Reunion Tour 2005
Warum, um Gotteswillen, stehen um 19:30 noch mehr als 2000 der 4000 Fans vor der Halle?
Unfassbar, Sicherheitsbestimmungen hin und her, die Fans wurden gefilzt als ob George W. einen Vortrag bei einer El Kaida Sitzung halten will. Sagenhaft. Jeder der endlich durch gekommen ist begrüßt diesen Schritt mit lautem Freudenschreien. Dabei ist alles äußerst zivilisiert, die Kuttenträger werfen sogar freiwillig ihre Dosen/Flaschen (nicht ohne sie vorher leer zumachen natürlich) in den bereitstehenden Container. Dummerweise gab es keinen Presseeingang, so das auch wir uns durch die Menge schieben mussten, nee, Grugahalle, da muss was passieren. Jetzt waren es 4000 Fans, was soll sein wenn mal 8000 kommen?
Durch diesen Lapsus waren In Flames dann schon weit in ihrem Set, der mit verhaltenem Applaus bedacht wurde, als ich die Halle betrat. Die Schweden waren sicher nicht schlecht, aber am heutigen Abend wartete man auf Legenden (um nicht zu sagen Götter) da hätte es jeder Opener schwer. Das Foyer war zumindest besser gefüllt als die Halle selbst, man konnte am Bierstand verdursten, so ein Andrang herrschte da.
Ich habe dem Konzert ja mit recht gemischten Gefühlen entgegen gesehen. Letztes Jahr in Holland beim Arrows Festival haben sie mich absolut nicht überzeugen können, Hüftsteif und Lahm war die Performance damals. Gespannt warte ich also auf den Beginn der Show.
Dann war es endlich soweit: Die Hallenbeleuchtung geht aus, Priest entern die Bühne, und treten von Minute Eins an mächtig Arsch. Electric Eye, Metal Gods, Riding on the Wind, und schnell wird klar, Halford ist wesentlich besser drauf als auf der letzten Tour. Er singt tiefer, hat zwar auch mächtig Hall auf dem Mikrofon, wirkt aber allgemein sicherer, auch bei den alten Routinen findet er den Takt der anderen Bandmitglieder. Die Kulisse ist ähnlich der von der letzten Tour, jede Menge Aufzüge, in den Rob verschwindet, um kurz drauf an anderer Stelle wieder aufzutauchen (ja, sind wir denn hier bei David Copperfield?) Irgendwie erinnert mich Mr.Halford an Nosferatu (man sah übrigens ne Menge Leute mit Nosferatu Shirts, Zufall war das wohl nicht), und am Anfang stand er dermaßen gebeugt das ich dachte er hätte nen Hexenschuß, oder überall Teleprompter, was aber nicht der Fall war.
Der Sound in der Halle war angenehm, nicht zu laut aber druckvoll, zumindest im hinteren Bereich kann man sich noch einigermaßen unterhalten. Aber was wäre ein Priest Konzert ohne Tinitus? Also begebe ich mich für das letzte Drittel nach vorne in die erste Reihe...der Bass bläßt dich weg...leider auf Kosten des Klangs... aber da fällt mir auf das nur in den ersten Reihen wirklich was los ist. Hey, Essen, da habe ich aber schon mehr Euphorie bei Priest Konzerten gesehen! Die Jungs waren klasse!
Die Setlist hatte einige (wenige) Schwachpunkte. Turbo Lover für Exciter rein zu nehmen, war meiner Meinung ein Fehler (obwohl der Song auch in den hinteren Reihen zu Reaktionen führte, und Turbo Lover rockt ohne die Synthie Gitarren auch) Vom neuen Album gab es nur Judas Rising, Revolution, Hellrider und Deal with The Devil...Worth Fighting For hat absolut gefehlt, Sollte Live ein Pflichtsong (anstatt Diamonds and Rust eventuell) werden, ansonsten gab es die Standards wie Breaking The Law, Green Manalishi, Touch Of Evil, The Ripper, Living After Midnight, Hell Bent For Leather (wie immer mit Harley) und Painkiller. Kein United...verdammt...ich liebe den Song.
Die neuen Songs kommen Live besser und härter wie auf Platte, gefällt mir sehr gut.
Tipton/Downing sind eh eine Klasse für sich, wenn auch einige der Soli heute etwas schief waren. Ansonsten eine sehr gute Leistung meiner Helden von damals, die Enttäuschung des letzten Jahres haben sie alle Male wieder wettgemacht.
Fazit:
Geiler Abend. Geile Show. Geile Band. Halford ist Performance mäßig immer noch der Metal God, stimmlich hat er sehr gut durchgehalten, teilt sich das Stimmvolumen was noch bleibt gut ein, den Rest macht die Technik. Ich freue mich tatsächlich auf das nächste Album und die folgende Tour! Good to see the Priest is back!