Jeanette

Bad Girls Club Tour 2006

04.05.2006 Live Music Hall / Köln

Von: Stefan Bink

Jeanette Köln

Für den Jeanette Auftritt am heutigen Abend in der Kölner Live Music Hall habe ich mir größtmögliche Objektivität vorgenommen und verordnet. Persönlich kenne ich einige ihrer Songs, finde sie optisch recht ansprechend und weiss sie als frühere Soap-Darstellerin einzuordnen. Musikalisch habe ich sie jedoch nie wirklich wahr genommen.

Heute Abend soll auch eine Jeanette Live DVD aufgenommen werden, wofür einige Kameras in der Halle aufgebaut sind. Die Bühne ist in violettes Licht getaucht (und hervorragend ausgeleuchtet, wie mir der fotografierende Cheffe später berichten sollte). Das Publikum ist nahezu in zwei Lager aufgeteilt. Kinder und ihre Erziehungsberechtigten.

Die „Kleinen“ fangen dann auch langsam an Rabbatz zu machen. „Jeanie-Maus – rockt das Haus“ und „Wir woll´n die Jeanie seh´n“ ist als Mädchensprechchor vielleicht nicht Angst einflößend – aber irgendwie süß. Pünktlich fängt ihr Konzert dann nach anhaltend sphärischen Klängen an und die Schreie der ersten 20 Reihen sorgen für eine Sauerstoffversorgung nahe der Hyperventilation.

Im Vorfeld las ich, dass Jeanette sich darauf freut, nun endlich ihre eigene Musik machen zu können. Genau wie sich das eben anhört, darauf war ich gespannt. Ich spare mir an dieser Stelle auf einzelne Songs einzugehen und gebe hier einfach einen Eindruck des Gesamtkonzerts wieder.

Das Set ist klassisch mit Rockstücken und Balladen durchmischt. So weit – so gut. Beim Sound bekomme ich allerdings Probleme. Die Gitarristen schlagen ihre Saiten an, als wenn´s kein Morgen gäbe. Wie Rock hört sich das, was aus den Boxen kommt, jedoch irgendwie nicht an und klingt arg weichgespült. Der Gesang geht zusätzlich in dem Instrumentenbrei unter. Das Ganze hört sich leider gar nicht wie der Ausdruck einer persönlichen Musik an, sondern wirkt auf mich wie auswendig gelernt und „studiotechnisch zusammengezimmert“. Frei nach dem Motto: Hübsche Blondine mit netter Stimme in den Vordergrund. Ein wenig den Vamp durch provokantes Tangazeigen mimen und dem Volk das Ganze dann als sexy Deutsch-Rock verkaufen. Die Songs passen exakt dazu. Ein Riff hier, ein Solo da – hier ein Mitklatsch-Stück und da Mitsing-Refrain. Nichts wurde vergessen, jedoch fehlen den Liedern auch jedwede Überraschungsmomente.

Die Musiker beherrschen durchaus ihr Handwerk und ich respektiere auch die Arbeit, die Jeanette und ihre Crew machen. Ganz sicher hat sie ihre Zielgruppe und die wurde heute auch sicherlich nicht enttäuscht.

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