Maestro Tour 2005, Support: Geoff Barner
Tatort Heidelberg, Karlstorbahnhof. Überfall aus Norwegen. Ein Augenzeuge berichtet „Sie kamen einfach über uns wie ein Tornado über ein ungeschütztes Dorf... und rissen das Publikum mit, wirbelten es ordentlich durch und hinterließen verschwitzte, ausgepowerte Leiber und glückliche Gesichter.“ Kaizers Orchestra... ja wir wussten wirklich nicht so genau, was uns erwarten würde... und es übertraf jegliche Vorstellungen. Dies war nicht nur ein einfaches Konzert, sondern eine Mischung aus Musik, Comedy und Stomp!
Beginnend mit der „Vorgruppe“: ein Mann, ein Akkordeon und jede Menge Witz. Geoff Barner verstand es das Publikum zu unterhalten und aufzuwärmen. Von Liedern, die in rumänischen Krankenhäusern geschrieben wurden bekam so mancher Gesichtskrämpfe vor lachen.
Leider viel zu kurz fiel der opening act aus. Doch keine Atempause, das Kaizers Orchestra Logo prangte schon unübersehbar im Hintergrund. Ebenso das berüchtigte Harmonium, sowie links und rechts der Bühne die Blechtonnen fehlten nicht. Die sechs Norweger ließen auch nicht lange auf sich warten und sofort wurde mit einer Auswahl an „Delikatessen“ losgelegt. Zu gleichnamigem Lied und KGB feierte das zahlreich erschienene Publikum ausgelassen mit. Der Pulk bewegte sich zu stampfendem, Polka angehauchtem Sound. Als bei "Bon fra" die Ölfässer zum ersten Mal zum Einsatz kamen, tobte die Menge. Mit mächtigen Holzschlägern wurden die bereits sehr in Mitleidenschaft gezogenen Fässer bearbeitet. Aber auch als Podest dienten die Allrounder ab und an. „Könnt ihr tanzen?“ lautete die Frage Jan Oves auffordernd vor "Maestro". Na klar! Und zum Beweis wurde ein Mädchen aus den ersten Reihen auf die Bühne geordert, die ihre Sache auch ganz ordentlich machte.
Es war eine Freude jedem einzelnen Künstler zuzusehen ob Herr Helge „Omen“ Kaizer mit der Gasmaske am Harmonium wie das Phantom der Oper, dem linkshändigen Schlagzeuger Rune „Mink“ Kaizer (diesmal ohne blutige Finger), der stakkatoartig sein Schlagzeug spielte. Abgerundet durch die beiden Gitarristen Hellraizer und Killmaster, deren Gitarren gern maschinenpistolenartig gen Publikum schwenkten und Thunder am Bass, dessen klassische Ausbildung ihn zu einem sagenhaften Basser werden lässt. Und natürlich sei der schlagfertige Frontmann nicht zu verachten. Gut gelaunt und mit massig Wortwitz schlug die Band das Publikum auf ihre Seite. Weiter gings mit "Di grind", "Container" und auch "Evig Pint" fand seinen Platz auf der Setliste. Zwischendruch ein Ölfass-Solo, das Stomp alle Ehre machte und das alles, bis der Schweiß in Strömen floss – bei der Band on stage, als auch beim unermüdlichen Publikum.
Ein weiteres Highlight des Abends war ein ganz besonderes Geburtstagskind: wir hatten ihn ja schon kurz im Hintergrund vorbeihuschen sehen, doch wir dachten es handele sich um eine Halluzination. Das gab es doch nicht... der ist doch schon tot?! Und doch, da stand er: Elvis, the King, Crewmitglied und heute wurde er 40 Jahre alt. Reichlich beschenkt wurde er von seinen Kollegen mit Torte und einem Heidelberg-Puzzle, das 500 Teile umfasste für lange Busfahrten. Dazu noch die herzzerreißende Ölfassversion von HappyBirthday... schöner kann man seinen 40. nicht feiern.
10 Euro erhielt dann noch die Dame, die sich Jans durchnässtes Hemd überzog und ein echter Elvis (der Ausweis bestätigte es) durfte mit Jan on stage, in Elvis´ Mantel gekleidet, das Tanzbein schwingen. Nach zwei Zugaben wurde die Band dann schweren Herzens entlassen. Was für ein Körpereinsatz, was für eine Stimmung – was für eine Band!