Jupiter Jones

Konvoi Tour 2011 - Support: Tusq und Casper

29.12.2011 Live Music Hall / Köln

Von: Marc Brüser

Jupiter Jones Köln

Man kann sagen, dass 2011 wohl DAS Jahr der Herren von Jupiter Jones gewesen ist. Nach dem Signing von Columbia Records und der Single-Auskopplung "Still" von ihrem vierten Self-titled Album stieg der Bekanntheitsgrad der fünf Jungs aus der Eifel steil in die Höhe. Unzählige Festivalauftritte und eine ausgedehnte Tour waren die Folge. Um das Jahr krönend abzuschließen tummeln sich an diesem regnerischen Dezemberabend 1.500 Zuschauer in der Live Music Hall, um mit der Gruppe ein letztes Mal gemeinsam zu feiern.

Den Support machen an diesem Abend die deutsche Band Tusq und – man höre und staune – der Bielefelder Rapper Casper, für den das Jahr mit seinem zweiten Album "XOXO" (Nummer 1 in den Album-Charts) ebenfalls alles andere als schlecht verlief. Schade nur, dass die Fans von Jupiter Jones nicht auf die Schiene mit aufspringen wollen. Passen Tusq mit ihrer in Richtung Indie gehenden Musik noch irgendwie in das Programm hinein und werden auch mit reichlich Beifall verabschiedet, geht Casper unter wie die Titanic. Es liegt noch nicht einmal am Künstler mit der Raucherstimme selbst, dieser gibt während seiner Dreiviertelstunde alles was er kann. Nein, es ist das Publikum, das ihm einen Strich durch die Rechnung macht. Bereits nach dem ersten Song "Blut sehen" macht sich allgemeiner Unmut in der Menge breit. Auch Casper bemerkt dies und macht sich ausgiebig über das Publikum lustig und vergleicht es mit dem "ZDF Morgenmagazin". Worte, die zwar wahr sind, dennoch nicht zwingend positiv aufgenommen werden. Im Verlaufe des Konzerts wird die Stimmung auf beiden Seiten immer aggressiver: Ein fiependes Mikro hier, "Auf Wiedersehen"-Schmährufe da, bis dem Casperle schließlich der Kragen platzt und er einen Besucher anmotzt, nachdem dieser ihn aufgefordert hat Ruhe zu geben, mit den Worten: "Dann stell du dich doch vor 1.500 Leute, die dich scheiße finden und mach irgendwas, du Penner!". Sehr unsouveräne Worte von einem eigentlich guten Musiker. Lustigerweise wird er anschließend von den vorderen Rängen für diesen Aussetzer zum ersten Mal richtig gefeiert und nach dem letzten Song "So Perfekt" auch mit einem verhältnismäßig fetten Applaus verabschiedet. Den Rapper überrascht es offensichtlich selber und er gibt verduzt "Oh, damit habe ich jetzt gar nicht gerechnet. Habt vielen Dank" von sich.

Als nach einer 35-minütigen Wartepause endlich das Licht für den Hauptact des Abends ausgeht, ist das enttäuschende Konzert von vorhin vergessen. Jupiter Jones legen mit "Alter Mann, wo willst du hin?" los. Direkt bilden sich vorne erste kleine Pogo-Pits, die aber alle sehr gemächlich und weniger wild vonstatten gehen. Ein großes Manko macht sich schon nach einigen Songs bemerkbar. Ihr letztes Album steht während des gesamten Konzerts im Mittelpunkt, am Ende werden es ganze zehn von zwanzig Songs sein. Auf den ersten Blick ist das natürlich nicht verwunderlich, dennoch hätte man sich bei einem Jahresabschlusskonzert ein etwas ausgewogeneres Set gewünscht. Trotzdem finden sich auch dort neue Highlights, allen voran die Ballade "Berlin". Ohne ein Wort zu sagen beginnt ein Chor, wahrscheinlich inszeniert von den gut 300 Mitgereisten aus der Eifel  (Stichwort: "Hey, wenn ich Eifel sage, dann brüllen bestimmt alle. Eifel!!!" – "JAAAAAAAA!!!") und dient als melodische Untermalung. Sehr schön anzuhören das Ganze.

Natürlich darf auch die Geschichte von "Jupp", ein Song aus ihrem Erstlingswerk "Raum um Raum" nicht fehlen. Besonders beeindruckend hierbei ist die schlichte, aber sehr atmosphärische Beleuchtung, welche zwei gelbe Scheinwerfer beinhaltet, die den Sänger Nicholas Müller von hinten beleuchten. Aber auch die schnellen Nummern sollen nicht zu kurz kommen: Ordentlicher Pogo, inklusive Crowdsurf meinerseits gibt es bei "Auf das Leben". Auch "Das Jahr in dem ich schlief" und "Kopf hoch & Arsch in den Sattel" lassen es ordentlich krachen.

Als die Jungs nach gut 80 Minuten die Bühne zum ersten Mal verlassen weiß jeder, dass hier noch lange nicht Schluss ist. Mit einem Drumming als Intro soll es weitergehen, der Bass kommt, die Gitarre setzt ein... oder auch nicht. Diese will nicht so recht, sodass ein glatzköpfiger, dicklicher Herr die Bühne betreten muss und gefühlte zehn Minuten an dem Instrument herumschraubt. Um die Zeit zu überbrücken soll ein großes "Highlight" vorgezogen werden, was eigentlich für das Ende geplant war. Was kann das nur sein? Vielleicht ein alter Song? Wie wär’s mit "Reiß die Trauer aus den Büchern" von ihrem ersten Album? Ein toller Song. Das wäre was. Und siehe da, es ist: Bassist Andreas Becker alias Becks nur mit Slip und Tütü bekleidet und zu "Y.M.C.A." tanzend. Eine verlorene Wette, welche bei Raabs Bundesvision Song Contest zustande kam. Haha... Tja, das war wohl nichts mit dem Highlight. Oder vielleicht doch? Denn als sich die Reparatur noch weiter hinzieht wird kurzerhand eine Piano-Version von "Wir sind ja schließlich nicht Metallica" zum Besten gegeben, was eindeutig den Höhepunkt des Konzerts für die meisten hier darstellt. Wie Nicolas Müller mit seiner leicht kratzigen Stimme (kein Vergleich zu Casper) noch den benötigten Schuss Verzweiflung mit hineinpackt, wie Pianist Tobi die melancholische Untermalung mittels Klavier beisteuert... es passt wie die Faust aufs Auge. Apropos Faust aufs Auge: "Hey! Menetekel" und "Komm bloß nicht nach Bad Bentheim" lassen die ersten Reihen der Zuschauer wieder in Fahrt kommen, bis "Eine Landjugend" das insgesamt zweistündige Set abschließt.

Alles in allem kann man doch sagen, dass man einiges für sein Geld geboten bekommen hat. Trotzdem blieben die wirklich großen Überraschungen, abgesehen das Fiasko von Casper, aus. Die Fans scheint es aber nicht gestört zu haben, von daher ist es jetzt auch genug mit dem Meckern. Die Band wird ihren Weg gehen. Dazu gehört bestimmt auch 2012 eine ausverkaufte Live Music Hall als Abschlusskonzert einer weiteren erfolgreichen Tour.

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