Mit Haut und Haar Tour 2011 - Support: Ich kann fliegen
Wenn jemals eine Band wegen ihres Kontaktes mit den Fans gelobt wurde, muss man das alles jetzt mit neuen Maßstäben sehen. Jennifer Rostock setzt die Messlatte ganz weit nach oben. Allein dass die Fans in einer für die Essigfabrik langen und dennoch geordneten Schlange warten mussten, ist nach dem Konzert vergeben und vergessen. Zum Aufwärmen spielt die Vorband “Ich kann fliegen“. Die vier Jungs aus Hannover werden von einem Applaus empfangen, bei dem man erst denken könnte, die Fans hätten sich vertan und würden direkt den Hauptact erwarten. Dass sie aber einfach generell eine gute Stimmung machen, merkt man an dem ersten Lied "Abenteuer", das mit einer guten Portion Jubel belohnt wird. Einen kleinen Vorgeschmack, wie Jennifer Rostock gleich begrüßt werden wird, bekommt man, als "Ich kann fliegen" in einem ihrer Songs eine Textstelle aus dem Lied "Insekten im Eis" anspielen. Mit dazu auf die Bühne kommen Schlagzeuger Christopher Kohl und Gitarrist Alex Voigt von Jennifer Rostock. Nach knapp 40 Minuten beendet die 2006 gegründete Band ihren Auftritt vor einer gut aufgewärmten Menge.
Dann kommt es endlich zum Hauptact des Abends. Die Band um Sängerin Jennifer Weist hat in den letzten Jahren bewiesen, dass man mit klugen deutschen Texten und einer Portion Selbstvertrauen im Gedächtnis bleibt. Die 2007 gegründete Band hat mittlerweile ihr drittes Album "Mit Haut und Haar" veröffentlicht und feiert damit den höchsten Einstieg in die Album Charts ihrer bisherigen Karriere. Etwas komisch wirkt das Intro "Im Wagen vor mir", gefolgt von einer blauen Lichter Show und dem Song "Meine bessere Hälfte", bei dem die Essigfabrik gleich zu tanzen anfängt. Ab jetzt gibt es bei der Stimmung kein Halten mehr, durch die freche und ehrliche Schnauze von Frontfrau Jennifer Weist kommen die Fans nicht mehr zum Stillstehen und werden einfach mit ins Bühnenprogramm einbezogen, angefangen bei dem Lied "Mein Mikrofon", bei dem die Essigfabrik in zwei Seiten aufgeteilt wird, die abwechselnd den Refrain singen.
Passend zum Titel "Du willst mir an die Wäsche", stellt die Berliner Band ihren "Werner" auf die Bühne. Werner sieht aus wie ein indianischer Totempfahl und ist als Halter für die BHs, die während diesem Lied auf der Bühne landen sollen, gedacht. Wie aufgefordert, fliegen unzählige BHs in Richtung Bühne. Zur Abkühlung spielen sie "Es tut wieder weh", der Song, der auch auf dem "Twilight-New Moon"-Soundtrack zu finden ist. Um bei ihrer kurzen Akkustikeinlage nicht allein auf der Bühne trinken zu müssen, holt sich Jennifer Weist gleich sechs Mädels auf die Bühne, um mit ihnen anzustoßen. Für die nächsten drei Lieder bleiben diese mit auf der Bühne und zu "Der Kapitän" darf eine von ihnen mit einem Gummireifen über die Menge "schwimmen". Aber wenn man jetzt denkt, die Nähe zu den Fans könnte nicht noch größer werden, geht es noch besser. Zu "Ich kann nicht mehr" stellt sich Jennifer Weist einfach in die Mitte des Publikums und nimmt sich gleich noch einen Fan mit auf die Bühne, der das Lied "Feuer" ganz allein vor der versammelten Essigfabrik singen darf.
Nach einem Geburtstagsständchen für den Bassisten von "Casper", der sie auf der Tour begleitet, kommt die Berliner Band zu ihrem, in Anführungsstrichen, letzten Song. Bei "Nenn mich nicht Jenny" geben sie alle nochmal Vollgas, nur um danach nochmal für drei Lieder auf die Bühne zu kommen und das letzte Highlight zu präsentieren. Bei dem nun wirklich letzten und 21sten Lied "Es war nicht alles schlecht", kommt Nico Webers von "War From A Harlots Mouth", um seinen Teil des Liedes mitzusingen, auf die Bühne. Damit endet das Konzert, das mein Verständnis von einer guten Live Show erweitert hat und keinem der Konzerte, die ich bis jetzt gesehen habe, das Wasser reichen kann.