Jenny Lewis

Tour 2008 - Support: Benji Hughes

16.10.2008 Gebäude9 / Köln

Von: Simon Baranowski

Jenny Lewis Köln

Nachdem Jenny Lewis ihren ersten Soloauftritt vor zwei Jahren im Kölner Gloria hatte, darf sich nun das Gebäude 9 freuen. Mit ihrem angehauchten Folk-Country-Rock in Singer-/Songwriter-Manier begeistert Jenny Lewis mit ihrer Band das knapp halbgefüllte Gebäude 9 auf eine sehr persönliche Art und Weise. Zwischen Gänsehautfeeling und jammiger Countryrock Einlage zeigt sich die Kalifornierin einmal mehr von ihrer sympathischen Seite.

Um neun Uhr eröffnet der hierzulande eher in Fachkreisen bekannte Benji Hughes. Äußerlich eine Kreuzung zwischen Daniel Johnston und J Mascis, dazu eine Stimme wie Nick Cave. Eine sehr angenehme Performance des bislang unentdeckten Genies, wie ihn Jenny Lewis beschreibt. Eingängige Melodie, mal tragend und schwer, dann wieder leicht und tanzbar. Ein Menge Soul und Folk, Romantik und Ironie zugleich in seinen Songs. Benji Hughes gibt den Beweis dafür, das man durchaus als Vorband in einem halbstündigen Set mit Können zu überzeugen weiß.

Jenny Lewis lässt sich nach dem Set von Benji Hughes etwas Zeit und betritt schließlich gegen zehn Uhr die kleine Bühne. Eingeleitet wird das Set mit dem Song „Jack Killed Mom“, in dem Benji Hughes für die zweite Strophe noch mal auf die Bühne kommt, aber gleich wieder in einer typischen Art und Weise nach dem Singen von der Bühne verschwindet. Typisch? Man kennt den Mann erst eine geschlagene dreiviertel Stunde, doch durchaus bekommt man ein bestimmtes Gefühl vermittelt und nimmt ihm seine Art keineswegs übel, sondern weiß oder sagen wir ahnt wie er tickt. Lewis sitzt am Keyboard. Ihre fünf Bandkollegen müssen auf der kleinen Bühne etwas zusammenrücken. Bass, E-Gitarre, Schlagzeug und Akustik-Gitarre, die Johnathan Rice spielt, sowie das wohl markanteste Merkmal der countrylastigen Musik, die Pedal-Steel-Gitarre. Die Bühne ist voll und so klingt auch die Musik. Füllend. Selbst die zart dahin schmelzenden Songs, wie das wunderbar dargebotene „Happy“ oder das melancholisch traurige „Melt Your Heart“ füllen nicht nur das kleine Gebäude 9, sondern viel mehr die Herzen der wenigen Zuhörer. Man merkt immer wieder wie Jenny Lewis die Setlist verändert, sich mit ihren Bandkollegen abspricht. Lewis präsentiert eine gute Mischung aus älteren Songs vom 2006er Werk „Rabbit Fur Coat“ und Songs vom aktuellen Album „Acid Tongue“. Ein Track nach dem anderen lässt das Staunen größer werden. „Carpetbaggers“  und „You Are What You Love“ machen Lust auf mehr. Country-Folk im Indiestil. Mehr als nur angenehm.

Nachdem der erst zum zweiten Mal in einem Jenny Lewis Set auftauchende und erfrischende Song „Highs And Lows” gespielt wird, wirkt es im ersten Moment so, als ob die Band eine Umbaupause einlegt. Das Publikum wirkt etwas verwirrt, denn alle Musiker begeben sich plötzlich eine Ebene tiefer und finden sich schließlich in der Mitte der anwesenden Zuhörer wieder. Es wird ein Kreis um die Band gebildet und Jenny Lewis spielt nach kurzer Ansage den Song „Acid Tongue“ auf ihrer Akustik-Gitarre. Im wahrsten Sinne des Wortes Akustik. Ohne Mikro und Verstärker. Die Band als geschlossenes „Uuuuhhh” als Backroundgesang dahinter. Gänsehaut. Jenny Lewis Stimme wirkt so zart und weich und dabei doch so kräftig. Die Augen sind teilweise geschlossen. Die Künstlerin selber genießt die intime Atmosphäre, den Kontakt zum Publikum. Unglaublich gefühlvoll und warmherzig. Zurück auf der Bühne genießt die Band erstmal den wirklich zu Recht andauernden Applaus.

Das fast neunminütige „The Next Messiah“ erweckt den Anschein, dass wirklich gerade irgendwo der Messias erschienen ist. Rythmuswechsel, mal laut, mal leise. Ein Song der live eine ganze Spur besser rüberkommt als auf Platte, keineswegs lang gezogen wirkt und für die Bühne gemacht ist. Das Roy Orbison Cover „Love Hurts“ bildet den Abschluss des Mainparts. Zusammen mit Johnathan Rice, der witzigerweise in dem Oscar prämierten Film „Walk The Line“ Roy Orbison spielte, wird noch mal ein Hauch dieser Intimität preisgegeben.

Natürlich kommt die Band nach einigen Minuten noch mal zurück auf die Bühne. Mit „Godspeed“ und dem in Köln entstandenen Song „Fernando“ werden die Zuhörer entlassen. Jenny Lewis steigt noch einmal auf ihren Keyboard-Hocker, um Überblick zu bekommen über das kleine Völkchen und animiert noch ein letztes Mal die Hüften zu bewegen. „Fernando“ ist ein schnellerer Song, der zum Ende hin richtig laut und rockig wird. Jenny Lewis verabschiedet sich und verlässt die Bühne mit einer Kusshand. Die Band spielt noch und legt einen würdigen Schluss hin.

Kaum zu glauben, aber es waren tatsächlich nur 13 Songs die gespielt wurden. Die Setlist liest sich erstaunlich kurz. Angesichts der knapp anderthalb Stunden Dauer merkt man aber, wie viele Songs gegenüber den Studioaufnahmen verändert wurden bzw. in die Länge gezogen wurden, was hier durchaus positiv anzumerken ist, oder es teilweise zu Improvisationen kam. Ein wirklich schöner Abend in Köln geht zu Ende und lässt für einen Augenblick die Sonne im Herzen scheinen und man vergisst den in der Kölner Nacht dahinwehenden herbstlichen Nieselregen. Danke Jenny Lewis.

Setlist:

Jack Killed Mom
The Charging Sky
Rise Up With Fists
Happy
Carpetbaggers
You Are What You Love
Highs And Lows
Acid Tongue
Melt Your Heart
The Next Messiah
Love Hurts
---------------
Godspeed
Fernando

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Tickets Night Of The Prog Festival
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Sebastian Black