Tour 2009
John K. Samson ist die Stimme und der Kopf der kanadischen Indie-Rocker The Weakerthans. Zum ersten Mal präsentiert sich Samson solo dem deutschen Publikum. Grund dafür ist die Veröffentlichung seiner Solo EP "City Route 85", die über das Grand Hotel van Cleef-Label vertrieben wird.
Nach ganz hinten durch muss man im Zakk. Die große Halle, in der die Weakerthans schon den ein oder anderen Auftritt hatten bleibt heute geschlossen. Dafür finden sich die Besucher im kleinen Club hinter der Halle ein. Und dieser ist auch sehr gut gefüllt. Eher alteingefleischte Weakerthans Fans dürften den Weg ins Zakk gefunden haben. Und davon gibt es Dank offensivster Werbung einiger ehemals in Hamburg ansässiger Künstler mittlerweile reichlich. Macht ja nix. Gute Musik soll schließlich belohnt werden.
Nicht viel steht auf der Bühne: Akustikgitarre, Effektgerät und Mikrofon müssen heute ausreichen. Samson kommt mit seiner typischen "Guten Morgen"-Frisur auf die Bühne. Er begrüßt das Publikum freundlich und beginnt mit "One Great City!". Eine Hommage an seine Heimatstadt Winnipeg. Ein sehr feiner Einstieg. Es ist natürlich klar, dass es am Abend einige der ruhigeren Weakerthans-Stücke in Akustikversionen zu hören gibt. Das anschließende Stück "Plea From A Cat Named Virtute" wiederlegt aber erstmal gleich diese Annahme. Auch die rockigen Songs bekommen einen neuen Akustikanstrich. Die Katze Virtute bekommt endlich eine Stimme bzw. ein passendes Knurren, welches durch die Boxen rauscht. Da wird einem ganz warm im Bauch. Ein äußerst sympathischer Effekt – Samsons Stimme und Katzenknurren, herrlich! Mit "Night Windows" geht es weiter. Das Lied, welches textlich auf ein Bild von Edward Hopper zurückgreift, füllt den Raum mit einer unglaublichen Sinnlichkeit. Das darauf folgende "Cruise Night" ist eines der neuen Stücke, die John K. Samson auf seiner EP "City Route 85" untergebracht hat. Ein schlichter Song, der nichts Neues bringt, sondern durch seine Einfachheit besticht.
Es folgen rockige und ruhigere Weakerthans Songs, gepaart mit neuen Solostücken. Ein mehr als zauberhaftes "Bigfoot", ein tolles "Reconstruction Site", das Gesprochene Wort zu "Elegy From Gump Worsley" und das atemberaubende "Pamphleteer". Gänsehautfeeling – wie schon in der vollen Bandbesetzung, ist es auch bei Samson Solo so, dass die Musik einfach berührt. Samson punktet aber nicht nur durch seine herzergreifenden Melodien, sondern auch durch eine sehr kontaktfreudige und sympathische Art auf der Bühne. Jeder Song wird mit energischem Applaus gelobt. Das spürt der Künstler auf der Bühne, ja es ist ihm schon fast ein wenig unangenehm, dass seine Musik bei den Hörern so ankommt. "Heart Of The Continent" ist praktisch der zweite Teil des Weakerthans Songs "One Great City!". Es gab wohl ein Schild am Ortseingang von Winnipeg auf dem "One Great City!" stand. Dieses Schild wurde durch "Heart Of The Continent" ersetzt. Man will anscheinend die Attraktivität der Stadt Winnipeg, in der Mitte vom Nichts, aufpolieren. Also musste auch Samson mit dem polieren beginnen und den passenden Song dazu schreiben. "One Great City! 2" braucht sich jedenfalls nicht hinter Nummer 1 zu verstecken. Mit "Little Ampersand" hat auch ein bisher unveröffentlichter Track seinen Platz im Set gefunden. Er knüpft an das bisher Geschehende nahtlos an. Zwischen "The Reason" und "Utilities" reiht sich ein weiteres Gedicht ein. Nach "Elegy From Gump Worsley" erlebt der Zuschauer ein Gesicht Samsons, welches man nun wirklich nicht hier in Deutschland erwartet hatte. In Kanada ist oder war Samson das ein oder andere Mal mit den Trains Of Winnipeg unterwegs und gestaltete eine Art Mischung von Musik und Lyrik. Das hier geht teilweise in dieselbe Richtung.
Zum Abschluss des Mainsets stimmt John K. Samson mit "Left And Leaving" einen der Klassiker der Weakerthans an. Das Geräusch vorbeifahrender Autos untermalt den traurigen Song. Samson entwickelt das Gefühl, als wenn man in der Tat am verregneten Straßenrand steht und sich in der Musik verliert. Traumhaft! "My Favorite Chords" schließt dann den ersten Akt.
Schon während des Mainsets kommt es zu Zwischenrufen und ausdrücklichen Musikwünschen. Dem folgt John K. Samson dann auch im Zugabenteil. Zuerst aber zurück zu Virtute. "Virtute The Cat Explain Her Departure" macht den Einstieg nach der Minipause. "Singing the sound that you've found form me" – manchmal bedarf es keinerlei zusätzlicher Worte. Die folgenden vier Songs werden alle auf Zuruf gespielt. "None Of The Above", "Gifts", "Manifest" und "Fallow". Dabei warnt Samson das Publikum vor allem vor dem Propagandhi Song "Gifts", da er sich der Akkorde und des Textes nicht mehr so sicher ist. Aber es geht alles relativ glimpflich aus. Andere Musiker würden sich weniger trauen. Ein wirklich tolles Finale, in dem das Publikum mehr und mehr eingebunden wird. "Manifest" hat Samson selber wahrscheinlich noch nicht in der Akustikversion gehört und "Fallow"? Hach… "Fallow". Der Abend hätte noch Stunden so weitergehen können. Auch der Weakerthans-Frontmann zeigte seine Zufriedenheit und Entspanntheit. Doch jeder Abend hat auch irgendwann sein Ende. So verschwindet Samson nach "Fallow" hinter dem schwarzen Vorhang.
Stephen Carroll, Gitarrist der Weakerthans, sagte mir vor zwei Jahren noch, dass es wohl eher unwahrscheinlich ist, dass es die Weakerthans im Akustik Gewand gibt. Jetzt ist neben der erst kürzlich veröffentlichten i-Tunes Live EP, die schon starke akustische Elemente hat, auch noch eine Solo-Akustik Tour inklusive der EP "City Route 85" von John K. Samson hinzugekommen. Wie die Zeiten sich ändern - und wie schnell sie doch vorüber gehen - auch dieser Abend. Um Wiederholung wird gebeten. Am liebsten bei untergehender Sonne im Glitterhouse Garten auf dem nächsten OBS!
Setlist:
One Great City!
Plea From A Cat Named Virtute
Night Windows
Cruise Night
Bigfoot
Reconstruction Site
Elegy From Gump Worsley
Pamphleteer
Heart Of The Continent
Little Ampersand
Sounds Familiar
The Reasons
"Poem"
Utilities
History To Be Defeated
Left And Leaving
My Favorite Chords
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Virtute The Cat Explains Her Departure
None Of The Above
Gifts
Manifest
Fallow