José James

Blackmagic-Tour 2010

15.03.2010 Luxor / Köln

Von: Karsten Kraemer

José James Köln

Wenn Gilles Peterson höchstpersönlich, der unumstrittene Guru und Trendsetter zeitgenössischer (club-orientierter) Soul- und Jazzmusik, über José James sagt, er sei "eines der momentan größten stimmlichen Talente, die uns daran erinnern, wieso wir Musik so sehr lieben", dann muss etwas dran sein an dem noch jungen US-Amerikaner, der im Rahmen seiner "Blackmagic-Tour" gerade Station in Europa macht.

So an diesem Montagabend im gemütlichen, aber leider nur höchstens halb gefüllten Luxor. Ein Umstand, der nicht unbedingt verwundert, da der kommerzielle Durchbruch, der den 27-jährigen Sänger über die eingeschworene Gemeinde der Jazz-Liebhaber hinaus bekannt machen würde, noch bevorstehen dürfte. Sein zweites Studioalbum "Blackmagic" hat dank erstklassiger Co-Produzenten wie Flying Lotus, Moodyman oder Taylor McFerrin in den einschlägigen Kreisen zumindest schon einmal vorab für wahre Begeisterungsstürme gesorgt.

Als der gebürtige New Yorker, der Billie Holiday, John Coltrane, Marvin Gaye und Jean-Michel Basquiat als seine Inspirationsquellen nennt, nach der instrumentalen Einleitung der dreiköpfigen Rhythmusgruppe aus Klavier bzw. Keyboards, Schlagzeug und Bass um kurz vor 22 Uhr die Bühne betritt, ist seine (noch) zurückhaltende, bescheidene Art geradezu greifbar. Relativ schnell entfalten sich jedoch Spielfreude und Können mit einer absoluten Leichtigkeit und Eleganz, wie sie nur ganz wenigen in diesem Genre zu eigen ist. Dazu immer ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen und um charmante Konversation mit dem Publikum zwischen den Stücken bemüht - James scheint einfach ein von Grund auf sympathischer Zeitgenosse zu sein.

Am Mikro unterstützt wird er von Jordana de Lovely, ebenfalls aus New York stammend und gesangstechnisch nicht minder begabt. Die nun folgenden knapp 105 Minuten wirken wie eine lupenreine Jam-Session, die die gesamte Bandbreite an musikalisch "schwarzer Magie" abdeckt: Jazz als festes Grundgerüst, funkige Passagen, Anleihen an Hip Hop, Rap und Retro-Soul, eine Prise Blues, mal balladenhaft, mal schleppend-lässig, teils butterweich. Stets jedoch groovy, und über allem schwebt diese geschmeidige Stimme, die den Zuhörer an zeitlose Meister wie Jon Lucien, Sammy Davis jr oder Gil Scott-Heron erinnert.

Besonderes Lob verdienen sich aber auch die Mitglieder seiner "Blackmagic Live Band", insbesondere Richard Spaven (drums) und Grant Windsor (keys) - hier wird wieder einmal besonders deutlich, dass speziell im Bereich Jazz aussergewöhnliche Musiker am Werk sind, die ihr Instrument perfekt beherrschen. Bei der Zugabe wird dann noch ein Stück von Freddie Hubbard gecovert, bevor gegen halb zwölf der Vorhang fällt.

Fazit: Ein rundum gelungener Abend in einer intimen Atmosphäre, der sicherlich mehr Besucher verdient gehabt hätte. Diejenigen, die gekommen sind, bekamen jedenfalls gezeigt, welches Potential JJ hat - gefühlvoll und doch oft zugreifend, paraphrasierend und dann wieder prägnant klar, oft angenehm leise, aber immer lebendig - ein vielseitiger Künstler, von dem man im wahrsten Wortsinne noch viel hören wird!

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