spotlight. Seine Stimme wechselte zwischen sonor und schrill wie beim artist formally known as... und dann doch wieder Prince. Er stand auch manchmal da wie ein Lovesymbol. Der Zuschauer bekam nichts furchtbar Neues serviert, ein gutes Warm-Up aber allemal!

Um 21 Uhr kamen die Herren Lidell, Mocky und Gonzales auf die Bühne. Jubelnde Fans empfingen sie mit Happy Birthday-Rufen. Mocky sprang hinter die Drums, Gonzales ans Klavier und dann ging es los. Jamie Lidell´s Stimme durchflutete den Raum, dass es einem unheimlich vorkommen musste. Seit dem Soma-Festival 2005 bin ich vorgewarnt, denn dort hab ich ihn das erste Mal singen hören (dürfen), und es hat mich fast umgehauen. Das ist zwar jetzt locker daherfragt, aber mastern musste man die Alben „Multiply“ und „Multiply Additions“ doch nicht oder? Früher hat Lidell sich vorwiegend mit elektronischen Frickeleien, DJ-Sets und Producing beschäftigt; der Lidell von heute kann das zwar immer noch, singt aber rauher, tiefer, klarer, sanfter als irgendwer sonst. Wer´s nicht glaubt, Soul und Funk aber gern hat, sollte unbedingt mal zu einer Live-Show gehen. Die 20 Euro sind da bestimmt besser angelegt, als beim üblichen Disco-Standard oder Kneipenhopping.

Lidell versteht es mit seiner Stimme live alles notwendige für einen coolen Song aufzunehmen um daraus dann „on the fly“ einen Soundteppich zu weben, zudem er zuletzt nur noch singt. Einfach schön wenn man das kann! Zu alle dem sind die Klavierkünste von Gonzales atemberaubend und Mocky an den Drums mehr als solide. Gegen Ende kam Snax dann doch noch einmal auf die Bühne, um die drei am Synthesizer zu unterstützen. Die Glitzerkostüme von Lidell und Snax funkelten stilecht zum Takt und die Sound- und Lichtanlage im Gloria ist wie für einen solchen Auftritt gemacht. Nach drei Zugaben und insgesamt anderthalb Stunden Show, verabschiedeten sie sich endgültig und hinterließen super gelaunte Menschen. Am tosenden Beifall darf man vermuten, dass die meisten es kaum bereut haben, sich am nächsten Morgen gerädert zur Arbeit zu schleppen.

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