Kill The Silence - Tour 2011 - Support: Tom Lüneburger
Das Konzert am 24. November im Casino Trier war mal wieder ein Musikabend vom Allerfeinsten. Vielleicht 70 Zuschauer hatten sich in die Location direkt neben das winterliche Ambiente der frisch errichteten Eislaufbahn am Kornmarkt verirrt. Eine gemütliche Atmosphäre. Und jeder, der gekommen ist, sollte dafür reichlich belohnt werden.
Den Anfang macht Tom Lüneburger. Kennt ihr nicht? Den Namen sollte man sich auf jeden Fall merken! Vom Aussehen her wirkt der Berliner sehr unscheinbar. Wie ein junger Kurt Krömer. Und so spielt er auch bei den Ansagen keck mit seiner Berliner Schnauze. Sehr witzig, ein wenig chaotisch – doch dann beginnt er zu singen und man kann nur noch staunen: Was für eine Stimme! Das aktuelle Album heißt "Good Intentions". Mir bislang völlig unbekannt, aber ich kam nicht umhin, es mir nach dem Konzert gleich zuzulegen. Lüneburger liefert wundervolle, gefühlvolle Songs im akustischen Gewand. So steht er auch allein mit seiner Gitarre auf der Bühne und interpretiert die Stücke mit viel Herzblut.
Als Musiker tätig ist er bereits seit Ende der 90er Jahre, damals noch mit der Band MyBalloon. Nach deren Auflösung 2006 machte er alleine weiter – mit stetig wachsendem Erfolg. Das Spiel mit dem Publikum beherrscht er perfekt. Selten habe ich erlebt, dass ein Support die Zuschauer so schnell auf seiner Seite hatte. Vielleicht ist es einfach das Zusammenspiel seines unscheinbaren Aussehens mit den glänzenden stimmlichen Fähigkeiten, das die Leute in seinen Bann zieht. Er erzählt gefühlvolle Geschichten von Mutlosigkeit und Einsamkeit, von Aufbruchsstimmung und Mut. Man möchte ihm stundenlang zuhören und die knapp 40 Minuten Spielzeit sind leider viel zu schnell vorbei. Das nächste Album "Lights" ist für den 20.1.2012 angekündigt. Ich spreche jetzt schon mal meine Empfehlung aus!
Hauptact des Abends waren aber Jenix aus Zittau. Die Band ist bereits seit acht Jahren aktiv. Damals müssen alle so zwischen 15 und 18 gewesen sein, denn auch jetzt steht da noch eine sehr junge Band auf der Bühne und rockt das Casino, was das Zeug hält. Das Quartett ist schon zum dritten Mal in Trier. Einmal waren sie Vorband von Silbermond im Amphitheater – ein Auftritt, den ich in bester Erinnerung habe – und das Casino am Kornmarkt beehren sie nun schon zum zweiten Mal. Der Longplayer, der nach langer Vorarbeit seit Juli 2011 endlich auf dem Markt ist, trägt den Titel "Kill The Silence". Und der Name ist Programm.
Musikalisch liegen Jenix irgendwo zwischen Silbermond und Die Happy, singen ausschließlich auf Englisch (inzwischen auch schon fast ein Alleinstellungsmerkmal) und haben allgemein eine sehr poppige Ausrichtung gefunden. Das führt zu vielen spannenden Uptempo-Stücken, die Jenny Böttcher mit glasklarer, energiegeladener Stimme interpretiert. Jenix haben aber auch einige wundervolle Balladen zu bieten ("Castle In The Air", "Moon") und schaffen eine verträumte Stimmung, wenn es angebracht ist. Ein Wechselbad der Gefühle.
Jenny ist eine äußerst quirlige Frontfrau. Körperlich etwas klein geraten, aber stimmlich und was ihr Charisma anbelangt ganz groß. Sie wirbelt über die Bühne, ist ständig in Bewegung, kommuniziert mit dem Publikum. Da wird mal ein T-Shirt in die Menge geschleudert, der glückliche Fänger muss nach vorne kommen und bekommt den Albumtitel auf den Rücken gesprüht. Jenny gelingt es nach und nach, auch den letzten sich im Sessel fläzenden Zuschauer ganz nah an die Bühne zu bekommen und macht das Event zum großen Happening. Sie tanzt in der Zuschauermenge, bildet einen Mitmach-Chor, den man den wenigen Anwesenden gar nicht zugetraut hätte, lädt zu sportlichen Übungen ein und gibt nicht auf, bis jeder mitmacht.
Jenix sind großartig. Stimmungsmäßig und musikalisch allererste Liga. Das Konzert endet nach 90 Minuten mit einem Duett ("Picture"), für das Tom Lüneburger wieder auf die Bühne kommt. Ein Gänsehaut-Moment. Ich hoffe, wenn Jenix das nächste Mal nach Trier kommen, werden sie das Casino bis auf den letzten Platz füllen. Und sie sollen sich nicht entmutigen lassen. 70 Fans, die voller Begeisterung nach Hause gehen, sind allemal besser als 1000 Desinteressierte, die eigentlich lieber vor dem "Sinnlos-TV" sitzen würden. Jeder, der Jenny und ihre Jungs auf Tour besuchen kommt, wird glücklich nach Hause gehen. So viel steht fest!