Rock Dust Light Star Tour 2011 - Support: Penguin Prison
Ein Gute-Laune-Konzert zum Freitagabend - was will man mehr, um das Wochenende gebührlich einläuten zu lassen? Bei stürmischen Windböen und erneut um sich greifendem Kälteeinbruch schaffen es doch fast 8.000 Zuschauer zur o2 World in Berlin, um sich die "Rock Dust Light Star"-Tour der aus der langjährigen Versenkung aufgetauchten Jamiroquai anzusehen.
Im Vorfeld sorgt der Supportact Penguin Prison aus New York von der ersten Sekunde an für Tanzlaune. Der Innenraum ist bereits gut gefüllt, die Sitzplätze noch etwas spärlich... doch wer möchte bei dieser Musik schon sitzen?? Der poppige und funky Beat mit klaren Gesangsparts besticht mit exzellenter Soundqualität und das Publikum gerät sofort in Bewegung. Das Bandlogo, ein Doppel-P, prangt ganz schlicht in Schwarz auf Weiß links und rechts der Bühne. Minimal Chic eben! Ich hatte völlig vergessen von welcher gewaltigen Qualität solch große Konzertveranstaltungen in einer Venue wie der o2 World doch sein können! In der ersten Reihe fällt bereits ein Fan mit Indianerkopfschmuck auf. Wie bei einem kleinen Live-Suchbild findet man immer wieder ausgefallene Kopfbedeckungen in der Menge wenn man genauer hinsieht. Um 20:25 Uhr, exakt 25 Minuten nachdem sie die Bühne betreten und die Zuschauer erobert haben, ist Penguin Prison's Zeit auch schon wieder abgelaufen und die Stage wird für Jamiroquai herausgeputzt. Dies schaft Zeit, um sich weiter umzusehen. Diesen Abend trifft man sämtliche Altersstufen an - vom kleinen Jungen mit dickem Hörschutz, der auf Papas Schultern thront, über Teenager bis hin zu sichtlich jahrzehntelangen Fans. Ein aufgeregtes Gemurmel übertönt die leise Hintergrundmusik.
Um 20:55 Uhr wird die Menge, die nun wahrlich lange genug für einen Freitagabend still stand, ungeduldig und versucht den Umbauprozess durch Pfiffe zu beschleunigen. Was natürlich keinerlei Wirkung zeigt. Jamiroquai lassen sich dadurch nicht drängen und der Zeitplan wird streng eingehalten. Kurz vor 21:00 Uhr wird die Anlage lauter gedreht, was das Nahen des Auftritts ankündigt. Dann betreten kurz darauf Jamiroquai unter lautem Jubel das Rampenlicht. Der Sturm der zuvor draußen wütete, scheint sich plötzlich nach innen verlegt zu haben. Jay Kay scheint kaum gealtert zu sein, noch sich in irgendeiner anderen Art und Weise geändert zu haben. Lediglich sein Hut ist dezenter als gewohnt.
Als ersten Song wird dem tobenden Publikum auch gleich das Tournamen- und Albumnamengebende "Rock Dust Light Star" um die Ohren geknallt. Drei Backgroundsängerinnen unterstützen Jay Kay dabei, auch wenn Unterstützung nicht notwendig ist. Jay Kay hat nichts verlernt. Stimmgewaltig überzeugt er und es gibt keinen Zweifel: er ist und bleibt der unverkennbare Sänger mit dem einzigartigen Tanzstil und er ist zurück! Nach "Mein Vein" folgt eines der wahrscheinlich bekanntesten Stücke mit "Cosmic Girl" und die Halle, die nun doch gut gefüllt ist, bebt. Bei jedem seiner gekonnten Tanzmoves erntet Jay Kay Applaus. Keine Spur von eingerostet sein! Im Gegenteil. Mit Anlauf nimmt er die Rampe vor dem Schlagzeug in Angriff und springt hoch in die Luft. Auch die Stimmung ist on top. Dazu wird noch das Sonnensystem, das in Riesenkugeln über Bühne und den ersten Reihen hängt, rot beleuchtet und fällt nun erst richtig auf. Tosender Applaus folgt und Jay Kay kündigt "Smoke & Mirror" des neuen Albums an. Man denkt ja immer er würde planlos umherspringen, doch jeder Move, jede Drehung und jeder Sprung endet just in time zu seinem Einsatz am Mikro. Zum siebten Song "Little L" beginnen auch die Leute auf den Sitzplätzen aufzustehen und zu tanzen und bei "Canned Heat" beweisen die drei Bläser linkerseits und die drei Backgroundsängerinnen was sie können. Ein düster dröhnendes Intro erklingt plötzlich und jeder der das Musikvideo oder den Soundtrack zu "Godzilla" kennt, weiß sofort, dass nun "Deeper Underground" an der Reihe ist. Doch das Monster bleibt zum Glück fern!
Sobald Jay Kay den Kopf ein wenig senkt, erweckte er den Eindruck, er sei mit seinem Poncho mit den Fransen einem Western entsprungen. "Spacecowboy" macht diesen Eindruck noch perfekt. Danach wird die Geschwindigkeit gedrosselt und "Love Fool" erklingt in einer stimmungsvollen soften Variante mit Gitarre, Rassel und Gesang. Perfekte Vocs von Jay Kay schaffen eine verzauberte Atmosphäre. Kaum ist der letzte Ton verklungen, wird wieder aufgedreht und der Song ertönt erneut mit voller musikalischer Begleitung. Bei Jay Kays halsbrecherischem Körpereinsatz denkt man mehr als einmal, er würde gleich über die eigenen Füße stolpern, aber Perfektionist Jay Kay besitzt die volle Kontrolle über seinen Körper, als auch über das Publikum. Zu "Travelling Without Moving" wird auf die gigantische Leinwand im Bühnenhintergrund eine von Jay Kays größten Leidenschaften projiziert: schnelle Autos! Das treibt auch die Masse automatisch dazu an schneller zu tanzen. Dann lässt er sich vor "Alright" Mädels aus dem Publikum reichen, die zu dem Song auf der Bühne umhertänzeln dürfen.
Danach, die Uhr zeigt 22:45 Uhr, verlässt die Band das erste Mal die Bühne. Als man denkt, der Applaus, das Getrampel und die Pfiffe die mehr als nur um Zugabe bitten, können nicht mehr lauter werden, erscheint die Band wieder und man wird eines besseren belehrt. Es geht sehr wohl noch lauter. Jay Kay wringt ekelhafterweise ein unglaublich nasses Handtuch aus. Ob er das triefende Teil noch in die Menge wirft entgeht mir allerdings. Lediglich ein einziger Song "White Knuckle Ride" ist den Fans vergönnt und um 22:55 Uhr geht ein fantastisches Konzert endgültig zu Ende. Ob ihn zu guterletzt doch noch das Alter eingeholt hat? Doch zwei Stunden energiegeladener Show sprechen für Jamiroquai. Den einzigen Wermutstropfen stellt das Fehlen des Didgeridoos sowie ein paar Klassiker dar. Doch ansonsten gibt es nichts zu bemängeln - die beste Art eine stressige Woche zu vergessen und das Wochenende einzuläuten!