Heart & Soul Tour 2005 Support: Sax in the City
Joe Cocker ist zum zweiten Mal in diesem Jahr im Rheinland. Im Gegensatz zu seinem Indoor-Auftritt in der Kölnarena im April diesen Jahres tritt er nun vor vergleichsweise überschaubarer Kulisse in der Bonner Museumsmeile auf, was sich jedoch eher vorteilhaft auswirkt, da das Konzert irgendwie persönlicher wirkt.
Support bei diesem Mal ist die Bonner Gruppe „Sax in the City“. Deren Pop-Soul Interpretationen von Songs wie Destiny´s Childs Survivor sowie saxophondominierter Jazz-Funk-Fusion sind jeden Donnerstag auch in der „Hausbar“ in der Bonner Oper zu sehen und zu hören. Bei dieser Combo teilen sich Sängerin Ramona und Sänger Marc die Vokalparts und gerade durch diese Aufteilung wird der Auftritt noch individueller. Vor allem die von Ramona intonierten Songs werden durch ihre starke Soulstimme noch einprägsamer und insgesamt war der Support deutlich interessanter als der von Richard Marx, der Cocker beim letzten Male begleitet hatte.
Die Heart & Soul Tour beinhaltet, wie das gleichnamige, im September des vergangenen Jahres veröffentlichte Album viele Interpretationen bekannter Klassiker der Pop- und Soulgeschichte und mit Aretha Franklins Chain of Fools steht auch einer dieser Songs ganz oben auf der Setliste, die insgesamt an diesem Abend keine Wünsche offen lässt.
Man muß kein ausgewiesener Cocker-Fan sein um an Nightcalls, What´s going on, Summer in the City, Up where we belong und N'oubliez jamais richtig Freude zu entwickeln. Große Songs mit Wiedererkennungsgarantie, die für eine geniale Atmosphäre im Publikum sorgen.
Nach Put a spell on you stellt Joe Cocker seine Band vor und gibt dem Publikum die Gewissheit, dass dort hinter den Drums nicht J. Leno sitzt. Sollte das mit dem Trommeln jedoch irgendwann nichts mehr sein, hat dieser als Stuntdouble des Talkmasters mit Sicherheit noch eine zweite Karriereoption.
Ein persönliches Highlight in mehrerer Hinsicht ist anschließend You can leave your hat on, allseits bekannt aus 9 ½ Wochen. In der Hauptsache einer der ganz großen Songs von Joe Cocker und fast alle Menschen verbinden das Gleiche mit diesem Lied. Hocherotischer Striptease, gerne mit Kim Basinger…aber ihr wisst bestimmt was ich meine. Sehr interessant und vielfach amüsant sind hier die sehr eigenen, tänzerischen Umsetzungen dieser Gedankenspiele der Konzertbesucher.
Das Mainset beendet der Meister mit Unchain my heart und zu guter Letzt mit der Coverversion, die ihn einst berühmt gemacht hat. Legendär ist inzwischen sein Woodstock Auftritt mit dem Beatles-Song With a little help from my friends und er lässt die ehrfürchtig jubelnde Menge zurück und verlässt die Bühne.
Nur kurz lässt er sich jedoch vom Applaus bitten, um die Zugaben u.a mit Cry me a river zu spielen um dann reibeisenschmusig den Abend mit You are so beautiful zu beenden. Wunderkerzen brennen und gedankenverloren wiegt das Publikum im Takt mit. Mit einem letzten, leisen Seufzer geht es nach einem wundervollen Konzert gen Ausgang.
Als Fazit bleibt unterm Strich nur festzuhalten, dass man mit einem Besuch bei Joe Cocker nichts, aber auch gar nichts falsch machen kann. Sowohl die Coverversionen erhalten durch seine einzigartige Stimme einen neuen Glanz und auch seinen eigenen Songs sind inzwischen Klassiker. Er erfindet zwar das Rad nicht neu, doch das möchte letztendlich auch niemand. Ganz großes Tennis eines der größten lebenden Sänger der Pop-, Rock- und Soulgeschichte.