Tour 2007
Far, New End Original, Onelinedrawing, Gratitude, Rival Schools, Cardia, Die 116. Die Liste der Bands ist lang, in denen die beiden Amerikaner Matranga und Love gespielt oder die sie ins Leben gerufen haben. Nun sind beide solo unterwegs. Jonah Matranga schon länger, war sein Projekt Onelinedrawing auch mehr oder weniger ein Solopfad, Ian Love erst seit kurzem. Beide gastierten im kleinen Blue Shell gleich neben dem Prime Club, gegenüber vom Rose Club und dem Stereo Wonderland in Köln.
70 Leute fanden den Weg in die bläulich schimmernde Kneipe. Der Rest war wohl ebenso wie der Kollege Willi Nickolaus nebenan bei Athlete im Prime Club. Doch die Wahl, die kleinere Location und somit die Akustikshow zu bevorzugen sollte keine schlechte sein. Ian Love begann um kurz nach neun. Die Haare zerzaust, die Ärmel hochgekrämpelt. Neben seinen Songs auf seinem ersten selbst benannten Soloalbum, entzückte vor allem die Cover Version des Neil Young Songs „Helpless“, den er mit Matranga an den Backing Vocals zusammen darbot. Seine eigenen Songs, die sich gänzlich von seinen Aktivitäten früherer Hardcore-Zeiten unterscheiden, füllten den Raum. Mit sehr viel Hingabe wurden Songs wie „Sky To Fall“ oder „The Only Night“ gespielt. Als wenn alles um einen herum im Zeitraffer vorüber läuft und nur der Eine da auf der Bühne die magische Zeitmaschine in der Hand hält. Das Zuhören und ehrliche Applaudieren empfand der Künstler auf der Bühne als wirklich nette Geste und war vom Publikum genauso angetan wie umgekehrt.
Das Schöne bei solch kleineren Konzerten ist der unwahrscheinlich problemlose Kontakt zu den Künstlern selber. Jonah Matranga hielt sich im hinteren Teil auf und lauschte seinem Kollegen, unterstütze ihn dann bei zwei Songs und setzte sich wieder hinten in die Ecke. Ebenso lief es dann bei Matrangas Auftritt, nur dass Love hinten saß, sich mit Fans und Musikfreunden unterhielt und später seinen Mitstreiter dann auf der Bühne auch unterstützte. Die Zusammenarbeit beider Künstler fing schon bei den Aufnahmen zu Matrangas Album „And“ an. Hier spielte Ian Love Gitarre, produzierte und mixte das Album. Alles lief sehr familiär ab und man konnte dem ganzen Trubel rund um die Weihnachtszeit entfliehen. Mit „It’s Not Over“ und der Hank Williams Coverversion von „Lost On The River“ (nur auf der limitierten Vinyl Platte erhältlich), überließ Ian Love dann Jonah Matranga die Bühne. Und passend zum Titel war es noch lange nicht over.
Jonah Matranga fing sein Set sofort mit einem gewünschten Titel (ein Fan hatte ihn vor dem Konzert darauf angesprochen) an. Es folgte ein Sammelsurium an Songs aus fünfzehn Jahren, vier Bands, sechs LPs und fünf EPs. Alles dargeboten auf einer Akustikgitarre, nur hier und da war die Unterstützung vom Band erforderlich. Durch die lockere Art und Weise, wie sich Matranga selber inszenierte, wurde das Publikum auch lockerer, begann sich zu bewegen und mitzusingen. Songs von Far und New End Original kamen in den Akustik Versionen mindestens genauso gut, ja wenn nicht noch besser rüber als in der rockigen Variante. „14-41“ oder der vom Publikum mitgesungene Track „Better Than This“ machten Lust auf mehr. Und letztendlich wurde man mehr als ordentlich belohnt, denn Love und Matranga spielten zusammen etwas über zweieinhalb Stunden!
Immer wieder unterbrach Jonah Matranga seine Stücke, ging aufs Publikum ein, erklärte worüber er gerade singt und empfand genauso wie schon Ian Love, dass das Publikum ein sehr fachkundiges und äußerst liebevolles war. So stellte Jonah neben den alten Songs auch seine neuen Songs der Solo-Platte „And“ vor. „So Long“, „Every Mistake“ und „I Want You To Be My Witness“ fügten sich gut ein. Auf Platte war man da eher skeptischer, live überzeugten sie aber voll und ganz. Eine ausgiebige Geschichte zum aktuellen Videoclip zu „Not About A Girl Or A Place“ bekam man ebenso geliefert wie ältere Raritäten wie z.B. den „Leper Song“ in seiner Ursprungsversion mit Akustikgitarre. Bei der veröffentlichten Version von dem New End Original Album „Thriller“, wird Matranga von einem Klavier begleitet.
Als ganz besonderer Teil kristalisierte sich vor allem die Cover Version des Deftones Urgesteins „Bored“ heraus. Mit Ian Love an der E-Gitarre unterstützt. Gänsehaut Feeling pur. „Lukewarm“ brachte dann wieder Leben, Gesang und Munterkeit in die kleine beschauliche Runde. Und so ging es hin und her. Zarte Stücke von Onelinedrawing wie „Stay“, dann wieder ein Song wie „Bitte Ein Kuss“ oder „Smile“. Zwischenparts mit improvisierten Deutscheinlagen: „Ich heiße Jonah, ich bin glücklich“. Der gute kleine Mann auf der Bühne hatte sichtlich seine eigene Fete am laufen. Und der Funke sprang über. Nach zweieinhalb Stunden gingen wohl alle mehr als zufrieden nach Hause. Den letzten Song, „Mother Mary“ von Far, performte Jonah Matranga schließlich zur Hälfte ohne Anlage, ohne sämtliche Verstärker oder Lautsprecher. Das war schon einmalig und unterstrich die Sympathie, die vom Künstler ausging. Ein unglaublich feiner Abend, mit viel Liebe und Ehrlichkeit in den gespielten Songs und in dem Gesagten auf der Bühne. Be Love, be Jonah. Just be yourself.