So This Is Goodbye-Tour 2006
Junior Boys klingt ja erstmal, als würden gleich 4 gecastete Jungs versuchen, ihre bei D! gelernten X-O-Steps gewinnbringend an die Frau zu bringen. Dass dem nicht so ist, ist einerseits natürlich mehr als beruhigend , anderseits auch ein bißchen schade. Denn wenn sich Anhänger dieses Gen-Pops an diesem Abend ins Gebäude 9 verirrt hätten, hätten sie vielleicht danach ihre CDs aus den jetzigen Top 50 in die Tonne gedrückt. Naja, eben das ist nicht passiert und wird es auch nie. Statt dessen war ich einer von ungefähr fünfzig Besuchern, die eine sehr gute Sicht auf die Bühne hatten und den Sound ohne Ellbogen in der Seite genießen konnten.
Jeremy Greenspan und Matt Didemus, die beiden Protagonisten der Junior Boys halten ihren Sound rein und simpel. Didemus bedient das Keyboard und Greenspan begleitet gelegentlich mit Gitarre und Laptop, trägt das ganze Projekt aber vor allem mit seiner wunderbaren Stimme. Erstaunlich wie soft er singen kann, bei der baritonalen Sprechstimme. Dazu gesellt sich an diesem Abend noch ein Dritter, der die Drums für sie einspielt.
Lupenreine Synthie-Musik, die zu poppig ist um sie Indie zu nennen. Die beiden Kanadier aus Hamilton sehen aber gar nicht nach Pop aus und deswegen verwundert es auch kaum, dass sie Musik machen, deren Glamour, Lifestyle und Clubattitüde sie selbst noch nicht kennengelernt haben. Die Junior Boys klingen mal nach Pet Shop Boys, mal nach New Order oder Talk Talk, verbinden dies mit alten House-Beats kühl und melancholisch à la Herbert, als wollten sie in die Zeit zurück, als Ingolf Lück sie noch zum Newcomer der Formel 1- Charts hätte ernennen können. Trotz all diesen Ähnlichkeiten machen sie ihre eigene Musik ohne zu kopieren. Das Glück was sie in ihren Songs transportieren ist ihnen nämlich eigen. Live machen sie trotz mancher Unsicherheit einen guten Eindruck. Sie setzen sich selbst nicht in Szene und lassen die Musik für sie sprechen.
Ihr Auftritt dauerte eine Stunde. Mehr war auch nicht drin, weil sie nicht mehr Songs haben. Schon wieder sympathisch, aber hoffentlich wird da noch einiges kommen. Wir fünfzig hatten viel Spaß und mancher hat „so this is goodbye“ noch vor Ort erstanden. Ich gehörte dazu.