Mi Sangre Tour 2006
Es war mal wieder ein heißer Tag dieser 12. Juli. In Bonn sollte er noch heißer werden, denn Juanes gab dort eines seiner insgesamt neun Konzerte in Deutschland. An der Museumsmeile tummelten sich viele Menschen. Einige versuchten sich derweil im An- und Verkauf von Eintrittskarten. Vor allem Frauen würden das Konzert besuchen, hatte ich in Unkenntnis seiner Zielgruppe vermutet. Zuerst sah es auch danach aus. Die Schlange zog sich doch einige Meter an der Meile entlang. Ich musste auf meine Mitstreiterin warten und konnte die Vorgruppe daher nur von draußen belauschen.
Schrader@Parisi hieß sie und gaben markanten Songs bekannter Größen wie Robbie Willliams, U2 oder Maroon 5 ihren individuellen Sound. Die beiden Musiker kennen sich schon aus Jugendjahren und haben durch die Zusammenarbeit zu „Glück & Glas“ für „Tabaluga und das verschenkte Glas“ beschlossen weiter zu machen. Ein Grund war sicherlich auch das damit eingeheimste Platin. Zuvor hatte Schrader für Guildo Horn komponiert bzw. co-produziert. In dieser Zeit bekam er u.a. die goldene Stimmgabel, einen ECHO und den VIVA-Comet für den besten Live-Act. Parisi arbeitete als Komponist und Texter für BAP und vergab seine Stimme an einige Werbe- und Jingle-Produktionen. Toyota, RPR1 und Daihatsu seien da zu nennen. Die Menschen die bis dahin Einlaß fanden, hatten hörbar Spaß an ihrem Auftritt.
Kreisch, nein doch nicht, kreisch, ach menno, KREISCH, aber jetzt! Endlich stand er auf der Bühne und legte los. Das Publikum hat sich sehr strukturiert aufgestellt. In den ersten Reihen waren die Frauen in Überzahl. Die Kamera schwenkte gelegentlich auf ein paar Damen mit kolumbianischer Flagge, die ausgelassen Handküsschen verteilten und begeisterte Gesichter ins Objektiv hielten. So ab Reihe 5-6 wurde mit den Armen hin und her gerudert und etwas weiter hinten rhythmisch geklatscht. Ganz hinten an den Getränkeständen herrschte reges Treiben, ohne das man lange warten musste. Dort verfolgten einige das Geschehen ganz entspannt, tänzelten, oder genossen ihren Drink. Familien mit kleineren Kindern und Ehepaare mittleren Alters waren es vor allem, die ich gar nicht als typische Juanes-Hörer vermutet hätte. Aber an irgendwen und davon ganz viele, muss der liebe Juanes seine Platten verkauft haben, sonst wäre er ja nicht in den Charts. Davon mal abgesehen, gilt Juanes als der einflußreichste Künstler Südamerikas und das obwohl die Konkurrenz dort nicht gerade schwach ist. Mit seinen Texten, die zum einen die gewalttätigen Konflikte in Kolumbien anprangern, zum anderen aber auch Loblieder auf Familie und Glauben beschreiben, hat er sich auch in die Herzen der europäischen Zuschauer gespielt. Mit 14 begann er Gitarre zu lernen und wenn er eins kann am besten kann, dann das. Zwischen seinen beeindruckenden Soli, überwiegt das folkloristische Sound doch mehr als der Rock. Musikalisch bedient er viele Facetten und über sein Äußeres kann man auch als Mann nicht lästern, obwohl er mir doch mit längeren Haaren besser gefallen hat. Also mit den kurzen Haaren sieht er nicht mehr so verwegen aus, oder?
Dem Publikum ist das egal, weil er sympathisch rüber kommt, gute Musik macht und den letzten Song für die bezaubernden Frauen im Publikum spielt. Neben mir freut man sich darüber. Alles in allem war es ein gut organisierter, angenehmer Abend in ZDF-Fernsehgarten-Atmosphäre.