Jason Mraz

Tour 2008 - Support: Berge

10.07.2008 Luxor / Köln

Von: Sascha Knapek

Jason Mraz  Köln

Manchmal freut man sich Wochen auf ein bestimmtes Konzert, manchmal Monate. Und manchmal wartet man etliche Jahre darauf eine bestimmte Band oder einen bestimmten Musiker endlich einmal live sehen zu können. Besonders bei Acts aus Übersee, die damit beschäftigt sind erst einmal in ihrem Heimatland einen Fuß auf die Erde zu bekommen, kann das schon mal eine Weile dauern und die Wartezeit in die Jahre gehen. Groß war meine Freude auf Jason Mraz und sein Konzert in Köln am 10. Juli. Umso größer dann allerdings die anschließende Enttäuschung. Aber eins nach dem anderen.

Seit Wochen ist das Kölner Luxor ausverkauft, und da für den Herbst bereits größere Hallen für Mraz gebucht sind, wurde das Konzert auch trotz der riesigen Nachfrage nicht verlegt. So weit, so gut. Beim Betreten der Lokalität erblickt man dann Glitzerkleidchen, hochgegelte Fashionfrisuren, Mraz-Hütchen-Imitate und weitere prägende Styleausflüge, des etwas befremdlichen Publikumsquerschnitts im Luxor. Der kleine Schock den ich dann vor dem Set von Jason Mraz erfahre, besteht gut 45 Minuten später nicht nur aus der absolut nervtötenden Überbrückungsmusik à la Wham, sondern vor allem aus einem Blick auf die Bühne und dem Anblick eines Schlagzeugs, eines E-Basses und eines Keyboards. Im Interview mit uns (das ihr hier findet) erzählte Jason noch, dass er bei dieser Tour nur einen Teil seiner Band dabei haben würde. Ich schloss daraus, dass nur er und sein Haus- und Hofpercussionist Toca Rivera am Start sein würden, und es ähnlich zugehen könnte wie auf Jasons selbstvertriebenen Live-CDs. Ein Trugschluss, denn es erwartet einen Jason Mraz mit einer komplett-konventionellen Backingband.

Von Beginn an lässt sich der Troubadour das behäbige Tempo von seiner Rhythmussektion aufdiktieren. Mraz’ sonst tonangebende und großartige Stimme hechelt Bass und Schlagzeug förmlich hinterher und Stücke wie “Live High“, “Love For A Child“ oder “Who Needs Shelter“ geraten dadurch zu behäbigen Komplettreinfällen. Das anders herum ein Schuh daraus wird und gerade Jasons Stimme, seine Akustikgitarre und die subtilen Rivera-Beats den gewissen Mraz-Groove ausmachen, wird an diesem Abend regelrecht auf links gedreht. Toca Rivera wird am Anfang, wie während des fast gesamten Abends, zur musikalischen Randnotiz abgewertet. Der Mann, der sich sonst sein Djembe umschnallt und oft viel mehr als ein kongenialer Sidekick ist, hat an diesem Donnerstagabend nicht viel mehr zu tun als kleine Gesangseinlagen darzubieten und für die Publikumsbelustigung zu sorgen. Schade!

Ob der völlig überladene Megapopper “The Remedy“ – mit einem heutzutage leider so ganz und gar nicht mehr originellen “Wonderwall“-Tag –, das kaum mehr zu erkennende “Summer Breeze“ oder das wie auf Platte daherkommende “If It Kills Me“, wenig Nachhaltiges präsentiert Mraz, während draußen ein übergroßes Gewitter auf alle Anwesenden wartet. Es mutet wie eine Plattitüde an, aber weniger ist bei Jason Mraz einfach mehr. Durch die völlig überflüssige Begleitung von Drums, E-Bass (Ian Sheridan hätte wenigstens den passenderen Stand-Up zupfen können) und Keyboards, gibt Jason Mraz auch live das auf, was ihn vom Rest der Jack Johnsons und Matt Nathansons über die Jahre hinweg abgehoben hat. Der unvergleichbar tolle Groove des Duos Mraz-Rivera weicht dem Rock/Pop-Sound, den man an jeder Ecke findet. Sogar die Übernummer “0% Interest“ wird nicht unter Artenschutz gestellt. Kleine Lichtblicke wie das alte und nur von Jason und Toca vorgetragene “1000 Things“, eine energiegeladene Improvisation in der Setmitte oder das mitreißende “Dynamo Of Volition“ freuen einen zwar, aber um den Abend zum Guten zu wenden, ist das leider viel zu wenig. 95% Prozent der Zuschauer himmeln den aktuellen Mraz an und spätestens beim Radiohit “I’m Yours“ brechen alle Dämme. Trotz seiner Zahmheit reißt der Musiker anno 2008 eine Menge Menschen mit, nur mich leider nicht mehr.

Jason Mraz stand auf seiner Reise in die etablierte Musikwelt irgendwann einmal vor einer Weggabelung. Die breit geteerte und flache Autobahn hieß „belangloser Allerweltspop“ und die hügelige und mit ein paar Schlaglöchern ausgestattete Landstraße „ernstzunehmender Singer/Songwriter“. Spätestens nach diesem Abend ist klar, dass der 31-jährige in näherer Zukunft keine Anstalten macht die bequeme Schnellstraße zu verlassen. Wenn man den Zuspruch des ziemlich homogenen Trend-Publikums, das dadurch randvolle Luxor und den Charterfolg sieht, kann man es Mraz auch fast nicht übel nehmen, dass er sich auch live zu dem entwickelt hat, was seine bis ins kleinste Detail durchproduzierten Studioalben seit Jahren andeuten. Mraz’ Songs, die mich vor sieben Jahren restlos begeisterten, sind neuen, gleichförmigen Stücken gewichen. Die konventionelle Instrumentierung, von der er sich in den ersten Jahren so erfrischend abgehoben hat, ist mittlerweile ein felsenfester Bestandteil seines Schnellstraßenconvoys. Reisende soll man nicht aufhalten. Bon Voyage!

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